Von Panama segeln wir über die San Blas Inseln nach Catagena in Kolumbien. Beengte Verhältnisse, beängstigende Stürme, aber auch traumhafte Strände und köstliches Essen begleiten die Tage auf dem Meer.
Packliste für den Segeltörn
Für die Fahrt von Panama nach Kolumbien wurde uns eine Packliste bereitgestellt, an der wir uns orientierten.
- Wasserschuhe (die gab es für mich in lila für 4$, für Oliver mussten wir extra zu Decathlon gehen, wo sie sie knapp 27 $ gekostet haben)
- Badetuch
- 2 Waterpacks a 5 l (gab es für 6$)
- Snacks und Bier
- korallenschonende Sonnencreme
- Bargeld
- Müllbeutel zum Schutz vor Wasser
- Kopien von unseren Reisepässen
Abreise aus Panama City
Um 7.30 Uhr klingelte der Wecker und wir machten uns für unseren Segeltörn fertig. Zwischen 8.30 Uhr und 9.30 Uhr sollten wir abgeholt werden. In unserem Handgepäck befanden sich Badebekleidung, Handtücher, Kleidung für sonnige und für stürmische Tage an Bord. Wir genossen noch einen Kaffee im Zimmer, als das Telefon klingelte. Die Rezeptionistin teilte uns pünktlich um 8.30 Uhr mit, dass unser Fahrer da sei.
Wir quetschten uns in einen Jeep, in dem schon zwei Personen saßen, die aus demselben Hostel kamen. In einem weiteren Hotel sammelten wir noch ein Pärchen aus Berlin ein. Alle machten einen sympathischen Eindruck. Unter sehr beengten Verhältnissen mit teilweise Gepäck auf dem Dach fuhren wir an die andere Küste und kamen nach etwa zweieinhalb Stunden zum Bootsanleger in Puerto Lindo.
Am Hafen standen wir etwas unschlüssig herum, als unser Gepäck mit einer Schubkarre eingesammelt und zu einem Segelboot gebracht wurde. Dort erledigten wir die Formalitäten (bezahlen, Pässe samt Kopien abgeben) und lernten die dreiköpfige Besatzung (Kapitän Camille, Koch James und Seemann Santiago)kennen. Danach sollten wir noch eine letzte Mahlzeit an Land einnehmen, die zwar lecker, aber verhältnismäßig teuer war. Ein starker Regen verzögerte den Rückweg zum Boot. Durch riesige Pfützen wateten wir zurück und legten bei Sonnenschein ab.

Unsere Bootsgemeinschaft setzte sich aus folgenden Menschen zusammen:
- ein Pärchen aus Australien
- zwei Freundinnen (jeweils 24) aus den Niederlanden
- einem jungen Mann Mitte 20 aus den Niederlanden
- einem Pärchen aus Berlin
- einem Mädel aus Deutschland (23)
- und einer Dreißigjährigen aus Deutschland
Beim Auslaufen setzten sich alle nach vorne und freuten sich auf die anstehenden Tage. Unser “Zimmer” bestand aus einem Doppelbett mit Vorhang. Darunter war ein wenig Stauraum für unser Gepäck. Davor war ein Waschbecken, das wir uns mit einer weiteren Teilnehmerin teilen mussten. Diese lag über Eck hinter einem Rollo versteckt.
Unwetter und seekranke Gäste
Das Wetter schlug nach etwa 30 Minuten um. Der anfängliche Regen störte gar nicht so sehr, denn wir saßen alle unter unserem Verdeck. Leider gab es starken Wellengang und die Gesichter der Reisenden wurden immer weißer. Unserer Zimmernachbarin wurde richtig schlecht, sie wollte nur noch weg und fragte mich öfters, ob wir bald da wären. Leider lagen noch weitere Stunden vor uns. Sie übergab sich ständig und konnte kaum getröstet werden. Die Australier lagen entspannt in ihrem Zimmer, einer Niederländerin ging es auch immer schlechter.
Irgendwann wurde der Sturm schwächer und es wurden belegte Sandwiches serviert. Der Koch James erklärte, dass es für den Anfang leichtere Kost gäbe, da wir uns erst an das Leben auf See gewöhnen müssten, bevor etwas Richtiges serviert würde. Eine Mitreisende bekam vegetarisches Essen, zwei weitere waren Pescetarier. Wegen der extra Zubereitungsart war deren Reisepreis auch etwas höher als unserer.
Oliver und ich gehörten zu den letzten, die noch bis zum Ende des Abends UNO mit einigen Reisenden spielten. Nach langer Zeit machte es endlich mal wieder richtig Spaß und so lernten wir einen Teil unserer Mitreisenden kennen.
Ankunft an den San Blas Inseln
Im “Bett” hörten wir abends, dass der Anker gesetzt wurde. Die Ketten rasselten, Kommandos flogen durch die Luft. Dann war alles einigermaßen ruhig. Die Luft war jedoch unerträglich und der Schweiß lief uns über das Gesicht. Zum Glück gab es einen Mini Ventilator. Kurze Zeit später öffnete Oliver das Fenster über unseren Köpfen und eine leichte Brise strich uns um die Nase. So konnten wir einschlafen.
Komplett verschwitzt wachten wir auf. Das Tageslicht schien durch unser Fenster und der Duft von geröstetem Toast lag in der Luft. Alle versammelten sich um den Tisch und genossen Kaffee, frisches Obst und Toast mit Marmelade.
Immigration in Badekleidung
Bevor wir irgendeine Insel betreten durften, mussten wir zur Immigration. Dafür mussten wir vom Boot ins Wasser springen und zur Insel schwimmen. Mehrere uniformierte Herren inspizierten die Kopien unserer Reisepässe und verglichen die Passbilder mit unseren nassen Häuptern.


Anschließend schwammen wir zum Katamaran zurück, der uns zur nächsten Insel brachte, wo wir den Tag verbringen sollten. Santiago sorgte dafür, dass unsere Drybags per Boot an Land gebracht wurden.
Oliver und ich gönnten uns ein kühles Bier, dann umrundeten wir die kleine Insel zu Fuß. Unterwegs sammelten wir diverse Plastikflaschen ein und entsorgten sie in einem Mülleimer.
Wieder am Strand lud uns Santiago mitsamt unseren Schnorcheln auf das Motorboot und brachte uns zu einem Schnorchelspot. Dort sprangen wir ins klare Wasser. Mir war das Ganze jedoch nicht geheuer, so dass ich mich zurück ins Boot zog und ziehen ließ und zum Strand zurück bringen ließ. In der Ferne konnte ich die Schnorchelgruppe erahnen.

Nach etwa 45 Minuten sammelte Santiago die Gruppe wieder ein und brachte sie zurück zum Katamaran. Mich und alle an Land liegenden Gegenstände sammelte er ebenfalls im Anschluss ein.
Zum Abendessen zauberte uns James köstliches Rindfleisch mit Reis und Gemüse.
Durch den spontanen Schnorchelausflug hatte Oliver gar keine Zeit gehabt, sich einzucremen und hatte fortan einen roten, brennenden Rücken.
Sonntag, 04. Oktober 2026, Inseltag
Weiter ging es zur nächsten nahegelegenen Insel. Ein Fischerboot kam morgens vorbei und brachte uns diverse riesige Hummer und einen Krebs.
Oliver und ich erkundeten erneut die Insel. Es gab ein Haus mit Toiletten und Duschen, die von einigen Teilnehmern genutzt wurden. In unserer Nähe hatten noch zwei weitere Boote mit wenigen Teilnehmern halt gemacht. Im wild bewachsenen Teil der Insel konnten wir die Hütten der Inselbewohner entdecken. Natürlich wurden auch hier wieder Armbänder, Kissenhüllen und Tücher verkauft.
Die anderen Bootspassagiere vergnügten sich mit einem Volleyball am Strand.
Es gab einen Barbereich, an dem wir uns am frühen Nachmittag eine Kokosnuss kauften, die mit einem Schuss Rum gefüllt wurde. Für zwölf $ war das Ganze doch etwas teuer. Wir entdeckten Santiago, der “unsere” Hummer an Land brachte. Natürlich drückte er Oliver direkt zwei der riesigen Wassertiere in die Hand. Wir durften sogar die Küche betreten, in der mit minimalem Strom für alle gekocht wurde.


Bei Einbruch der Dunkelheit wurden uns an einer großen Tafel etliche köstliche Hummerteile serviert. Das war schon ein Erlebnis. Dazu wurde selbstgemachter Kraut- und Rotkohlsalat gereicht.


Im Anschluss sollte noch so etwas wie eine Party stattfinden. Die jüngeren Teilnehmer schwangen sofort das Tanzbein, wir hingegen waren schon müde und wollten lieber aufs Boot. Santiago brachte uns und wir konnten uns in aller Ruhe bettfein machen.
Kurz nachdem wir es in unserem Bett gemütlich gemacht haben, trudelten auch die anderen ein.
Montag, 05. Oktober 2026, Inseltag


Wieder steuerten wir eine neue nahegelegene Insel an, die wir schwimmend erreichten. Ähnlich wie bei den bisherigen Inseln gab es eine Bar und ein Restaurant, die aber beide nur vom Personal besetzt waren. Gäste waren nur vereinzelt zu sehen.


Angenehm waren Hängematten, die ins Wasser hingen. Oliver fläzte sich direkt in eine uns genoss den leichten Wellengang.
Zu Fuß war nur ein privater Bereich erreichbar, der leider sehr vermüllt war. Santiago zeigte uns daraufhin den gegenüberliegenden Strandbereich, der durch einen mit Muscheln gesäumten Weg erreichbar war. Hier tummelten sich Familien und etwa zehn Segelboote. Direkt an den Strandbereich schloss sich eine kleine Siedlung der Einheimischen an.
Den Abend verbrachten wir auf unserem Katamaran, der noch vor Anker lag. James zauberte uns köstliche Pasta mit Hummersauce.

Einige Partywütige ließen sich erneut ans Festland bringen. Leider setzte kurze Zeit später Starkregen ein. Trotzdem erreichten sie kurz vor Mitternacht noch sicher unser Boot mit dem Fahrservice von Santiago.
Dienstag, 06. Oktober 2026, Inseltag

Fast gleichzeitig fanden sich alle morgens zum Frühstück ein. Es gab leckeres Rührei, Toast und Obst.

Wir steuerten drei in der Nähe liegende Inseln an. Uns wurde gesagt, dass wir zwei unbewohnte Inseln anschwimmen konnten. Die dritte sei mittlerweile leider privat, weil irgendwelche Lizenzen nicht erteilt worden seien. Hier hätten wir noch einmal Snacks bekommen können, was aber niemand als wichtig erachtete. Vorher sahen wir nämlich einen Verkäufer, der mit seinem kleinen Boot heran fuhr und unserer Besatzung mehrere ganze Hühner vorbeibrachte. Auch Getränke und Zigaretten waren im Angebot, doch niemand hatte Bedarf.
Mit den Schnorcheln sprangen wir rein und erkundeten das Wasser. Das anfängliche Schwarz änderte sich zu klarem Blau in Inselnähe. Im Wasser tummelten sich tausende Minifische. Auf dem Boden zeigten sich zwei durchsichtige Fische, die sie beim Näherkommen im Boden vergruben.

Die Gruppe war inzwischen zu der weiteren Insel geschnorchelt. Oliver winkte mir vom Strand aus zu. Nachdem auch ich auf dieser Insel ankam, sahen wir schon den näherkommenden Regen, was uns veranlasste, zum Katamaran zurück zu schwimmen. Kaum angekommen, setzte der Regen auch schon ein. Er wurde immer stärker und verwandelte sich in einen kräftigen Sturm. Besorgt saßen alle an Deck. Unsere Besatzung kämpfte damit, dass unser Boot nicht strandete. Mehrfach drehten wir uns auf der Stelle, sahen an den Inseln die Menschen, die die Boote sicherten. Unsere Styropor-Schachtel mit Deckel flog in zwei Teilen über das Meer.
Nach etwa einer Stunde war fast alles vorbei.
Zum Mittagessen gab es die köstlich zubereiteten Hähnchen mit Salat und Gemüse. Die Köpfe der Hähnchen gingen über Bord, darüber sollten sich andere Lebewesen im Wasser kümmern. Ein Hai sowie andere Fische nahmen die Essensreste dankbar entgegen.

Ein paar Leute sprangen nochmal ins Wasser, das durch den Sturm sehr aufgewühlt war. Danach folgte eine Sicherheitseinweisung vom Steuermann. Wir wurden darüber informiert, wo die Westen sind, wo die Sicherheitsinsel ist und wie die Technik funktioniert. Durch einen Sender wären wir jederzeit zu orten, auch wenn wir auf hoher See sind. Das Drücken eines Notfallknopfes löse einen Alarm bei allen umliegenden Booten und Schiffen aus, außerdem würde das Festland informiert.
In Sicherheit wiegend tröpfelte der Nachmittag mit verschiedenen Gesprächen so dahin, Oliver hielt ein kleines Schläfchen.
Zum Abendessen gab es Pellkartoffeln mit Salat und Auberginen – wieder sehr köstlich.
Ein Teilnehmer hatte ein Spiel auf seinem Handy (Mister White?), an dem alle teilnehmen konnten. Es war sehr lustig. Außerdem lernten wir noch ein weiteres Kartenspiel kennen.
Gegen 22 Uhr wurden wir gebeten, unsere Betten aufzusuchen, da die Mannschaft die ganze Nacht fahren musste und sich mit dem Schlafen abwechselte. Die zwei Schlafplätze (nicht alle schliefen gleichzeitig) für die Mannschaft waren Matratzen, die in unserem Gemeinschaftsbereich ausgelegt wurden. Deshalb war der Gemeinschaftsbereich ab einer gewissen Uhrzeit für uns gesperrt. In den Wellen wiegend schlummerten wir schnell ein.

Mittwoch, 07. Oktober 2026, Seetag
Nach einer stickigen Nacht – aber nicht so schlimm wie die zweite Nacht – trafen wir uns bei Sturm zum Frühstück. Oliver war bereits um 5.45 Uhr bei unseren schlafenden Matrosen, ich war gegen 7 Uhr da. Die Ruhe im Sturm war angenehm.
Zum Frühstück sah man erschöpfte Gesichter. Mittlerweile hatten wir drei Leute, die sich übergeben hatten. Es gab verschiedene Sorten von Müsli und Kaffee, was uns alle stärkte.
Der Vormittag war von Sturm geprägt. Irgendetwas stimmte mit dem Segel oder dem Mast nicht, so dass der Steuermann Kommandos gab und die beiden anderen mit Gaffatape und Schälmesser arbeiteten. Eine Teilnehmerin war so wagemutig und genoss den Wind ganz vorne. Sie war jedoch auch segel- und sturmerfahren, da sie jährlich mit ihren Eltern segelt.
Viele verbrachten den Vormittag in den Kabinen, in denen kein Lüftchen war. Wegen des Sturms waren natürlich auch die Fenster alle zu. Oliver und ich genossen das Geschaukel draußen im überdachten Teil des Katamarans.
Mittags erhielten wir Sandwiches wie am ersten Tag. Das war sicher magenfreundlicher und für alle verträglicher. Die meisten genossen auch ihre zwei belegten Sandwiches. Im Anschluss gab es noch ein paar Extrasandwiches für die ganz Hungrigen.
Das Meer beruhigte sich am frühen Mittag und die Sonne zeigte sich gelegentlich. Das einzige Schiff in der Nähe war ein Tanklaster. Zwei Albatrosse flogen ebenfalls über das unendliche Blau. Zu Besuch kam auch ein Wellensittich, der sehr zutraulich war.
Am letzten Abend wurde uns Reis mit Hähnchen serviert. Wir spielten noch zusammen “Cambio”, ein Kartenspiel, das in Südamerika sehr verbreitet ist. Hier war vollste Konzentration angesagt, da man sich seine eigenen verdeckten Karten merken musste sowie die von den anderen Teilnehmern und gefühlt 1000 Regeln. Den Abend beendeten wir mit einer riesigen UNO Runde und wurden um 21 Uhr auf unsere Zimmer geschickt.
Bereits um 23 Uhr erhielten wir wieder Internetsignale, waren aber noch ein Stück von unserem Ziel entfernt.
Donnerstag, 8. Oktober 2026, Seetag
Die Sonne ging auf, als ich nach draußen kroch. Die Crew grüßte mich fröhlich und zeigte auf das Festland. Sie waren gerade dabei, den Katamaran festzumachen.


Nach dem letzten Frühstück räumten wir unsere Kabinen. Kurz vor dem Festland hatte uns eine riesige Welle überrascht, so dass die Kabine unserer Zimmernachbarin unter Wasser stand. Unser Fenster hatte Oliver glücklicherweise vorher geschlossen.





Die Pässe wurden an Land von jemandem eingesammelt und kontrolliert, das Gepäck an Land gehievt. Die Situation war für mich sehr emotional. Noch nie hatte ich eine solche Fahrt erlebt. Wir hatten es geschafft, was mich zu Tränen rührte. Nach einem letzten gemeinsamen Foto verabschiedeten wir uns voneinander und wagten wieder erste Schritte in Latschen auf dem Festland.

Comments are closed.