Willkommen in der Atacama-Wüste in San Pedro. Unsere erste Tour führt uns durch das Valle de la Luna. Am nächsten Tag bestaunen wir den Geysir „El Tatio“.
Anreise nach San Pedro
Nach der sehr beengten Busfahrt von Santiago die Chile nach Calama (s. vorheriger Artikel), die über 21 Stunden gedauert hat, kamen wir an einem Busbahnhof an. Wir wollten erstmal frühstücken, bevor wir weiter nach San Pedro reisen wollten. Per Uber fuhren wir in die Innenstadt, von wo aus direkt mehrere Busse nach San Pedro fahren sollten.
Das Restaurant, in dem wir frühstückten, war ganz gut bewertet. Wir waren die ersten Gäste und wurde lediglich ein Gericht „Brot mit Spiegelei“ und Instantkaffee angeboten. Die folgenden Gäste hatten stattdessen Suppen und ähnliche Köstlichkeiten auf ihren Tischen. Sehr merkwürdig.
Im nächsten Bus hatten wir wesentlich mehr Platz, da wir unten saßen. Der untere Bereich ist durch eine Tür, die zur Treppe nach oben führt, abgetrennt. Durch die Wüste erreichten wir eine kleine Stadt mitten im Nichts. Vom Busbahnhof waren es nur wenige Minuten zu Fuß zu unserer Unterkunft.
müde in Calama
einfaches Frühstück in Calama
Hostel in der Innenstadt
Das Hostel „Vientos – La Yareta“ machte einen positiven Eindruck. Wir hatten ein großes Bett und noch ein weiteres für eine Person, das wir für die Ablage unserer Kleidung nutzen konnten, mit eigenem Bad. Im Innenhof standen Tische, an denen man bis 15 Uhr speisen kann, so dass es immer laut und munter vor unserer Tür zuging. Alles war sauber und bequem.
Frühstück im Hostal
erstmal Coca-Tee
Spaziergang und Erkundung der Stadt
Das Städtchen San Pedro in der Wüste lässt sich schnell erkunden. Die Fußgängerstraßen sind von Restaurants und Souvenir-Läden gesäumt. Leider stehen auch hier Personen mit Speisekarten in der Hand, die versuchen, Kunden reinzulocken. Es gibt viele Touranbieter, die alle ähnliche Touren anbieten. Im Zeitalter von Internet-Buchungen hat uns das etwas verwundert.
Ausflug in das Valle de la Luna
Wüstenglück
Um 15 Uhr startete unsere Tour in das Valle de la Luna, die wir über GetYourGuide.de gebucht hatten. Von unserer Ausflugsagentour, die bei uns um die Ecke war, fuhren wir in voll besetztem Bus (2 Guides und 13 Teilnehmer) ca. eine Stunde durch die Wüste. Dann erfolgte ein Aufstieg durch Sand und über Steine zum Mirador 1. Wenn ich das vorher gewusst hätte: Der Weg war schmal und führte direkt am Abhang entlang.
Gelegentlich musste man über Steine klettern. Mehrfach nahm ich die Hand von Oliver oder unserem Guide, doch ich verfluchte diese Tour trotzdem. Oben angekommen, hatten wir einen phänomenalen Ausblick, der gar nicht in Worte zu fassen ist. Von dort ging es zum Mirador 2, der laut dem Guide nur noch über einen geraden Weg führen würde. Doch es wurde nicht besser. Meine Beine zitterten vor Panik und es war schwer für mich, gute Laune zu bewahren (was man auf den Fotos zum Glück nicht sieht).
einsam in der Wüste
Olli in der Atacama-Wüste
Vom zweiten Ausgangspunkt war es zum Glück leichter, wieder zum Bus zu kommen. Der sandige Weg war breiter und einen Sturz in den Abgrund hätte man überleben können.
Atacama-Wüste
Bei der letzten Station unserer Tour sollten wir den Sonnenuntergang beobachten können. Wir parkten auf der Hauptstraße und erklommen einen letzten Hügel. Mittlerweile kannte mich die Gruppe und ich bekam von überall eine helfende Hand. Was für eine tolle Gruppe! Der Ausblick über die Wüsten-Berg-Landschaft war toll.
Ausblick Wüste
Erleichtert, dass diese Tour zu Ende war, suchten Oliver und ich noch eine Pizzaria auf. Für die nächste Tour am nächsten Tag mussten wir uns ernährungstechnisch vorbereiten, da es erstmalig über 4000 m gehen sollte. Mit Pasta und leichter Sauce ohne alkoholische Getränke sollte es gehen.
Oben angekommen, erwarteten uns Temperaturen knapp unter 0° Grad Celsius. Zum Glück hatten wir ja schon in Santiago Kleidung für dieses Event gekauft, was auch dringend nötig war.
Ausflug zum Geysir „El Tatio“
Wo wir sind
Nebelmann
Abends wurden wir zu einer WhatsApp-Gruppe hinzugefügt und über die Abfolge der Abholungen vom Hotel informiert. Wieder hatten wir unsere Tour über GetYourGuide.de gebucht. Um 4.35 Uhr (AM) hielt der Bus mit den Guides Alex und Mirko. Insgesamt waren wir 10 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die wir teilweise schon vom Vortag kannten.
Geysir El Tatio
4409 m über dem Meerespiegel
gut gerüstet für kalte Touren
vor dem Geysir
Das Gebiet umfasst etwa 80 bis 110 dampfende Geysire, von denen etwa 30 aktiv sind. Das Wasser, das aus den Gysiren quillt, hat Temperaturen bis zu 83° Grad Celsius. Über mit Steinen markierten Wegen durften wir uns zwischen den dampfenden Wasserstellen hindurchnbewegen. Alex hat uns ganz klar davor gewarnt, die Markierungen zu übertreten, da es schon mehrfach zu Todesfällen gekommen ist, weil die Regeln nicht befolgt wurden. Bereitwillig machten die Guides Fotos von den Gruppenteilnehmern.
Das abgesperrte Gebiet der Gysire ist nur in den frühen Morgenstunden zu besuchen, da sonst durch Nebel nichts mehr zu sehen ist und es zu gefährlich wird. Vor der Corona-Pandemie gab es noch einen Platz, an dem man schwimmen konnte. Durch eine veränderte Bakterienzusammensetzung des Wassers wäre dies jetzt nur noch möglich, wenn man Chemikalien hinzufügen würde, wogegen sich die Einheimischen aussprachen.
Auf dem Rückweg sahen wir einige wild lebende Tiere, denen wir uns aber auf keinen Fall nähern sollten, da sie gelegentlich aufdringliche Menschen angreifen, die sich der Tierfamilie nähern. Dafür konnten wir verschiedene Arten von Flamingos bestaunen.
endlich wärmer
entspannt in der Wüste
Frühstück in der Wüste
Den Abschluss unserer Tour bildete ein Picknick mitten in der Wüste. Dafür wurden ein Klapptisch ausgepackt, Eier gebraten, Avocados zerdrückt und Fladen getoastet. Außerdem gab es Instant-Kaffee, Tee und Saft. Faszinierend, was alles aus dem Bus gezaubert wurde.
Nach etwa sieben Stunden war diese wunderbare Tour zu Ende und wir „erholten“ uns ein wenig davon auf unserem Zimmer. Abends gab noch einmal Pizza und ein Getränk in einer Kneipe, doch fielen wir müde und früh in unser Bett.
Verlängerung um eine Nacht
Eigentlich sollten wir am 24. Oktober im Bus nach Boliven sitzen, doch war der Bus nach unserem Ausflug komplett ausgebucht. Wir wollten zuerst testen, ob wir mit der Höhe klar kommen, da Uyuni ebenfalls über 4000 m liegt. Deshalb verlängerten wir unseren Aufenthalt um eine Nacht, mussten aber das Zimmer wechseln, was dazu führte, dass wir um 11 Uhr raus mussten und das neue, kleinere Zimmer erst am Nachmittag frei wurde.
Am nächsten Morgen hatten wir pünktlich um 11 Uhr unser Zimmer geräumt. Merkwürdigerweise durften wir jedoch nicht in unser neues Zimmer, das als erstes geputzt werden sollte. Nach zwei Stunden erklärte man uns, dass der Vormieter des Zimmers noch nicht von seiner Tour zurück wäre. Er hätte alle Sachen noch dort und den Schlüssel noch nicht zurück gegeben. Deshalb erhielten wir den Schlüssel der Reinigungskraft. Trotzdem war es ein komisches Gefühl, dass jemand einfach in unser Zimmer hätte gehen können, was dazu führte, dass ich in der Nacht kaum schlafen konnte.
Wir nutzen den zusätzlichen Tag für einen Spaziergang zu einer Ruine, die jedoch wieder auf einem Berg lag. Auf dem Weg dorthin verglich Oliver die vor uns liegenden Berge mit Kuchenstücken. So sah er beispielsweise eine „Kalte Schnauze“, einen „Maulwurfkuchen“ und weitere Köstlichkeiten. Um auf die richtige Seite zu kommen, mussten wir durch einen ausgetrockneten Fluss kraxeln. Diesen „Weg“ nutzten aber auch Busse und Radfahrer.
Der Aufstieg hatte sich wieder mal gelohnt. Oliver ging sogar bis zur Spitze, so dass ich schöne Fotos von ihm machen konnte.
In Santiago de Chile gehen wir auf das Abschiedskonzert von The Gathering, lernen viele nette Menschen auf einer Party kennen und nehmen an einer Weintour teil.
Flug von Medellin (Kolumbien) nach Santiago de Chile
Zum Abschluss unseres Kolumbien-Aufenthalts suchten wir noch einmal das schöne Restaurant unseres Hotels auf und sortierten dort unsere Papiere für unseren Flug nach Chile. Wichtig ist, dass Präparate wir Ingwer-Kapseln, die wir für die Segeltour genutzt hatten, angegeben werden. Mit solchen muss man bei Ankunft in Chile durch den roten Ausgang gehen und diese vorzeigen.
umgepacktes Handgepäck
Per Uber ging es zum Flughafen. Dort ließ Oliver seinen Rucksack einschweißen und ich verschloss meinen Koffer mit einem Zahlenschloss. Meinen normalen lila Rucksack hatte ich in den Koffer gepackt, da er zwei Zentimeter zu groß für das Handgepäck war. Die Aufgabe des Gepäcks dauerte ewig, weil viele Leute vor uns noch nicht erlaubte Gegenstände aus dem Gepäck rausholen, ihr Gepäck umpacken oder zusätzliches Gepäck zahlen mussten.
Im Flieger hatte Oliver extra die Plätze mit mehr Beinfreiheit am Notausgang gebucht und einen Platz zwischen uns frei gelassen, der zum Glück auch frei blieb. Nervig war, dass die anderen Gäste zu großes Handgepäck dabei hatten und unsere Turnbeutel mit unseren Laptops ständig aus den Gepäckablagen nahmen. Irgendwann war alles verstaut und wir hatten Ruhe. Der Flug war ganz angenehm. Leider gab es trotz der langen Flugzeit von über sieben Stunden keine warmen Mahlzeiten, so dass wir uns von Chips ernähren mussten.
In Chile bekamen wir recht schnell ein Uber, das uns zu unserem Hotel fuhr. Die Straßen waren auf einmal wieder viel gerader und nicht so hügelig wie in Kolumbien. Es wirkte viel moderner. Auch sahen wir wieder viel Werbung für internationale Marken.
Hotel in der Innenstadt
Um 4 Uhr morgens erreichten wir müde unser Hotel. Die Straße wirkte sehr heruntergekommen, es gab viele Menschen, die auf der Straße schliefen. Ich hatte das größte Zimmer gebucht, damit wir nochmal alles aus unseren Koffern auspacken konnten. Das Hotel bot morgens immer ein einfaches Frühstück mit Toast, Kuchen, Obst und Säften an. Am ersten Morgen verzichteten wir jedoch darauf, da wir erst am frühen Morgen eingecheckt hatten. An den anderen Tagen genossen wir dieses. Eigentlich hatten wir das Zimmer nur bis zum 19. Oktober gebucht, doch verlängerten wir um eine Nacht. Obwohl ich nur ein sehr günstiges Zimmer für die letzte Nacht wählte, durften wir in unserer Junior-Suite bleiben.
Erkundung von Santiago de Chile
Nach dem Frühstück machten wir einen Spaziergang durch die Stadt. Auf dem Plaza de Armas de Santiago, dem historischen Zentrum der chilenischen Hauptstadt entdeckten wir viele Kunsthandwerker-Stände, an denen ich gerne etwas gekauft hätte, doch leider nahmen sie nur Bargeld, das wir zu dem Zeitpunkt noch nicht hatten. In der Post konnte ich endlich Briefmarken für die Postkarten kaufen, die ich in Mexiko verschicken wollte, was mangels Briefkastens auf der gesamten Strecke durch Mittel- und Südamerika noch nicht ging.
rote Kirche in SantiagoHaus in Santiago
Vergeblich suchte Oliver in mehreren Geschäften nach einer SIM-Karte, die wir für mobile Daten in mehreren Ländern nutzen wollten. Als er es aufgeben wollte, stand er direkt an einem Straßenstand, an dem uns die Dame erklärte, das sie das Gesuchte hatte. Also gingen wir flugs zur Bank und holten Efectivo (Bargeld). Hier trafen wir auf eine ältere Dame, die mir meine Mini-Handtasche unter den Pulli schob mit dem Kommentar, dass es hier doch sehr gefährlich sei. Damit schwappte die Sicherheitssorge vieler Chilener, die wir treffen sollten, ein wenig auf uns über.
Apostel Santiago
In der Nähe unseres Hotels, wo wir unsere Reisepässe wieder verstauen wollten (meist braucht man diese für den Erwerb von SIM-Karten, hier allerdings nicht), fanden wir ein nettes Restaurant, in dem auch schon Clinton gespeist hatte. Oliver bestellte einen Burger, ich einen Salat mit Rindfleisch-Streifen – beides sehr zu empfehlen. An den Türen zur Toilette musste ich sehr schmunzeln: auf der Tür zum Herrenklo lachte uns Bill Clinton entgegen, an der Tür zur Damentoilette strahlte uns Monica Lewinsky an.
Bier in der Bill Clinton Barlecker essen in der Bill Clinton Bar
Unser nächster Spaziergang führte uns zu einem großen Platz, an dem viele Hunde tollten und die Besitzer direkt neben den Häufchen campierten. Sehr merkwürdig. Hier standen viele Fahnen und wir waren umringt von bedeutenden Bauwerken. Weiter ging es zu einem Platz mit einer riesigen Fahne, dem Plaza de la Ciudadanía (Platz der Staatsbürgerschaft). Von dort wurden wir durch laute Musik angelockt. Eine Demonstration? Als wir uns näherten sahen wir fröhliche Menschen, die trommelten und tanzten. Die gute Laune war ansteckend, so dass sich eine große Menschentraube darum bildete.
Den Abschluss des Tages sollte eine Fahrt mit der Seilbahn auf einen hohen Berg bilden. Mit der U-Bahn fuhren wir in das Vergnügungsviertel Bellavista. Überall versuchte man uns durch günstige Preise hineinzulocken, doch wir wollten nur nach oben. Leider war die Seilbahn an diesem Abend geschlossen, was uns doch zu einem Getränk in diesem Viertel verführte. Hier testeten wir Pisco, eine Art Trester, was jedoch nur gemischt mit Cola genießbar war.
Nach einer kurzen Pause im Hotel suchten wir noch zur Einstimmung auf den nächsten Tag eine Rock Bar auf. Jetzt hatten wir aber genug für den Tag und nutzen wieder ein Uber für die Heimfahrt.
Konzert von The Gathering
Vor dem Konzert von The Gathering, die wir ja schon in Mexiko-City gesehen hatten, gönnten wir uns einen Tag der Entspannung. Das war auch bitter nötig, denn der Tag sollte noch einige Überraschungen bringen. Wir bekamen eine Nachricht aus Deutschland und konnten das nur mithilfe meiner Schwester und meines Schwagers klären. Zum Glück gibt es Menschen, die uns während unserer Abwesenheit unterstützen.
Auf dem Weg zur U-Bahn erklommen wir einen Hügel mitten in der Stadt, der am Abend zuvor durch Gitter versperrt war. Oben tummelten sich sehr viele Touristen, wodurch es sehr eng war. Also schlenderten wir weiter zur U-Bahn, kamen aber nicht nah genug zur Event-Location, so dass wir wieder ein Uber bestellten.
bereit für das Konzerthier waren schon alte Bekannte
Schon während der letzten Tage stand ich in Kontakt zu Andrea, einer Chilenin, die wir auf einem Konzert in den Niederlanden kennengelernt hatten. Nun sollten wir uns endlich wieder sehen. Nach ein paar Getränken und einer super Pizza gingen wir direkt vor die Bühne, wo uns sofort ein Brasilianer, den wir ebenfalls in den Niederlanden kennengelernt hatten entdeckte. Während Oliver sich mit ihm unterhielt, winkte mir Andrea entgegen.
Die Vorband sagte uns nicht so zu, weshalb wir uns nochmal draußen aufhielten. Der Konzertsaal füllte sich zunehmend. Trotzdem fanden wir noch tolle Stehplätze im Innenraum, als The Gathering auftraten. Das Konzert war wieder umwerfend. Es hat sich wieder mal gelohnt, so weit zu reisen. Das ist jedoch das geplante letzte Konzert auf unserer Reise.
Andrea hatte für uns eine Location herausgesucht, die wir nach dem Konzert aufsuchen sollten. Gemeinsam fuhren wir per Uber dorthin. Ich war sehr skeptisch, da dieser Ort bei google.com als Disko ausgezeichnet wurde. Wir wurden sehr positiv überrascht: unsere Namen standen auf der Gästeliste, so dass wir problemlos rein kamen. Im Barbereich gab es etliche Biertische, an die wir uns setzen. Schnell schlossen wir Kontakte zu weiteren Fans von The Gathering. Lustigerweise bestand eine Gruppe komplett aus Lehrerinnen und Lehrern. Hinter der Bar war dann die Disko. Ich fühlte mich musiktechnisch in die 1980er Jahre zurück versetzt. Großartig! Alle tanzten und waren gut drauf. In einem weiteren Raum wurde Musik aus Südamerika gespielt, was auch zum Tanzen animierte. So ein Ort zum Feiern fehlt zu Hause in Düsseldorf!
Selten kommen Oliver und ich um 4 Uhr morgens von einem Event, geschweige denn aus der Disko, zurück. Was für ein toller Abend!
Ein weiterer Tag mit Andrea
Obwohl die Nacht sehr kurz war, stand Andrea schon um 11. 30 Uhr ab. Gemeinsam wollten wir die Stadt erkunden, denn sie war bisher nur zu Konzerten in der Stadt. Schon vor unserem Hotel bemerkten wir die besondere Stimmung, denn in Santiago de Chile sollte an diesem Tag eine Demonstration zum 7. Jahrestag zu den Protesten gegen soziale Ungleichheit stattfinden. Alle Geschäfte (außer den Schuhgeschäften) hatten geschlossen. Wir besuchten gemeinsam den Plaza de las Armas, doch auch hier stießen wir schnell auf viel Polizei und Straßensperren. Deshalb entschlossen wir uns, erneut zur Seilbahn zu fahren. Auch hier war bereits Vieles abgesperrt und Demonstranten versammelten sich. Das war uns etwas zu gefährlich, so dass wir Andrea direkt zum Bahnhof brachten, wo sie von einem Freund erwartet wurde. Uns wurde empfohlen, dass wir uns nicht in der Innenstadt aufhalten sollten.
Glücklicherweise hatten wir am Vortag eine Weintour gebucht, die 12 km außerhalb der Stadt stattfinden sollte. Da auch einige U-Bahn-Stationen und -Linien aufgrund der Demonstration dichtgemacht hatten, nutzen wir erneut ein Uber.
Weintour durch das Weingut
Über GetYourGuide.de hatte ich eine Weintour über ein kleines Weingut etwas außerhalb von Santiago de Chile gebucht. Da wir schnell aus der Stadt raus wollten, waren wir eine Stunde zu früh da, was aber kein Problem war, denn es gab auch um 15 Uhr eine Führung. Zur Begrüßung bekamen wir ein Weinglas und einen Begrüßungswein. Es war unglaublich interessant, etwas über das Familien-Wein-Anbaugebiet zu erfahren, das sehr bedeutend für Chile war. Die Frau des verstorbenen Besitzers führte einen freien Tag in der Woche ein und verbesserte die Arbeitsbedingungen enorm, indem sie moderne Techniken einsetzte. Wir durften vier Weine probieren und danach vergünstigt einkaufen. Ganz schön clever, erst Alkohol auszuschenken und dann den Verkaufsraum zu öffnen!
BegrüßungsweinProbierschluckWeinfässermächtige und soziale Frau in der WeingeschichteDas Glas ist leer?
Ich erstand eine Flasche der probierten Weine und kaufte zusätzlich noch Chorizo-Salami, die Bestandteil der längeren Tour war. So konnten wir ein kleines Picknick auf dem Weingut machen.
Zurück auf dem Plaza de Armas spürte ich so etwas wie Reizung der Augen durch Zwiebeln. Hinterher erfuhren wir, dass während der Demonstrationen auch Tränengas eingesetzt wurde.
Trotzdem gönnten wir uns hier ein für diese Gegend typisches Gericht: ein Sandwich
Sandwich von Santiago
Einkauf für unsere bevorstehenden Wüstentouren
Da es am Sonntag nicht mit den Einkäufen geklappt hat, mussten wir am Montag Morgen erneut losziehen. Recht schnell fanden wir bei einem Outdoor-Ausstatter passende Kleidung für eine Touren um den Gefrierpunkt.
Zahnrad-Seilbahn
Nach zwei fehlgeschlagenen Versuchen, mit der Zahnrad-Seilbahn zu fahren, sollte es am Montag endlich klappen. Normalerweise fährt die Seilbahn hinauf bis zu einer Statue von Jesus (einige Treppen muss man schon noch steigen). Doch an diesem Tag war die Zahnrad-Seilbahn im Einsatz. Ratternd fuhr sie ziemlich weit rauf. Der Weg hatte sich gelohnt, denn hier hatten wir wieder einen tollen Blick über die Stadt.
Fahrt mit der Zahnrad-SeilbahnAngekommen bei der Jesus-StatueBlick über Santiago de Chilegemütlicher AufstiegSonnenschein genießen
Wieder unten, kehrten wir noch für ein Getränk in einer Micheladas-Bar ein. Hier wird ein Glas mit Salz- oder Gewürzrand vorbereitet und das Bier entsprechend der gewünschten Geschmacksrichtung erweitert.
Micheladas
Micheladas Mango
Abreise aus Santiago de Chile
Nach dem Frühstück im Hotel fuhren wir mit der U-Bahn zum Bahnhof, den wir ja schon einmal besucht hatten. Der Busbahnhof liegt rechts hinter dem normalen Bahnhof und ist übersichtlich gegliedert. Bereitwillig zeigte man uns, wo unser Bus abfuhr. Ein Herr nannte uns sogar den Bussteig auf Deutsch. Er hatte dies während seiner Arbeit gelernt und zeigte ein besonderes Interesse an Sprachen.
Da es noch sehr früh war, aßen wir noch eine Kleinigkeit und deckten uns mit Getränken für die Fahrt ein.
Sack am Busbahnhof
Wir hatten uns im Bus Plätze reserviert, doch stellten sie sich alles sehr schlecht heraus. Wir saßen oben direkt rechts neben den Treppen in der zweiten Reihe. Dadurch musste jeder, der zur Toilette wollte, hinter uns vorbei. Die meisten hielten sich an Olivers Rückenlehne fest und hievten sich hinunter, wobei sie seine Haare einklemmten. Einige forderten auch, dass Oliver die Rückenlehne wieder aufrecht stellt, was bei einer Nachtfahrt unsinnig war. In der Reihe vor Oliver saß jemand um die zwanzig, der sich komplett zurückgelehnt hatte und auf dieser Position beharrte, obwohl Oliver noch nichtmals seine Knie in die Reihe ziehen konnte. Den Platz mit mir zu tauschen ging auch nicht, da die obere Ablage nur knapp über meinem Kopf war und ein sehr großer Mensch da gar nicht sitzen kann. Zum Glück endet ja irgendwann jede Busfahrt.
Nach unserem Segeltörn von Panama nach Cartagena in Kolumbien flanieren wir durch malerische Straßen und kosten kolumbianischen Kaffee
Abschied von unser Segelgruppe
Nachdem wir uns bereits am Bootssteg voneinander verabschiedet hatten, folgte eine zweite Verabschiedung an der Straße, wo sich alle auf unterschiedliche Taxis verteilten. Lustig war, dass die beiden Alleinreisenden in denselben Hostels abgestiegen waren, wie jeweils ein Paar, so dass sie sich ein Taxi teilen konnten. Ich wollte unbedingt noch zum Souvenier-Shop von Bluesailing.net, um mir ein T-Shirt zu kaufen. Zwar fanden wir das Büro fußläufig, doch war es unbesetzt. Per Uber ließen wir uns in unser Hostel fahren.
Hostel mitten in der Altstadt
Oliver hatte uns ein Privatzimmer mit kleinem Wohnzimmer ausgesucht, das auf den ersten Blick wie ein Palast aussah. Nach ein paar Tagen auf einem Katamaran mit einer Matratze (Turnmatten aus den 1970ern) wirkte alles andere luxoriös. Bei genauerem Hinsehen gab es schon einige Macken. Die Toilette incl. Dusche waren nach oben hin offen und nur durch eine mit Lüftungsschächten versehenen Holztür verschließbar – also null Privatssphäre. Zwar hatten wir einen Balkon mit Blick auf die belebte Straße in der Altstadt, doch waren beide Fenster nicht verglast, sondern nur durch Fensterläden aus Holz verschließbar. Das sorgte dafür, dass das Zimmer nur per elektrischem Licht beleuchtbar war. Der Oberhammer aber war der Volonteer, der abends das Trivia-Quiz mit uns machte. Er konnte kein Wort Englisch und ließ sich alles per Handy übersetzen und laß es mit starkem Akzent recht unverständlich vor, so dass der Kellner übernehmen musste. Das war ja noch alles ganz nett. Gegen Ende nötigte er uns aber zu einer fünf Sterne Bewertung auf google.com. Ein weiterer Schwachpunkt des Hotels war der Wäscheservice. Für 3,9 kg wurden uns über 16 Euro berechnet. Dabei hatten wir noch nichtmals den Quick-Service genutzt.
Zweites Frühstück im Hostel
Man ließ uns bereits vor dem regulären Check In ins Hostel, was wir sehr schätzten. Endlich wieder ein Kingsize-Bett und festen Boden unter den Füßen zu haben, war wunderbar. Wir gönnten und nach ein Frühstück aus Rührei, Obst, Kaffee und Saft. Das war richtig gut.
Altstadt von Cartagena
Die Altstadt von Cartagena besticht durch bunt bemalte, alte Häuser, die von Blumen umrangt sind. Überall locken Cafés und Restaurants mit lokalen Angeboten. An Straßenständen und kleinen Geschäften bekommt man Schmuck, Kleidung und diverese Kunsthandwerkswaren. Mir hatten es kleine, geflochtene und auch genähte Handtaschen angetan, die aber leider nicht ins Reisegepäck passen. Auch die bunten Kleider hätte ich sicher auf einer kürzeren Reise gekauft. Auf einem Marktplatz in der Nähe unseres Hotels trafen wir direkt drei unserer Mitreisenden. Unsere ehemalige Zimmergenossin hatte bereits ihr Handy zur Reparatur gebracht, nachdem es morgens von einer Welle in ihrem “Zimmer”-Teil erwischt wurde.
Gassen mit SchirmenStreetfoodStreetfood in Catagenaabendliche Tacos
Fußläufig sind viele kleine, schöne Stadtteile erreichbar. Einige Straßen werden extra für Fußgänger abgesperrt. Es gibt Straßen, die mit bunten Sonnenschirmen und auch mit Flip-Flops, die auf Leinen über die Köpfe gespannt wurden, gesäumt sind.
Mehrfach suchten wir die Festungsmauern auf, doch war es hier oben sehr heiß. Auch hier bedrängten uns immer wieder Verkäufer mit Kleinstwaren oder traditionell gekleidete Frauen mit Ananas oder anderem Obst auf dem Kopf, die sich für eine gemeinsames Foto mit anschließendem Obulus bereit hielten.
Kolumbianische Spezialitäten
kolumbianische Kaffeespezialitäten
Kolumbien ist ja für seinen Kaffee bekannt. Wie ich schon in Deutschland feststellen konnte, enthält dieser Kaffee viel Säure, was ich nicht so bekömmlich finde. Oliver hingegen schmeckt er gut. Den ersten Kaffee bestellten wir mit zwei verschiedenen Zubereitungsarten. Ich enschied mich für die French-Press-Variante, Oliver nahm den Filter. Bei der zweiten Methode wurde der Kaffee am Tisch direkt und langsam in den Filter gegossen. Geschmacklich in meinen Augen viel besser, da er so milder wurde. Auch in einer weiteren Kaffeerösterei war der Kaffee eher etwas für Oliver.
kolumbianischer Kaffee
in der Kaffeerösterei
In den Straßen locken Restuarants insbesondere mit Aretas, einer kolumbianischen Spezialität. Hier werden kleine, knusprige Teigtaschen erhitzt und mit diversen Füllungen angeboten. Neben unserem Hostel kann man diese und auch Tacos auch noch nachts bekommen, was wir an beiden Abenden nutzten.
Aretas und Bier
Aretas
Auf der Straßen gab es außerdem frisch gepresste Limetten-Säfte und Carimanola de Queso, was frittierte Maniok-Rollen waren.
Am Tag der Abreise suchten wir ein kleines kolombianisches Restaurant auf, in dem es eine Art Hausmannkost gab. Was wir bestellt haben, war uns hinterher nicht ganz klar, da uns die Kellnerin mit den Variations-Möglichkeiten sehr verwirrte. Anstatt des Kaffees brachte sie uns außerdem Kakao, was nicht weiter schlimm war.
Mittel gegen Sonnenbrand
Da Oliver durch den Schnorchelausflug einen starken Sonnenbrand auf dem Rücken hatte, brauchten wir ein Gegenmittel. Überzeugt haben uns kleine Kapseln, die mit Aloe Vera gefüllt waren. Weiterhin gibt es hier fertige Aloe-Vera-Mischungen, die eine kühlende Wirkung haben. Das hatte Oliver auch schon auf dem Boot von Santiago angeboten bekommen.
Sehr überrascht war ich, als Oliver mir mitteilte, dass er mit Bluesailing kommuniziert hätte. Sie würden den Shop für uns um 18 Uhr öffnen.
Eine junge Frau ließ uns in eine Privatwohnung und bat uns in das “Büro” in der ersten Etage. Die untere Etage wurde von einer älteren, kolumbianischen Frau und ihren Hunden bewohnt. Das Haus sah aus wie viele der Privathäuser in Malaysia: vorne ein Platz für das Auto. Darauf folgend ein Eingangsbereich und anschließend ein riesiges Zimmer mit Küche, das in den Garten über geht.
Die Shirts waren in verschiedenen durchsichtigen Kisten nach Größe sortiert. Trotzdem war es schwierig, das passende Shirt für mich zu finden. Am besten gefielen mir die Muscle-Shirts für Männer mit dem Aufdruck eines Totenkopfes und mit dem Aufdruck “Stay salty, live tasty”, was einfach zu unserer Reise passte. Deshalb kaufte ich mit auch direkt beide Shirts. Aufgrund des Sonnenbrandes griff auch Oliver zu einem langärmeligen Shirt mit UV-Schutz. Nach unserem Besuch müssen wohl alle Kisten neu sortiert werden.
Be salty, live tasty!
Stay salty Sailmate!
Abreise aus Cartagena
Am Abend vor unserer Abreise flanierten wir noch über einen Kunsthandwerker-Markt und kehrten in ein Pub ein. Unsere Mitreisenden wollten sich noch zu einem Pub-Crawl treffen, doch wir gingen schon um 23 Uhr ins Bett. Party auf Knopfdruck ist nichts für uns.
immer Haltung bewahren
Bis 12 Uhr nutzen wir unser Zimmer und spazierten noch etwas schwitzend durch die Umgebung, was wir aber schnell aufgaben. Mit dem Taxi fuhren wir die zwölf Kilometer zum Busbahnhof. Faszinierend war, dass wir durch diese Fahrt einen Markt außerhalb der Stadt erleben durften. Er war sehr unordentlich und zugemüllt, aber direkt am Meer. Hier tummelten sich riesige, verschiedene Vögel (u.a Dodos und Pelikane). Die haben wir auch noch nicht so oft in freier Natur gesehen.
Busbahnhof und Busfahrt
Wir sollten eine Stunde vor Abfahrt des Busses am Bus sein, weil sonst die Tickets anderweitig vergeben würden. Das wirkte etwas skurril, da wir erst tags vorher die Tickets gebucht hatten und nur wenige Pätze vergeben waren.
Im Einkaufszentrum aßen wir noch eine Kleinigkeit zu Mittag, als es wieder anfing, in Strömen zu regnen. Wieder mussten wir im Regen zum Bus stiefeln, doch glücklicherweise störten nur noch die großen Pfützen. In einer riesigen Halle kam sofort ein Herr auf uns zu, ließ sich unsere Tickets zeigen und führte und zu einem Schalter. Als wir endlich dran waren, schickte man uns zu einem weiteren Schalter, wo man uns nur ein Ticket für Oliver ausdruckte. In meinem Online-Ticket hatte Oliver die Zahlen meiner Pass-Nummer klein geschrieben, weshalb kein Ticket ausgedruckt werden konnte? Wir fragten uns schon, ob ich überhaupt mitfahren darf.
Getränke waren nur einem einem Stand per Karte zahlbar. Alles sehr merkwürdig und wie wenig international oder touristenorientiert. Außerdem viel mir auf, dass sich viele Menschen an diesem Bahnhof von mir gerne die Tür aufhalten lassen, dafür aber wenige mich durchlassen oder Platz machen. Das machte den Eindruck einer “Ellenbogen-Mentalität”.
Als wir endlich zum Bus gehen durften, zeigte ich dem Fahrer mein Online-Ticket und ich wurde durchgelassen. Die anderen Tickets wurden zum Durchzählen gebraucht. Alles etwas verwunderlich. Auch das Verstauen der Koffer war durch viel Gedränge geprägt.
Im Bus hatten wir dann die ersten beiden Plätze hinter dem Fahrer. Die hatten wir ausgewählt, weil wir schlafen wollten. Bei der letzten Fahrt wurden die Sitze vor uns so weit zurück gelehnt, dass Oliver kaum sitzen konnte. Das blieb uns jetzt erspart.
Die Fahrt führte über Serpentienen durch die Berge. Zwischendurch wurden immer wieder Leute rausgelassen. An vielen Straßen ertönte laute Partymusik.
Von Panama segeln wir über die San Blas Inseln nach Catagena in Kolumbien. Beengte Verhältnisse, beängstigende Stürme, aber auch traumhafte Strände und köstliches Essen begleiten die Tage auf dem Meer.
Packliste für den Segeltörn
Für die Fahrt von Panama nach Kolumbien wurde uns eine Packliste bereitgestellt, an der wir uns orientierten.
Wasserschuhe (die gab es für mich in lila für 4$, für Oliver mussten wir extra zu Decathlon gehen, wo sie sie knapp 27 $ gekostet haben)
Badetuch
2 Waterpacks a 5 l (gab es für 6$)
Snacks und Bier
korallenschonende Sonnencreme
Bargeld
Müllbeutel zum Schutz vor Wasser
Kopien von unseren Reisepässen
Abreise aus Panama City
Um 7.30 Uhr klingelte der Wecker und wir machten uns für unseren Segeltörn fertig. Zwischen 8.30 Uhr und 9.30 Uhr sollten wir abgeholt werden. In unserem Handgepäck befanden sich Badebekleidung, Handtücher, Kleidung für sonnige und für stürmische Tage an Bord. Wir genossen noch einen Kaffee im Zimmer, als das Telefon klingelte. Die Rezeptionistin teilte uns pünktlich um 8.30 Uhr mit, dass unser Fahrer da sei.
Wir quetschten uns in einen Jeep, in dem schon zwei Personen saßen, die aus demselben Hostel kamen. In einem weiteren Hotel sammelten wir noch ein Pärchen aus Berlin ein. Alle machten einen sympathischen Eindruck. Unter sehr beengten Verhältnissen mit teilweise Gepäck auf dem Dach fuhren wir an die andere Küste und kamen nach etwa zweieinhalb Stunden zum Bootsanleger in Puerto Lindo.
Am Hafen standen wir etwas unschlüssig herum, als unser Gepäck mit einer Schubkarre eingesammelt und zu einem Segelboot gebracht wurde. Dort erledigten wir die Formalitäten (bezahlen, Pässe samt Kopien abgeben) und lernten die dreiköpfige Besatzung (Kapitän Camille, Koch James und Seemann Santiago)kennen. Danach sollten wir noch eine letzte Mahlzeit an Land einnehmen, die zwar lecker, aber verhältnismäßig teuer war. Ein starker Regen verzögerte den Rückweg zum Boot. Durch riesige Pfützen wateten wir zurück und legten bei Sonnenschein ab.
Willkommen an Bord
Unsere Bootsgemeinschaft setzte sich aus folgenden Menschen zusammen:
ein Pärchen aus Australien
zwei Freundinnen (jeweils 24) aus den Niederlanden
einem jungen Mann Mitte 20 aus den Niederlanden
einem Pärchen aus Berlin
einem Mädel aus Deutschland (23)
und einer Dreißigjährigen aus Deutschland
Beim Auslaufen setzten sich alle nach vorne und freuten sich auf die anstehenden Tage. Unser “Zimmer” bestand aus einem Doppelbett mit Vorhang. Darunter war ein wenig Stauraum für unser Gepäck. Davor war ein Waschbecken, das wir uns mit einer weiteren Teilnehmerin teilen mussten. Diese lag über Eck hinter einem Rollo versteckt.
Unwetter und seekranke Gäste
Das Wetter schlug nach etwa 30 Minuten um. Der anfängliche Regen störte gar nicht so sehr, denn wir saßen alle unter unserem Verdeck. Leider gab es starken Wellengang und die Gesichter der Reisenden wurden immer weißer. Unserer Zimmernachbarin wurde richtig schlecht, sie wollte nur noch weg und fragte mich öfters, ob wir bald da wären. Leider lagen noch weitere Stunden vor uns. Sie übergab sich ständig und konnte kaum getröstet werden. Die Australier lagen entspannt in ihrem Zimmer, einer Niederländerin ging es auch immer schlechter.
Irgendwann wurde der Sturm schwächer und es wurden belegte Sandwiches serviert. Der Koch James erklärte, dass es für den Anfang leichtere Kost gäbe, da wir uns erst an das Leben auf See gewöhnen müssten, bevor etwas Richtiges serviert würde. Eine Mitreisende bekam vegetarisches Essen, zwei weitere waren Pescetarier. Wegen der extra Zubereitungsart war deren Reisepreis auch etwas höher als unserer.
Oliver und ich gehörten zu den letzten, die noch bis zum Ende des Abends UNO mit einigen Reisenden spielten. Nach langer Zeit machte es endlich mal wieder richtig Spaß und so lernten wir einen Teil unserer Mitreisenden kennen.
Ankunft an den San Blas Inseln
Im “Bett” hörten wir abends, dass der Anker gesetzt wurde. Die Ketten rasselten, Kommandos flogen durch die Luft. Dann war alles einigermaßen ruhig. Die Luft war jedoch unerträglich und der Schweiß lief uns über das Gesicht. Zum Glück gab es einen Mini Ventilator. Kurze Zeit später öffnete Oliver das Fenster über unseren Köpfen und eine leichte Brise strich uns um die Nase. So konnten wir einschlafen.
Komplett verschwitzt wachten wir auf. Das Tageslicht schien durch unser Fenster und der Duft von geröstetem Toast lag in der Luft. Alle versammelten sich um den Tisch und genossen Kaffee, frisches Obst und Toast mit Marmelade.
Immigration in Badekleidung
Bevor wir irgendeine Insel betreten durften, mussten wir zur Immigration. Dafür mussten wir vom Boot ins Wasser springen und zur Insel schwimmen. Mehrere uniformierte Herren inspizierten die Kopien unserer Reisepässe und verglichen die Passbilder mit unseren nassen Häuptern.
Inseleinsamkeiteinsame Boote
Anschließend schwammen wir zum Katamaran zurück, der uns zur nächsten Insel brachte, wo wir den Tag verbringen sollten. Santiago sorgte dafür, dass unsere Drybags per Boot an Land gebracht wurden.
Oliver und ich gönnten uns ein kühles Bier, dann umrundeten wir die kleine Insel zu Fuß. Unterwegs sammelten wir diverse Plastikflaschen ein und entsorgten sie in einem Mülleimer.
Wieder am Strand lud uns Santiago mitsamt unseren Schnorcheln auf das Motorboot und brachte uns zu einem Schnorchelspot. Dort sprangen wir ins klare Wasser. Mir war das Ganze jedoch nicht geheuer, so dass ich mich zurück ins Boot zog und ziehen ließ und zum Strand zurück bringen ließ. In der Ferne konnte ich die Schnorchelgruppe erahnen.
Boot, um an Land zu kommen
Nach etwa 45 Minuten sammelte Santiago die Gruppe wieder ein und brachte sie zurück zum Katamaran. Mich und alle an Land liegenden Gegenstände sammelte er ebenfalls im Anschluss ein.
Zum Abendessen zauberte uns James köstliches Rindfleisch mit Reis und Gemüse.
Durch den spontanen Schnorchelausflug hatte Oliver gar keine Zeit gehabt, sich einzucremen und hatte fortan einen roten, brennenden Rücken.
Sonntag, 04. Oktober 2026, Inseltag
Weiter ging es zur nächsten nahegelegenen Insel. Ein Fischerboot kam morgens vorbei und brachte uns diverse riesige Hummer und einen Krebs.
Oliver und ich erkundeten erneut die Insel. Es gab ein Haus mit Toiletten und Duschen, die von einigen Teilnehmern genutzt wurden. In unserer Nähe hatten noch zwei weitere Boote mit wenigen Teilnehmern halt gemacht. Im wild bewachsenen Teil der Insel konnten wir die Hütten der Inselbewohner entdecken. Natürlich wurden auch hier wieder Armbänder, Kissenhüllen und Tücher verkauft.
Die anderen Bootspassagiere vergnügten sich mit einem Volleyball am Strand.
Es gab einen Barbereich, an dem wir uns am frühen Nachmittag eine Kokosnuss kauften, die mit einem Schuss Rum gefüllt wurde. Für zwölf $ war das Ganze doch etwas teuer. Wir entdeckten Santiago, der “unsere” Hummer an Land brachte. Natürlich drückte er Oliver direkt zwei der riesigen Wassertiere in die Hand. Wir durften sogar die Küche betreten, in der mit minimalem Strom für alle gekocht wurde.
Hummer und Krebs
Boot in San Blas
Bei Einbruch der Dunkelheit wurden uns an einer großen Tafel etliche köstliche Hummerteile serviert. Das war schon ein Erlebnis. Dazu wurde selbstgemachter Kraut- und Rotkohlsalat gereicht.
zubereitete Hummer
Im Anschluss sollte noch so etwas wie eine Party stattfinden. Die jüngeren Teilnehmer schwangen sofort das Tanzbein, wir hingegen waren schon müde und wollten lieber aufs Boot. Santiago brachte uns und wir konnten uns in aller Ruhe bettfein machen.
Kurz nachdem wir es in unserem Bett gemütlich gemacht haben, trudelten auch die anderen ein.
Montag, 05. Oktober 2026, Inseltag
einsame Insel
Land in Sicht
Wieder steuerten wir eine neue nahegelegene Insel an, die wir schwimmend erreichten. Ähnlich wie bei den bisherigen Inseln gab es eine Bar und ein Restaurant, die aber beide nur vom Personal besetzt waren. Gäste waren nur vereinzelt zu sehen.
Leben in der Hängematte
Shirt gegen Sonneneinstrahlung
Angenehm waren Hängematten, die ins Wasser hingen. Oliver fläzte sich direkt in eine uns genoss den leichten Wellengang.
Zu Fuß war nur ein privater Bereich erreichbar, der leider sehr vermüllt war. Santiago zeigte uns daraufhin den gegenüberliegenden Strandbereich, der durch einen mit Muscheln gesäumten Weg erreichbar war. Hier tummelten sich Familien und etwa zehn Segelboote. Direkt an den Strandbereich schloss sich eine kleine Siedlung der Einheimischen an.
Den Abend verbrachten wir auf unserem Katamaran, der noch vor Anker lag. James zauberte uns köstliche Pasta mit Hummersauce.
Hummerpasta
Einige Partywütige ließen sich erneut ans Festland bringen. Leider setzte kurze Zeit später Starkregen ein. Trotzdem erreichten sie kurz vor Mitternacht noch sicher unser Boot mit dem Fahrservice von Santiago.
Dienstag, 06. Oktober 2026, Inseltag
Frühstück auf dem Katamaran
Fast gleichzeitig fanden sich alle morgens zum Frühstück ein. Es gab leckeres Rührei, Toast und Obst.
Entspannung pur
Wir steuerten drei in der Nähe liegende Inseln an. Uns wurde gesagt, dass wir zwei unbewohnte Inseln anschwimmen konnten. Die dritte sei mittlerweile leider privat, weil irgendwelche Lizenzen nicht erteilt worden seien. Hier hätten wir noch einmal Snacks bekommen können, was aber niemand als wichtig erachtete. Vorher sahen wir nämlich einen Verkäufer, der mit seinem kleinen Boot heran fuhr und unserer Besatzung mehrere ganze Hühner vorbeibrachte. Auch Getränke und Zigaretten waren im Angebot, doch niemand hatte Bedarf.
Mit den Schnorcheln sprangen wir rein und erkundeten das Wasser. Das anfängliche Schwarz änderte sich zu klarem Blau in Inselnähe. Im Wasser tummelten sich tausende Minifische. Auf dem Boden zeigten sich zwei durchsichtige Fische, die sie beim Näherkommen im Boden vergruben.
Blick zu den Inseln
Die Gruppe war inzwischen zu der weiteren Insel geschnorchelt. Oliver winkte mir vom Strand aus zu. Nachdem auch ich auf dieser Insel ankam, sahen wir schon den näherkommenden Regen, was uns veranlasste, zum Katamaran zurück zu schwimmen. Kaum angekommen, setzte der Regen auch schon ein. Er wurde immer stärker und verwandelte sich in einen kräftigen Sturm. Besorgt saßen alle an Deck. Unsere Besatzung kämpfte damit, dass unser Boot nicht strandete. Mehrfach drehten wir uns auf der Stelle, sahen an den Inseln die Menschen, die die Boote sicherten. Unsere Styropor-Schachtel mit Deckel flog in zwei Teilen über das Meer.
Nach etwa einer Stunde war fast alles vorbei.
Zum Mittagessen gab es die köstlich zubereiteten Hähnchen mit Salat und Gemüse. Die Köpfe der Hähnchen gingen über Bord, darüber sollten sich andere Lebewesen im Wasser kümmern. Ein Hai sowie andere Fische nahmen die Essensreste dankbar entgegen.
Reis mit Hähnchen und Salat
Ein paar Leute sprangen nochmal ins Wasser, das durch den Sturm sehr aufgewühlt war. Danach folgte eine Sicherheitseinweisung vom Steuermann. Wir wurden darüber informiert, wo die Westen sind, wo die Sicherheitsinsel ist und wie die Technik funktioniert. Durch einen Sender wären wir jederzeit zu orten, auch wenn wir auf hoher See sind. Das Drücken eines Notfallknopfes löse einen Alarm bei allen umliegenden Booten und Schiffen aus, außerdem würde das Festland informiert.
In Sicherheit wiegend tröpfelte der Nachmittag mit verschiedenen Gesprächen so dahin, Oliver hielt ein kleines Schläfchen.
Zum Abendessen gab es Pellkartoffeln mit Salat und Auberginen – wieder sehr köstlich.
Ein Teilnehmer hatte ein Spiel auf seinem Handy (Mister White?), an dem alle teilnehmen konnten. Es war sehr lustig. Außerdem lernten wir noch ein weiteres Kartenspiel kennen.
Gegen 22 Uhr wurden wir gebeten, unsere Betten aufzusuchen, da die Mannschaft die ganze Nacht fahren musste und sich mit dem Schlafen abwechselte. Die zwei Schlafplätze (nicht alle schliefen gleichzeitig) für die Mannschaft waren Matratzen, die in unserem Gemeinschaftsbereich ausgelegt wurden. Deshalb war der Gemeinschaftsbereich ab einer gewissen Uhrzeit für uns gesperrt. In den Wellen wiegend schlummerten wir schnell ein.
Schlafplatz unserer Crew
Mittwoch, 07. Oktober 2026, Seetag
Nach einer stickigen Nacht – aber nicht so schlimm wie die zweite Nacht – trafen wir uns bei Sturm zum Frühstück. Oliver war bereits um 5.45 Uhr bei unseren schlafenden Matrosen, ich war gegen 7 Uhr da. Die Ruhe im Sturm war angenehm.
Zum Frühstück sah man erschöpfte Gesichter. Mittlerweile hatten wir drei Leute, die sich übergeben hatten. Es gab verschiedene Sorten von Müsli und Kaffee, was uns alle stärkte.
Der Vormittag war von Sturm geprägt. Irgendetwas stimmte mit dem Segel oder dem Mast nicht, so dass der Steuermann Kommandos gab und die beiden anderen mit Gaffatape und Schälmesser arbeiteten. Eine Teilnehmerin war so wagemutig und genoss den Wind ganz vorne. Sie war jedoch auch segel- und sturmerfahren, da sie jährlich mit ihren Eltern segelt.
Viele verbrachten den Vormittag in den Kabinen, in denen kein Lüftchen war. Wegen des Sturms waren natürlich auch die Fenster alle zu. Oliver und ich genossen das Geschaukel draußen im überdachten Teil des Katamarans.
Mittags erhielten wir Sandwiches wie am ersten Tag. Das war sicher magenfreundlicher und für alle verträglicher. Die meisten genossen auch ihre zwei belegten Sandwiches. Im Anschluss gab es noch ein paar Extrasandwiches für die ganz Hungrigen.
Das Meer beruhigte sich am frühen Mittag und die Sonne zeigte sich gelegentlich. Das einzige Schiff in der Nähe war ein Tanklaster. Zwei Albatrosse flogen ebenfalls über das unendliche Blau. Zu Besuch kam auch ein Wellensittich, der sehr zutraulich war.
Am letzten Abend wurde uns Reis mit Hähnchen serviert. Wir spielten noch zusammen “Cambio”, ein Kartenspiel, das in Südamerika sehr verbreitet ist. Hier war vollste Konzentration angesagt, da man sich seine eigenen verdeckten Karten merken musste sowie die von den anderen Teilnehmern und gefühlt 1000 Regeln. Den Abend beendeten wir mit einer riesigen UNO Runde und wurden um 21 Uhr auf unsere Zimmer geschickt.
Bereits um 23 Uhr erhielten wir wieder Internetsignale, waren aber noch ein Stück von unserem Ziel entfernt.
Donnerstag, 8. Oktober 2026, Seetag
Die Sonne ging auf, als ich nach draußen kroch. Die Crew grüßte mich fröhlich und zeigte auf das Festland. Sie waren gerade dabei, den Katamaran festzumachen.
Sonnenaufgang in CatagenaCatagena in Sicht
Nach dem letzten Frühstück räumten wir unsere Kabinen. Kurz vor dem Festland hatte uns eine riesige Welle überrascht, so dass die Kabine unserer Zimmernachbarin unter Wasser stand. Unser Fenster hatte Oliver glücklicherweise vorher geschlossen.
NotfallknopfBlick aus unserer Kabine, links die Toilettenasse Kabine unserer Mitbewohnerin
Blick aus der Kabine
unser „Bett“
Die Pässe wurden an Land von jemandem eingesammelt und kontrolliert, das Gepäck an Land gehievt. Die Situation war für mich sehr emotional. Noch nie hatte ich eine solche Fahrt erlebt. Wir hatten es geschafft, was mich zu Tränen rührte. Nach einem letzten gemeinsamen Foto verabschiedeten wir uns voneinander und wagten wieder erste Schritte in Latschen auf dem Festland.
Costa Rica wird für uns ein Ort der Entspannung, da wir vorher viel herumgereist sind. Neben Tagen am Strand besuchen wir auch das Jaguar-Rescue-Center.
Abfahrt von San José
Die letzte Nacht in San José war etwas anstrengend, da wir abends in strömendem Regen zu unserem Hotel zurücklaufen mussten. Im Zimmer stellte ich mit Erschrecken fest, dass es an einer Stelle reingeregnet hat und zwar genau auf meinen Nachttisch, auf dem mein Reisepass lag. Zum Glück war der doppelt und dreifach verpackt, so dass er keinen Schaden abbekam.
Das Früstück hatte ich für 7 Uhr am Vortag bestellt, doch war es erst um 7.20 Uhr fertig. Um 7.40 Uhr sammelte uns der Mini-Van pünktlich vor der Tür ein. Wir waren schon etwas froh, hier weg zu kommen. San José gilt als nicht ganz ungefährlich. Vor der Hautür waren deshalb Gitter angebracht, die jedoch nur vom Personal per Knopfdruck zu öffnen ist. Im Notfall wäre das sicher problematisch.
Fahrt von San José nach Costa Rica
Vanfahrt nach Costa Rica
Die Fahrt im Mini-Van war erstaunlich angenehm. Eine unserer Mitfahrerinnen war sehr unsicher und fragte mehrfach nach, ob sie im richtigen Bus säße. Insgesamt war das eine angenehme Reisegesellschaft. Wir machten Halt an einem großen Souvenirladen, bei dem es auch Toiletten und Getränke gab. An einem Halt mussten wir komplett den Van wechseln. Wahrscheinlich befahren die Fahrer immer nur einen bestimmten Streckenabschnitt.
Ankunft in Costa Rica
Vor unserer Unterkunft lieferte uns der Van-Fahrer ab. Wir waren mittlerweile die letzten Passagiere. In der Unterkunft empfing uns Martin, ein vor 3 Jahren eingewanderter Schweizer. Er gab uns Tipps, was man in der näheren Umgebung fußläufig erreichen kann. Das ZImmer war angnehm groß mit einer kleinen Kochgelegenheit. Außerdem wurden uns ökologisch verträglicher Mückenschutz und Sonnenschutz zur Verfügung gestellt.
Zimmer in Costa Rica
Schwimmen im Atlantik
Zu Fuß spazierten wir zur belebten Strandstraße, die von Cafés und kleine Buden mit Schmuck und Strandbekleidung gesäumt war. In einem kleinen, von Martin empfohlenen Restaurant gab es unser erstes Costa Ricanisches Essen und eine Kokosnuss zu trinken. Herrlich!
Atlantik in Costa Rica
Atlantik in Costa Rica 2
Durch ein Gatter gelangten wir in den Dschungel, der am Strand entlangführt. Vögel und andere Tiere begrüßten uns und hießen uns willkommen. An einer kleinen, verlassenen Bucht ließen wir uns nieder und konnten das wadentiefe Wasser genießen.
Weiter durch den Dschungel und ein Stück auf der Straße entlang gelangten wir zum Surf-Strand. Hier herrschte buntes Treiben am und im Meer. Der starke Wellengang ließ mich jedoch schell wieder an Land kommen. Auch Oliver ließ es sich nicht nehmen, in das kühle Nass zu huschen.
Strand-Tag in Costa Rica
Blumen im Haar
Dschungel-Man
Unseren ersten kompletten Tag in Costa Rica verbrachten wir gemütlich am Strand. Das ist auf der bisherigen Reise zu kurz gekommen. Für den nächsten Tag buchten wir Fahrräder und konnten diese schon um 17 Uhr abholen und bei uns in der Unterkunft abstellen. Es war ein wenig schwierig für mich, ein ungewohntes Fahrrad nur mit Rücktritt-Bremse zu fahren, doch es sollte für die Tour zum Jaguar-Rescue-Center reichen.
nach Hause telefonieren?
Jaguar-Rescue-Center
Mit tags zuvor geliehenen Fahrrädern erreichten wir pünktlich die Tier-Auffangstation. Um 9.30 Uhr startete sogar eine Tour auf Deutsch mit einer jungen Frau, die eigentlich nur fünf Wochen bleiben wollte, nun aber bereits seit fünf Jahren hier lebt.
Gezeigt werden grundsätzlich nur Tiere, die in der Auffangstation bleiben. Alle anderen sollen ihrer natürliche Scheu vor Menschen nicht verlieren und irgendwann wieder ausgewildert werden.
Zuerst wurden uns die Aras gezeigt, die durch die Abholzung des Waldes vom Aussterben bedroht sind. Weiterhin konnten wir Faultiere sehen, die durch Unfälle mit Autos verletzt wurden oder an Strommasten Verbrennungen erlitten haben. Durch Amputationen der Gliedmaßen können sie in der Natur nicht mehr überleben. Auch gerettete Tukans gehören zu Dauergästen dieser Auffangstation. Natürlich konnten wir auch Affen erleben, die aus der Gefangenschaft von Privatpersonen befreit wurden oder durch Blindheit von der Mutter verlassen wurden. Schildkröten können nicht wieder ausgewildert werden, da sie den natürlichen Lebensraum der wild lebenden Tiere durch Bakterien usw. gefährden können. Das Krokodil durfte auf Antrag nicht wieder ausgewildert werden, weil entscheidungstragende Menschen davon ausgehen, dass das Krokodil in Menschennähe kommt und diese angreift. Insgesamt haben wir viel über das Leben von Wildtieren in Costa Rica gelernt.
geretteter Affe
Ein besonderes Tier war ein Dodo, der verletzt aufgefunden und wieder aufgepäppelt wurde (er hatte 6 Angelhaken in seinem Körper). Er kam immer wieder zurück zu der Stelle, an der er aufgefunden wurde, da er wieder zurück in die Auffangstation wollte. Verrückte Tierwelt.
Strand in Punta Uva
Nachdem wir die drei Kilometer zurückgeradelt waren und uns etwas in unserem Zimmer gekocht hatten, machten wir uns erneut auf den Weg mit den Rädern zu einem weiter entfernten Strand. Die Fahrt war recht angenehm – trotz der unbequemen Räder.
Der Strand war sehr sauber und weitläufig, obwohl es viele Hunde gab, die einfach mal auf Handtüchern Platz nahmen oder Löcher gruben und Sand durch die Luft fliegen ließen.
Das Wasser war herrlich. Hier konnte man problemlos ins Wasser gehen, ohne mit den Wellen ankämpfen zu müssen.
Pünktlich um 17 Uhr gaben wir unsere Räder zurück und kehrten kurz in kleinere Bars ein.
Abreise aus Costa Rica
Um 11 Uhr mussten wir aus unserem Zimmer raus, weil es an dem Tag neu vermietet werden sollte. Unser Gepäck deponierten wir jedoch noch hier und tranken einen Kaffee kam Strand.
Pünktlich um 12 Uhr wurden wir von einem Mini-Van abgeholt. Der Fahrer rasselte uns schnell einen Vortrag herunter, wie es auf dieser Fahrt verlaufen sollte. Er fotografierte unsere Pässe und schon ging es los.
Grenzübergang nach Panama
Grenzübergang nach Panama
Unser Fahrer brachte uns zur Grenze und legte unsere Pässe an der Immigrations-Station vor, wo wir acht Dollar zahlen mussten. Das Gepäck gab er einem Kofferträger, der einen Wagen dabei hatte. Er begleitete uns über die Brücke, die Costa Rica mit Panama verbindet und wies auf das Immigrations-Office von Panama. Hier wollten sie wissen, wie lange und wo wir in Panama bleiben. Außerdem mussten wir unsere Weiterflug-Dokumente vorlegen. Oliver hatte alles soweit vorbereitet, dass es problemlos weiter ging. Wir wurden als einzige Passagiere in einen Van gesetzt und weiter ging die Reise. Der gesamte Fahrt war sehr kurvenreich und nicht so angenehm. An einer weiteren Station wurden wir wieder abgesetzt. Hier sollten wir 2,5 Stunden auf den nächsten Bus warten. Was für ein Chaos! Hier gab es hunderte von Schulkindern in Schuluniformen, die sich auf den Heimweg machten. Außerdem gab es zwei Supermärkte, aus denen es furchtbar stank. Etwas fertiges zu essen wie belegte Brote gab es hier leider nicht.
Glücklicherweise entdeckte Oliver eine Pizzaria in etwa einem Kilometer Entfernung. Mitsamt dem Gepäck stiefelten wir dorthin. Die Zubereitung dauerte über 30 Minuten. Das Restaurant verströmte eine miese Laune durch die muffige Kellnerin. Um 17.30 Uhr (30 Minuten früher) waren wir wieder am Busbahnhof. Hier stiegen bereits einige Passagiere in den Reisebus. Wir bekamen feste Sitzplätze, die jedoch für Oliver wenig Beinfreiheit ließen. Ein Wechsel auf größere Plätze war nicht möglich, da der Bus komplett ausgebucht war.
unsägliche Busfahrt
Der Bus hatte keine funktionierende Toilette, sodass der Fahrer viele Pausen machte. Man konnte immer ein wenig einnicken und wurde dann rabiat wieder durch Licht und laute Ansagen geweckt. Die Busfahrt endete um 3.40 Uhr am Bahnhof von Panama-City, von wo aus wir ein Uber zu unserem Hotel nahmen. In einem riesigen Zimmer mit Kochgelegenheit konnten wir dann endlich Schlaf finden.
Von Flores in Guatemala kann man die Maya-Ruinen bequem per Bus erreichen. Anders als bei den bisherigen Ruinen buchten wir eine Tour, die uns in den tiefsten Dschungel führte und erlebten den Sonnenuntergang auf einer Pyramide sitzend.
Ankunft in Flores
Unsere Fahrt mit dem Mini-Van endete direkt vor unserem Hotel. Das Ramada-Hotel (Wyndham) liegt auf der Halbinsel direkt am Wasser. Wir bekamen ein Zimmer mit kleinem Balkon (von außen von allen betretbar) mit Blick auf den See. Da keine weiteren Gäste da waren, machten wir uns keine Sorgen, von jemandem gestört zu werden. Uns war ein unverständlich, dass kaum andere Gäste da waren. Das Hotel machte nämlich einen gepflegten Eindruck, in hervorragender Lage mit netten Mitarbeiterinnen.
Ausblick vom HotelFrühstück im HotelHotelzimmer
Nach einem kurzen Spaziergang durch die bunten Häuser von Flores, zog es uns in ein kleines Restaurant direkt gegenüber von unserem Hotel. Dort trafen einige unserer Mitfahrer aus dem Bus. Die Halbinsel ist eben doch sehr klein.
Maya-Ruinen in Tikal
Maya-Ruinen in Tikal
Am nächsten Tag stand wieder ein Besuch von Maya-Ruinen bevor. Hierfür hatten wir eine Tour über Getyourguide.de gebucht, die nur zu empfehlen ist. Der Mini-Van fuhr uns und einen weiteren Teilnehmer auf gerader Strecke zu einem Restaurant, in dem wir uns für den Nationalpark stärken konnten. Dort stießen unser freundlicher Guide und ein weiterer Teilnehmer zu uns.
Stufen durch den DschungelGesicht in den Maya-Ruinen
Anders als bei den bisherigen Ruinen, durchliefen wir nicht eine offene Fläche, sondern tiefsten Dschungel. Schon zu Beginn zeigte uns der Guide wilde, kleine vierbeinige Tiere (ähnlich einem Wildschwein) und eine Art Truthahn. Es wäre durchaus möglich gewesen, auch einer Schlange zu begegnen. Dann wäre nur noch Rennen eine Option.
Der Weg durch den Dschungel war klar ausgeschildert, immer wieder gab es Übersichtskarten mit Markierungen, wo man sich gerade befindet. Die Pyramiden waren wirklich überwältigend. Einige konnten teilweise erklommen werden. Im Regen trafen wir traditionell gekleidete Menschen mit Kindern. Ein paar Worte Spanisch reichten, um freundlich miteinander zu kommunizieren.
Olli zeigt den Weg
Orientierungskarte Pyramiden von Tikal
An den einzelnen Pyramiden hatten wir immer wieder die Möglichkeit, selbst die Gegend zu erkunden, was sehr angenehm war. Durch die gebuchte Tour (mit vier Teilnehmern) war immer ein Mensch in der Nähe, der in seinem Rucksack Getränke anbot. Wir waren aber bestens ausgestattet.
ein steiler Weg auf die Pyramide
Mit der Zeit wurde es immer dunkler. Von der vorletzten Pyramide, die man mittels Holztreppen ersteigen kann, hat man einen umwerfenden 180-Grad Überblick.
Ausblick von der Pyramide
Auf der letzten Pyramide konnten wir den Sonnenuntergang genießen. Die Tiere begaben sich lautstark zur Ruhe. Das abnehmende Licht sorgte für eine beruhigende Stimmung.
Rückweg aus dem Dschungel
Auf dem Rückweg konnte man noch in Ansätzen etwas erkennen. Einer der Teilnehmer bot mir eine Stirnlampe an, die ich dankbar nutzte. Im Dunklen leuchten auf dem Weg kleine Lichter, die sich als Augen von Spinnen herausstellten. Frösche sprangen uns vor die Füße, eine handgroße Tarantel versteckte sich in einem Baumstumpf. Ein Rotaugenfrosch saß oben auf einem Baum. Ganz schön gruselig! Zum Schluss reichte uns der Guide Teile von einem Pfefferstrauch, der himmlisch duftete.
Zurück ging es im Dunkeln wieder mit dem Van auf ruhiger Strecke. In den Siedlungen tauchten immer wieder Straßenhunde auf, die keine Angst vor heranfahrenden Autos hatten. Diese wurden sowieso durch künstliche Straßenerhebungen ausgebremst.
Letzter Tag in Flores
Erst abends sollte uns ein Bus von Flores nach Antigua bringen. Deshalb konnten wir endlich etwas relaxen, denn die vielen Stationen unserer Reise waren schon teilweise stressig. Ganz in unserer Nähe befand sich ein Waschsalon, in dem ich unsere Wäsche waschen und falten lassen konnte. Auf dem Weg dorthin durchforstete ich einen kleinen Laden, in dem es Schmuck und Textilien aus Guatemala gab. Zwar verkauften sie hier auch Postkarten, doch konnte mir die Verkäuferin auch nicht sagen, wo ein Briefkasten wäre. Ich erstand ein Haarband und drei paar Ohrringe.
Oliver am See in Flores
Mit Oliver machte ich mich zu Fuß auf den Weg zur Busstation, damit wir abends nicht lange suchen mussten. Der Busbahnhof wirkte unscheinbar, es gab keine Ansprechpersonen. Mit einem TukTuk ging es zurück. Leider versuchte der Fahrer uns über das Ohr zu ziehen, was ihm aber nicht gelang.
bunte Häuser in Flores
Bei sonnigem Wetter durchstreiften wir die kleinen Gassen mit den bunten Häusern der Insel. Bei einem Obstteller mit Seeblick stellte ich fest, dass sich die neu erstandenen Holzohrringe auflösten. Kurzerhand flitzte ich zurück zur Händlerin und reklamierte dies. Ich tauschte sie einfach gegen Perlenohrringe in Form von Frida Kahlo aus. Die Wäsche bekam ich gut duftend gefaltet zurück.
Fahrt durch den Regen
Wir kehrten nochmal in das Restaurant des ersten Abends ein. Doch leider überraschte uns ein Regenschauer, der immer stärker wurde. Zwar lag das Hotel direkt gegenüber, doch wurden wir patschnass, als wir unsere Sachen holten. Das bestellte Taxi ließ sehr auf sich warten, so dass wir nicht sicher waren, den Bus noch zu bekommen. Glücklicherweise erreichten wir diesen noch knapp, wurden aber wieder von Taxifahrer abgezogen, da er den doppelten Preis berechnete. Bevor ich den Bus betreten konnte, musste Oliver erst die Tickets zeigen und ich stand im Regen. Mit nassen Schuhen konnten wir schließlich unsere Plätze im oberen Teil des Busses erreichen. Vorsorglich hatten wir beiden trockene Socken im Rucksack.
Im Bus zu schlafen finde ich nicht so angenehm. Irgendwie schaffte ich es trotzdem. Kurz vor Antigua stiegen wir in einen PKW um. Auf hubbeligen Wegen ging es quer durch die Stadt, wo wir unser Hotel nach einem kurzen Fußweg erreichten.
Nach einer anstrengenden Busfahrt erreichen wir Palenque, wo wir die Maya-Pyramiden besichtigen und ein großes Gebiet teils erklettern müssen.
Busfahrt nach Palenque
Die Busfahrt von Mexico City nach Palenque empfand ich doch als sehr anstrengend. Zwar waren die Sitze groß genug, doch gab es einige Nachteile: Bis 22 Uhr liefen zwei Filme auf voller Lautstärke, dann wurden die Fernseher mitten im Film hochgeklappt und es war Ruhe. Der Fahrer fuhr ruhig auf gut ausgebauten Straßen. Mir taten jedoch vom langen Sitzen die Beine weh, so dass ich kaum Schlaf fand. Erst mit Olivers Buff (Mehrzwecktuch) und einem Hörbuch über Frida Kahlos Leben konnte ich einige Stunden wegdösen.
Zwischendurch gab es ein paar Haltepunkte, an denen Leute zu- und ausstiegen. An einem Ort gab es eine Pause von 40 Minuten, in der der Bus gereinigt wurde. Hier fand sich dann auch mein Buff wieder. Die Toiletten waren nur mit 10 Pesos in bar nutzbar.
Ankunft in Palenque
Palenque
Bei unserer Ankunft war es bereits hell (ca. 12 Uhr). Unser Hotel lag schräg gegenüber des ADO Busbahnhofs, doch zum Check In waren wir zu früh. Man ließ uns jedoch schon rein, nachdem wir 30 Minuten im Eingangsbereich gewartet haben. Schnell fühlten wir uns in dem kleinen, sehr einfachen Hotel heimisch.
In einem in der Nähe gelegenen Restaurant probierten wir wieder Gerichte, die für den Ort typisch sind. Oliver hatte eine Art Polenta, die mit pulled pork gefüllt war. Mega-lecker! Zu trinken hatten wir ortstypische Getränke, die milchig waren und recht gut schmeckten.
Anreise zu den Maya-Ruinen
Bereits am Tag der Ankunft wollten wir uns die Maya-Ruinen angucken, weil es ja am nächsten Tag schon weiter gehen sollte. Das gestaltete sich jedoch etwas komplizierter. Mit einem Collectivo, einem Van, der für 25 Pesos pro Fahrt diverse Ziele anfährt, fuhren wir zum Ausgangspunkt. Dort wurde uns in gutem Englisch, aber etwas kompliziert erklärt, dass eine weitere Vanfahrt für etwa vier Kilometer nötig sei. Außerdem mussten zwei Tickets – eins für den Eintritt und eins für den Schutz den Parkes – gelöst werden. Mit diversen Zettel und zwei Klebearmbändern konnten wir schließlich hochfahren. Oben erwarteten uns wieder diverese Händler und Guides, die auch auf Englisch Touren anbieten.
Maya-Ruinen in Palenque
Besuch der Maya-Ruinen
Baum im Dschungel
Mitten im Dschungel ragen hohe Pyramiden in den Himmel. Da wir von den Ruinen in Teoteihuacán noch etwas gebeutelt waren, kraxelten wir gemeinsam nur in eine Ruine, die man auch von innen besichtigen konnte. Hier fanden sich kleine Räume mit sehr schlechter Luft. Beim Rausgehen kam und eine Horde von Menschen entgegen, die uns nicht glaubte, dass nur wenige Leute reinpassen würden. Gemächlich kletterten wir wieder herab.
Die Wege zwischen den Ruinen sind gut ausgebaut. Lediglich zwischendurch sind einige Stufen ohne Geländer. Auch hier fanden sich wieder Händler, die ortstypische Armbänder, Ketten und Kunst feilboten.
Oliver erklomm noch eine weitere Pyramide, mir reichte schon die erste. Durch einen Park mit großartigen Dschungel-Blumen waren wir schon nach einer Stunde mit dem Durchgang fertig. Es fühlte sich ein wenig so an, als wären wir wieder in Malaysia (Klima, Dschungel, Verkaufsstände). Nach einem Kaltgetränk ging es wieder in zwei Etappen mit dem Van zurück in die Stadt.
Den Abend ließen wir in der Stadt ausklingen, schafften es aber beide nicht, unser Essen komplett aufzuessen.
Mexico City ist eine herrliche, grüne Stadt, die zum Flanieren einlädt. Wir besichtigen die Alte Post, lernen eine Pulqueria kennen und besuchen das Konzert von „The Gathering“.
Hotel mit falschen Angaben
Weil wir vier Nächte in Mexico City verbringen wollten, hatte ich im Vorfeld viel Zeit investiert, ein Hotel zu finden, in dem wir richtig wohnen können. Ich hatte eine “Ferienwohnung” mit Waschmaschine und Gemeinschaftsküche sowie Fitness-Center im Haus gebucht. So etwas Tolles hatten wir ja schon einmal in New Orleons. Leider bekamen wir ein Zimmer mit angrenzendem Bad. Das Bad war nur durch eine Schiebetür verschließbar, die sich nach dem Schließen (ich war drin) nicht mehr öffnen ließ. Nur mit Olivers Hilfe konnte ich wieder herauskommen. Nach zwei Tagen kam nach mehreren Nachrichten unsererseits jemand, um sich das anzuschauen. Nur der Handwerker sprach ein wenig Englisch, der sagte, dass die Tür repariert würde. Die Managerin sprach kein Wort Englisch. Auch am nächsten Tag war die Tür noch immer nicht repaiert. Am dritten Tag bot man uns an, das Zimmer zu wechseln, doch waren wir da schon auf dem Konzert von The Gathering.
Die in der Anzeige versprochene Waschmaschine sollte es erst gar nicht geben. Dann wurde auf das Dach verwiesen, wo wir nichts fanden. Erst auf erneute Nachfrage teilte man uns mit, dass die Waschmaschinen im Eingangsbereich wären, hinter der Tür der Rezeption.
Unser Zimmer wurde nur nach Aufforderung gereinigt. In einem Land, in dem man das Toilettenpapier nicht in die Toilette werfen darf, sollte zumindest täglich der Mülleimer geleert werden. Trinkwasser gab es nur am ersten Tag (in Mexiko darf man auf keinen Fall Wasser aus der Leitung trinken). Die Kaffeemaschine funktionierte nicht, es gab während des gesamten Aufenthalts nur 2 Kapseln. Der Tee konnte aufgrund eines fehlenden Wasserkochers gar nicht erst zubereitet werden.
Normalerweise sind wir nicht so empfindlich, was unsere Unterkünfte angeht, doch während einer Weltreise braucht man zwischendruch auch mal einen Ort, an dem das Grundsätzliche funktioniert.
Chapultepec Park
Stephi im Park
Mexico City besticht durch viele Bäume, das Grün dominiert die Stadt. Im Chapultepec Park kann man flanieren, frisch geschnittes Obst kaufen und genießen und Straßenkünstler beobachten. Es gibt einen Ort der Ruhe mit lauschiger Musik, diverse Seen und ein großes Schloss zu besichtigen.
El Angél
Mit dem Bus Nr 7 geht es zum Engel, an dem wir uns kurz niederließen. Drumherum sausten die Autos aus allen Richtungen. Wir versuchten vergeblich, das System zu überblicken. Zum Glück kamen wir wieder heil auf die andere Straßenseite.
El Angel
Die Luft in Mexico City ist trotz des vielen Grüns nicht immer gut zum Luftholen. Mexico City liegt auf einer ähnlichen Höhe wie Creel, nämlich bei über 2300 m. Das sorgt für Kurzatmigkeit, Schwitzen und Kopfschmerzen.
Taco-Restaurant im Stadtteil Roma
Direkt um die Ecke stießen wir auf ein tolles Taco-Restaurant. In Mexiko ist es Usus, dass an den Tisch kleine Ständer für Taschen und Hüte gestellt werden. Die Kellnerin sauste motiviert auf unseren Tisch zu und brachte uns acht verschiedene Sorten Salsa und erklärte den jeweiligen Schärfegrad. Sie zeigte uns auf der Karte die angesagtesten Gerichte, wovon wir natürlich welche auswählten. Ein Taco und eine Guacamole reichten uns für den kleinen Hunger. Natürlich hatte auch dieser Laden seine eigenen grün-weißen Fan-Shirts, passend zur Ausstattung des Restaurants.
Im Anschluss spazierten wir weiter durch das schöne Roma-Viertel. Neben einigen angesagten Szene-Restaurants fanden wir eine kleine, nette Gothik-Kneipe, in die wir für ein Kaltgetränk einkehrten.
Müde kehrten wir in unser vorläufiges Zuhause zurück und schnabbulierten noch jeder einen Taco von einem Stand vor der Tür. Nun stand eine Wasch-Session bevor, denn wir sind ja mit einem Koffer voller benutzer Kleidung angereist. Während die Wäsche neben der Rezeption sauber und trocken wurde, genossen wir auf der Dachterrasse noch ein Abschlussgetränk. Ich muss ja schon sagen, dass mir die Kombination aus Bier und Tomatensaft sehr zusagt.
Historische Altstadt und Kathedrale
Ausgeschlafen stärkten wir uns mit Cappuchino aus dem gegenüberliegenden Supermarkt.
Die Kathedrale liegt in der historischen Altstadt von Mexico City. Sie ist über eine quirlige Einkaufsstraße zu erreichen. Stände mit mexikanischer Kunst, mexikanischen Symbolen, Modeläden, Restaurants mit Kellnern, die einen hereinlocken – alles sehr lebendig. In direkter Nähe eine Ausgrabungsstätte, die wir nur hinter den Zäunen besichtigen wollten.
Templo Mayor in Mexico City
vor der Kathedrale
Bevor es zur alten Post ging, fiel uns ein Büchermarkt auf, der mein Herz höher schlagen ließ. Auf den ersten Blick gab es hier leider nur aktuelle Literatur in spanischer Sprache, aber auch Romane, welche es in den USA nicht mehr zu kaufen gibt.
Büchermarkt in Mexico City
Alte Post
die alte Post
Die Alte Post – und auch einzige Lokation, die Postkarten verkauft – ist in gold gehalten. Prunkvoll erstreckt sie sich über drei Etagen. In der ersten Etage versuchten wir, den goldenen, durchsichtigen Aufzug zu besteigen, doch einer der Wächter kam wie in einem Comic auf uns zu, erhob schwenkend seinen Zeigefinger und zeigte auf das Schild, das nur einer eingeschränkten Personengruppe die Nutzung des Auszugs gestattete. Lachend flüchteten wir zum Treppenhaus, das in einem unspektakulären Hinterhaus zu finden war.
Pulqueria
Bevor es auf das Konzert von “The Gathering” gehen sollte, wofür Oliver noch am selben Tag Tickets erstanden hatte, überraschte uns ein riesiger Regenschauer, der ein Weiterlaufen nur schwer möglich machte. Von der Musik angelockt, betraten wir eine Pulqueria, die uns von der Aufmachung her ansprach. Erst später fanden wir heraus, dass die Leute hier keine Milch, sondern ein ortstypisches Getränk namens Pulque konsumierten. Das sollte ich jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt kosten.
Wir bestellten Bier, weil wir es nicht besser wussten. An einem Nebentisch sangen Frauen verschiedenen Alters und ein Mann lauthals die mexikanischen Lieder mit. Aufgrund gleicher Kleidung schienen sie Arbeitskollegen zu sein. Ein Türsteher (vielleicht auch der Besitzer?) kümmerte sich sehr darum, dass wir immer genug zu trinken hatten. Weil mir der Laden so gut gefiel, fragte ich den Kellner nach Stickern, denn mein Cromebook hat noch zu wenige. Aus dem Hintergrund kam kurze Zeit später eine ältere Dame mit Kochschürze und reichte uns auf glatter ausgestreckter Hand zwei Buttons, über die wir uns sehr freuten. Leider blieb mir meiner nur zwei Tage erhalten und löste sich von der Handtasche.
The Gathering in Mexico City
Eigentlich wollten wir erst in Chile auf das Konzert von The Gathering gehen. Doch wie der Zufall es wollte, spielten sie auch genau zu der Zeit in Mexico City, während wir da waren.
Wir hatten hintereinander Plätze auf dem Rang, doch konnten wir zusammen sitzen, weil an anderer Stelle noch zwei zusammenhängende Plätze frei waren. Es war wie immer großartig. Im Anschluss lernten wir noch ein paar mexikanische Fans kennen, mit denen wir schnell ins Gespräch kamen. Gerne wären sie mit uns noch etwas trinken gegangen, doch stand uns am nächsten Tag noch ein Ausflug zu den Ruinen bevor.
The Gathering in Mexico City
Vor der Eventlocation gab es wieder Tacos und ein Didi fuhr uns nach Hause.
Sonnen- und Mondpyramide von Teotihuacán
Am nächsten Tag stand ein Ausflug zu den Pyramiden bevor. Mit dem Bus fuhren wir dorthin und wurden nicht informiert, wo wir aussteigen sollten. Das führte dazu, dass wir für das letzte Stück noch ein Taxi rufen mussten. Ohne Guide betraten wir das riesige Gelände. Im Eingangsbereich gab es natürlich wieder Verkaufsstände und unaufdringliche Verkäufer. Besonders nervig waren kleine Pfeifen, die entweder einen schrillen Vogel simulierten oder fauchende Katzengeräusche machten.
Aussicht von der Mondpyramide
Die Pyramiden liegen teilweise recht weit auseinander. Über weite Felder und Steinhügel mussten wir uns die Wege erklettern. Noch bevor wir zur Mondpyramide – der einzigen, die man besteigen konnte – kamen, zog uns die Hitze zu einem Ausgang, an dem es einen Garten mit kleiner Bude gab. Natürlich konnten wir die Erfrischungen nur mit Bargeld bezahlen, das wir zum Glück dabei hatten. Die imposante Sonnenpyramide, die hier am Ausgang lag, konnte man leider nicht besteigen.
Mondpyramide
Die Mondpyramide kann man über riesige Stufen besteigen. In der Mitte gibt es eine Art Tau, an dem man sich festhalten konnte. Schweißgebadet kamen wir oben an und genossen die phänomenale Aussicht.
Aussicht von der MondpyramideAnstieg auf die Mondpyramide
Frida Kahlo Haus
Bevor es mit dem Bus nach Guatemala gehen sollte, hatten wir noch den ganzen Tag Zeit. Unser Gepäck konnten wir im Hotel zwischenlagern und fuhren per Bus und Bahn zum Casa Blue, dem Wohnhaus von Frida Kahlo. Die Anfahrt war etwas kompliziert, da wir mit den Bussen nicht so vertraut waren. Pünktlich um 10.15 Uhr konnten wir das Haus betreten. Es ist schon faszinierend, sich mit dem Wohnort und der Biographie der Künstlerin zu befassen. Neben der Ausstellung hatte ich mich im Vorfeld etwas mit ihrer Biographie und ihrem Wirken auseinandergesetzt. Hier fand man dann noch einige Fotos, Zeitungsartikel und natürlich auch Bilder von ihr.
2 verbundene Fridas
Garten von Frida Kahlo
Zurück war der Weg noch beschwerlicher, da die angegebenen Busse nicht dort abfuhren, wo es uns angezeigt wurde. Trotzdem erreichten wir pünktlich mit unserem Gepäck abends den Busbahnhof.
Am Endpunkt der Reise mit dem Panoramazug „El Chepe“ in Chihuahua in Mexiko lernen wir ein kleines, nettes Städtchen kennen und besuchen eine Kunstausstellung.
Hotel in Chihuahua
Nach der für mich aufgrund der ballernden Klimaanlage schlaflosen Nacht, schaltete Oliver mit einem Klick die Klimaanlage aus. Das hatte ich nachts nicht hinbekommen.
Das Frühstück war inclusive und bestand aus einem fertigen Tellergericht mit Bohnen und Tacos. Der Kaffee war gut, ebenso der Saft und das Obst.
typischer Marktstand
Kathedrale und Kunst in Chihuahua
Zu Fuß schlenderten wir zur Kathedrahle. Sie machte einen sehr imposanten Eindruck, per Lautsprecher konnten auch Leute auf dem Platz dem Geistlichen lauschen.
Kathedale
Engel
Direkt in der Nähe des Plaza de Armes befindet sich das Casa Chihuahua Kulturzentrum, in dem drei Ausstellungen stattfanden. Ohne weitere Pläne nahmen wir das Angebot gerne an. Alle drei Ausstellungen waren sehenswert. Die erste zeigte Bilder eines mexikanischen Künstlers, der die Natur Mexikos mit surrealen Elementen verband (weitgehend Bleistiftzeichnungen). Eine weitere Ausstellung zeigte in einem dunklen Raum großteils Menschen in ihren traditionellen Kleidern. Die Farben bestanden aus Neonfarben, die angestrahlt wurden. Die dritte Ausstellung zeigte alte Werkzeuge, Haushaltsgegenstände und Bilder Mexikos. Insgesamt bekamen wir einen aussagekräftigen Eindruck von Land und Leuten.
Casa Chihuahua
Kunst in Chihuahua
Kunst in Chihuahua 2
In einem Park wollten wir die Aussicht genießen und eine Kleinigkeit essen. Leider hatten wir alle Essensstände hinter und gelassen und freuten uns über ein Fast-Food-Lokal, das Hähnchen-Gerichte (Tacos usw.) anbot. Aufgrund der klimatisierten Räume entschieden wir uns, vor Ort zu speisen.
Im Park verweilten wir nur kurz, weil wir Kaffeedurst hatten. Auch ein passendes Café zu finden, war nicht so einfach. Oliver entdeckte ein Spiele-Café, das bunte Getränke anbot. Hier konnte man sich auch mit Brett-Spielen beschäftigen und Schwerter aus Filmen für Fotos in die Hand nehmen. Obwohl das Café sehr liebevoll augestattet war, waren wir die einzigen Besucher.
rotes Haus Chihuahua
gelbes Haus Chihuahua
Abends fanden wir “Don Arturo”, eine super Kneipe. Eine Gruppe, bestehend aus Frauen in gemischtem Alter, sang lauthals alle mexikanischen Lieder mit. Der Kellner bot uns einen Tequilla an, den wir natürlich kosten mussten. Hier waren wir die einzigen ausländischen (zumindest nicht spanisch sprechenden) Kunden.
Tequilla bei Don Arturo
Vor unserem Flug nach Mexico City hatten wir noch massig Zeit. Der Flieger sollte erst um 17 Uhr starten. Unser Gepäck konnten wir im Hotel deponieren und gingen zum Plaza de Armes mit der schönen Kathedrale. Von dort waren es nur noch ein paar Queerstraßen, bis wir den Abfahrtsort des Trolley-Busses erreichten. Leider fand die Tour in einem doppelstöckigen Bus (aber mit bequemeren Sitzen) komplett auf Spanisch statt. Bereits nach kurzer Fahrtzeit hielten wir an einem alten Haus, das man besichtigen konnte. Wir warteten jedoch im Bus und sahen die Gäste mit Süßigkeiten und Souvenirs wiederkommen. Ein weiterer Stopp war verpflichtender Teil der Tour. Erst 40 Minuten später durften wir den Bus wieder betreten. Das Haus zeigte den Revolutionellen Pancho Villa. Es zeigte viele Waffen und auch das Auto, in dem er zum Schluss erschossen wurde.
Pancho Villa und wir
Pancho Villa
Per Didi ging es nachmittags zum Flughafen. Um 19 Uhr öffnete erst der Schalter. Netterweise verstand die Dame, dass wir zusammen sitzen wollten, was bei der Buchung nicht geklappt hatte. Sie sorgte auch dafür, dass uns keine weitere Person in die enge Dreierreihe gesetzt wurde, wie wir später feststellten.
Flug nach Mexico City
Der Flug war sehr unruhig. Nach ca 2,5 Stunden erreichten wir Mexiko-City und nahmen unser Gepäck in Empfang.
Nach einem kleinen Fußweg erreichten wir den Drop-On-Platz, zu dem Oliver ein Didi (privates Taxi) bestellt hatte. Unser Hotel erreichten wir gegen Mitternacht, doch die Ausstattung dessen sorgte dafür, dass wir noch nachts mit der Hotelorganisation und dem Online-Anbieter kommunizieren mussten und erst spät schlafen konnten.
In Los Mochis beginnt die Reise mit dem Panoramazug „El Chepe“, der über Creel nach Chihuahua fährt. Der Touristenzug hat anders als der Regionalzug, der hier auch verkehrt, einen besonderen Service und Mahlzeiten an Bord.
Abfahrt aus Los Mochis
An der Rezeption unseres Hotels hatten wir vereinbart, dass ein Taxi zum Bahnhof in Los Mochis organisiert wird. Da sie auch das nicht ordentlich hinbekamen – nur mit Bargeld – haute Oliver nochmal (sprachlich) auf den Tisch. Dann war auf einmal ein Transfer mit dem hauseigenen Shuttle-Service möglich.
Abfahrt von Los Mochis
Am Bahnhof, den wir tags zuvor schon aufgesucht hatten, gab es nichts außer den Zügen und ein paar wartenden Passagieren. Keine Getränke- oder Speiseautomaten, geschweige denn Buden. Obwohl wir pünktlich um 6.15 Uhr vor Ort waren, wurden wir erst um sieben Uhr hereingelassen. Unter den Passagieren waren augenscheinlich nur Mexikaner, insbesondere solche, die sich für Wandertouren in einer Gruppe dort eingefunden haben, die mit einheitlichen Rucksäcken und Trikots ausgestattet wurden.
Abfahrt von Los Mochis
Wir bekamen Kofferanhänger und mussten die Koffer in den ersten Wagen hinter der Lok bringen. Wir selbst hatten fest vorgeschriebene Sitzplätze. Der Zugbegleiter kam persönlich zu uns und erklärte in gutem Englisch, wie der Zug aufgebaut ist. Vor uns der Speisewagen, hinter uns die Bar, noch weiter hinten die erste Klasse. Von unseren Plätzen aus hatten wir eine gute Sicht. Das Fenster war frisch geputzt und lud zum Bewundern der spektakulären Landschaft ein.
Im Zug „El Chepe“
Mit etwas Verspätung und lautem Tuten startete unsere Fahrt. Das Frühstück war nicht so besonders. Obwohl wir vorher gefragt hatten, mussten wir in bar bezahlen, was schwierig werden sollte, da wir nur wenig Bargeld zur Verfügung hatten. Unser Zugbegleiter kümmerte sich aber darum und fand eine Zahlungsmöglichkeit im Wagen der ersten Klasse. Sehr merkwürdig, denn im Wagen mit der Bar funktionierten unsere Karten auch – wie wir später herausfinden sollten.
Speisewagen „El Chepe“
Der erste Teil der Strecke verlief noch recht flach und führte an grünen Landschaften vorbei. Endlich sah man auch mal Tiere, insbesondere Kühe und Ziegen. Teilweise wurden die Tiere so gut gehalten, dass sie in ihrem Stall auch einen Sonnenschutz hatten. Ansonsten entdeckten wir auch viele Kühe, die sich in der weiten Landschaft frei bewegen konnten.
El Chepe
Fluss während der Fahrt mit dem „El Chepe“
Bei einer neunstündigen Zugfahrt kann man auch schon mal einschlafen. Der Zug fuhr so gemächlich, dass wir beiden zwischenzeitlich wegdösten.
Ein Mitreisender hatte sich zum Ziel gesetzt, uns musikalisch zu unterhalten. Mit einer Lautsprecherbox spielte er Hits aus den 1980ern und 1990ern. Neben uns saß ein Paar aus den USA, mit denen wir kurz ins Gespräch kamen. Ein weiterer “Passagier” fiel uns auf, der schwer bewaffnet war. Sollte dieser uns während der Fahrt beschützen?
Landschaft während der Fahrt mit dem „El Chepe“Wasserfall während der Fahrt mit dem „El Chepe“
An der Grenze zum Staat Chihuahua wurde die Uhr um eine Stunde zurück gestellt. Das betraf aber nicht unsere Mittagessenszeit. Beide hatten wir ein Steak bestellt, das mit geschmorten Gemüse und Guacamole serviert wurde.
Mittlerweile hatten wir schon ganz schön Höhe erreicht. Der Weg führte an Schluchten vorbei und über Brücken. Der Ausblick war umwerfend. Zu beiden Seiten erstreckte sich die grüne Berglandschaft. Trotzdem fühlte ich mich nicht so mulmig, da direkt an der Bahnstrecke meist Bäume Schutz boten.
Ankunft in Creel
Creel
Bereits vorher gab es einen Ort mit Hotels, an dem ein paar Passagiere ausgestiegen sind. “Unser” Ort war die Endstation dieser Fahrt. Uns empfingen farbenfrohe kleine Häuser, Menschen, die uns selbst hergestellte Waren oder Obst feilboten, Tourenanbieter, Taxifahrer und viele streunende, treue Straßenhunde. Unsere Unterkunft lag nur 150 m vom Bahnhof entfernt. Uns erwartete ein gemütliches Zimmer, das einen besonderen Charme durch die Holzeinrichtung hatte. Hier fühlt man sich sofort zu Hause. Kaum hatten wir das Hotel betreten, donnerte und blitzte es kräftig.
Nachdem es wieder einigermaßen trocken wurde, holte Oliver nochmal Bargeld. In Los Mochis war das etwas schwierig, klappte hier zum Glück sofort, allerdings mit einer Gebühr von fast 10 Euro. Natürlich suchten wir die neben der Bank liegende kleine Privatbrauerei auf. Das Bier war ganz gut, die Lokation stellte sich aber als Luxus-Resort raus, was uns nicht so zusagte. Essen waren wir in einem kleinen mexikanischen Restaurant. Das war köstlich. Ich hatte eine scharfe, kalte Suppe mit Garnelen, Oliver Tacos mit frittierten Garnelen. Das wurde sofort zu unserem Stammrestaurant.
Scharfe, kalte Garnelensuppefrittierte Garnelen
Zugtickets nach Chihuahua
Die Zügen fahren hier nur an bestimmten Tagen. Es gibt den Touristenzug, mit dem wir von Los Mochis nach Creel gefahren sind und den Regionalzug, der wesenlich langsamer fährt. Am Bahnhof erstanden wir Tickets für den 6. September, da früher kein Zug in Richtung Chihuahua fuhr. Es war kein Problem, unsere Unterkunft um einen Tag zu verlängern.
Wanderung zu den Sehenswürdigkeiten in unserer Umgebung
Im Gebiet der Tarahumara
Die Landschaft, die wir mit dem Zug durchreist sind, zeichnet sich durch viele Steinformationen aus, die nach ihrem Aussehen benannt worden sind. Touranbieter ermöglichen Touren mit Bobbys (4×4) durch Schlamm uns Matsch, weshalb die Teilnehmer Schutzbrillen bekommen. Oliver suchte uns einen eigenständigen Spaziergang aus, der uns erst zu Höhlen führte, in welchen noch heute Menschen leben, die zu der Volksgruppe der Tarahumara gehören. Der Weg führte über eine gut ausgebaute Straße, die eigenlich nicht für Fußgänger gedacht war. An den Höhlen erwartete uns eine gut Englisch sprechende Frau mit einem Verkaufsstand. Sie erklärte uns, dass sie mit ihrer Familie noch immer hier wohnen würde und gestattete uns einen Blick in eine der Höhlen. Hier erstand ich traditionelle Ohrringe in Form von kleinen weiblichen Stoffpüppchen.
Tarahumara-Frauen in typischer Kleidung
Der Weg wurde sehr ungemütlich, zumal es anfing zu donnern und zu blitzen. An einer Abzweigung, die (aktuell) nur für Fußgänger zugänglich war, wurde von Einheimischen in traditioneller Kleidung Boden neu verlegt. Die Steine zierten Symbole. Wieder unterhielten wir uns mit Händen und Füßen. Uns wurde bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg wären.
Höhle in Creel
Höhle in Creel rechts
An der Missionskirche angekommen, suchten wir erstmal Schutz im Gebäude und warteten den Regen ab. Weiter ging es zum Valle de las Ranas (Tal der Frösche) und Valle des los Hongos (Tal der Pilze) welche schon sehr beeindruckend waren. Unterwegs trafen wir noch die Familie, die in den Höhlen wohnte. Sie pesten in einem verbeulten Auto an uns vorbei und winkten als wären wir alte Freunde.
Valle de las RanasValle ?weitere Valleendlich ohne RegenEingang mit Preisen
Der Weg gestaltete sich als Rundweg, sodass es fortan bergab ging. Uns begegneten einige Einheimische, die zu Fuß ihre Einkäufe aus dem Dorf nach Hause trugen.
Weitere Höhlen lagen etwas abseits vom Weg. Als wir einbogen, kam uns wieder das blaue Auto mit unseren neuen Bekannten entgegen. Diesmal fragten sie, ob sie uns mit ins Dorf nehmen sollten, was wir dankend ablehnten. Wer hier die Straßen gesehen hat, wir verstehen, dass wir nicht Kontakt mit Stoßstangen machen wollten.
verregnete Wege
Oliver kundschaftete erst den Weg aus, bevor er mich holte. An einer Höhle angekommen, sprang uns sofort eine Verkäuferin aus dem Umfeld entgegegen, denn – wie sollte es auch anders sein – enthielt die Höhle einen Verkaufsstand.
Zum Tagesabschluss kehrten wir noch auf ein Getränk in die Brauerei ein, die auf dem Weg nach Hause lag. Hier entdeckte ich auch mein neues Favouriten-Getränk Clamato, ein Getränk aus Tomaten und diversen scharfen Kräutern.
Ausflug zu „Jesus“
Ankunft bei der Jesus-Statue
Ein weiterer Tag in Creel bot natürlich wieder mal ein neues Ziel. In etwa einem Kilometer Entfernung sollte sich eine Jesus-Statue befinden, hoch auf einem Berg. Da wir uns auf 2500 m Höhe befanden, gerät man hier schnell außer Puste. Ziemlich steil ging es eine Straße entlang, die irgendwann scharf nach oben führte. Oliver versuchte sich durch kleine, sehr steile Wege nach oben zu bringen, was aber nicht zielführend war. Ich folgte ein Stück den ausgebauten Fußweg und entdeckte schließlich die Jesus-Statue oben auf dem Berg.
Der Anstieg dahin sah einfacher aus als er war, denn nach der steilen Straßen folgten Treppen ohne Geländer, die sich um den Felsen am Abgrund entlang schlängelten. Von oben hatten wir einen phänomenalen Ausblick.
Shopping in Creel
Creel ist ein kleines Touristen-Örtchen. Durch den Panorama-Zug ist der Tourismus die Haupteinnahmequelle. In kleinen Läden auf der Hauptstraße werden T-Shirts, Magnete etc verkauft. Bereits am Vortag hatte ich ein Beany (Schlauch-Tuch mit mehreren Verwendungszwecken) erstanden. Außerdem wollte ich unbedingt ein T-Shirt mit einem Zug-Motiv des Es Chepe haben. Nach mehreren Geschäften, die nicht alle die gleichen Shirts haben, fand ich endlich ein Shirt in lila, das natürlich mit musste. Abends kehrten wir in ein gut bewertetes Restaurant ein, das uns leider nicht so überzeugt hat.
Toiletten in Creel
Am Bahnhof und am Hauptplatz befinden sich keine Toiletten, was für Reisende natürlich etwas schwierig ist. Mit meinen geringen Spanisch-Kenntnissen schaffte ich es aber, nach einer Toilette zu fragen und verstand auch den Weg dorthin.
typische Kleidung der Tarahumara
Wandbild in Creel
Am Ende des Marktplatzes fand ich die Damentoilette. Für 10 Pesos durfe ich sie benutzen und bekam auch Papier. Die Toilette hatte keine Spülung, man musste aus einem riesigen Wassereimer Wasser schöpfen und damit spülen. Das ennen wir ja schon von unserer ersten Weltreise z.B. aus Fidchi.
Apfelsaft frisch gepresst
In Restaurants und Hotels gibt es natürlich normale Toiletten, allerdings ist man sich nicht einig, ob das Papier in die Toilette darf oder in den Mülleimer geworfen werden soll.
Zugfahrt von Creel nach Chihuahua
Regionalzug „El Chepe“
Der Zug sollte erst um 16.39 Uhr starten, weshalb wir unser Gepäck noch in unserem Hotel deponieren konnten und frühstücken gingen. Da wir meist erst mittags in den Tag starten, war es wieder eine Mischung aus Frühstück und Mittagessen, was sich in den Speisen in Mexiko sowieso nicht sehr unterscheidet. Am Bahnhof gab es einen Snack, der aber nicht für die ganze Fahrt reichte, weshalb wir nach unseren Proviant-Einkäufen in unserem Stammrestaurant einkehrten.
Zubereitung unseres Frühstücks
Am Bahnhof waren außer uns keine weiteren Passagiere. Wieder und wieder checkten wir unsere Tickets, das Datum auf unseren Handys, die korrekten Uhrzeiten. Viele Menschen überquerten sorglos die Gleise. Recht pünktlich ertönte dann ein lautes Tuten, das Gleis leerte sich und der Zug fuhr ein. Von dem Zugbegleiter bekamen wir feste Plätze zugeteilt, doch es war noch viel frei.
Am nächsten Bahnhof stiegen wieder fliegende Händler mitsamt Kleinkindern auf dem Arm ein. So wie wir das verstehen konnten, schafften sie es nicht rechtzeitig, wieder aus dem Zug zu steigen. Einige Mitreisende versuchten sich für sie einzusetzen und blickten sehr mitfühlsam drein. Die Menschen mussten aber weiter mitfahren und saßen dann auf dem Boden in dem kleinen Speisewagen.
Obwohl die Zugfahrt durch Berge und an steilen Abhängen entlang führte, machten die Wege einen sicheren Eindruck. Die Aussicht war phänomenal. Zwischendurch sahen wir abgelegene Häuser und phantastische Wasserfälle.
Ankunft in Chihuahua
Im Dunkeln erreichten wir die kleine Stadt Chihuahua. Die Taxifahrer fielen sehr unangenehm auf, das sie auf der Suche nach Kunden den Eingang versperrten. Wir hingegen ginge zwei Blocks weiter, um den Bus zu nehmen, der leider nicht kam. Also organisierte uns Oliver ein Didi (privates Taxi), das uns zum Hotel fuhr.
Das Hotel war sehr einfach. Leider funktionierte die Klimaanlage nicht, so dass wir mitten in der Nacht das Zimmer wechseln mussten. Hier sprach man natürlich nur Spanisch, weshalb wir zwischendurch sehr ratlos dastanden. Im neuen Zimmer pustete die Klimaanlage so stark auf mein Bett, dass an Schlaf auch nicht zu denken war. Wie man es macht, ist es falsch.