Per Zug geht es über Nacht von New Orleans nach Chicago, wo wir uns auf dem Boot die herrlichen Hochhäuser anschauen und das Geburtshaus von Ernest Hemingway von außen bestaunen. Ein Besuch eines Baseball-Spiels der Chicago White Sox darf natürlich auch nicht fehlen.

Zugfahrt von New Orleans nach Chicago
Bereits vor unserer Reise hat Oliver eine Roomette im Zug von New Orleans nach Chicago gebucht. Das ist ein kleiner Raum mit zwei gegenüberliegenden Sitzen, die zu einem Etagenbett umgebaut werden können. Vom Zugbegleiter wurden wir freundlich begrüßt, unsere Namen wurden auf der Liste abgehakt und schon konnten wir unser Quartier für die nächsten 20 Stunden betreten. Der Zug ist zweistöckig und unsere Kabine Nr. 9 lag in der oberen Etage, in der es immer besonders wackelt.
Direkt hinter den Kabinen, die auch teilweise besser, nämlich mit eigener Dusche und richtigen Liegen ausgestattet sind, befand sich des Obsersavations-Wagen. Hier kann man sitzen und aus den riesigen Fenstern sogar in den Himmel schauen. Darauf folgt der Speisewagen, wo wir unser Mittagessen, Abendessen und Frühstück zu uns nehmen konnten. Eine Lieferung in die Kabine war auch möglich, aber ein Blickwechsel während der langen Fahrt kam uns sehr entgegen. Während des Abendessens kamen wir schnell mit einem Pärchen aus Michigan ins Gespräch. Auch sie reisten in einer kleinen Kabine, waren also unsere Nachbarn auf Zeit.
Das Essen im Zug wird auf Plastiktellern mit viel Alufolie serviert. Zum Abendessen ist zusätzlich ein alkoholisches Getränk pro Person im Reisepreis enthalten. Das Essen schmeckte ganz okay, aber eben genau wie das, was es war: ein Fertiggericht aus der Mikrowelle.

Die Konstruktion unserer Betten klemmte ordentlich, sodass wir beim ersten Gebrauch die Hilfe des Zugbegleiters brauchten. Bereits kurz nach dem Einstieg machten wir ein kleines Nickerchen von etwa zwei Stunden. Reisen macht eben sehr müde. Oliver war so nett, das obere Bett zu nehmen. Mittels Gurten, die an der Decke befestigt waren, wurde er “gesichert”, was sich aber nicht sehr sicher anfühlte.

Nachts schliefen wir trotz des Geschaukels beide recht gut. Auf unserem Gang befand sich eine saubere Toilette.


Loop und Park mit Buckingham Fountain (Al Bundy)

Nach Ankunft verstauten wir unser Gepäck in einem Café, das Gepäckaufbewahrung über bounce.de anbietet. Unser erster Weg führte uns in das Macy s, ein riesiges Einkaufszentrum mit vielen angesagten Marken. Doch auch hier fand ich keinen neuen Kulturbeutel. Ein Spaziergang durch den Grand Park führte uns zu dem Buckingham-Fountain, der allen durch die RTL-Serie “Eine schrecklich nette Familie” aus den 1980er und 1990er Jahren bekannt sein sollte. Im Schatten genossen wir die Aussicht auf den Michigan-See. Nach einem Stück Pizza konnten wir endlich unser Quartier im Hipster-Stadtteil Pilsen beziehen. Gebucht hatten wir diesmal über airbnb.de, wo wir ein Zimmer mit zwei großen Betten und einem eigenen Bad in einer Privatwohnung beziehen konnten. Hier fielen wir wieder müde in die Betten – wie gesagt: Reisen macht müde.
Abendliche Architektur-Bootstour

Für den Abend stand mal wieder eine Bootstour auf dem Programm. Im Dunkeln konnten wir die tollen Hochhäuser bestaunen und der Geschichte der Stadt Chicago lauschen. Bereits im Zug hatte ich einige interessante Fakten erlesen z.B. dass die Stadt zu einem Drittel abgebrannt war, weil sich eine Kuh erschreckt hat und dabei eine Kerze umstieß.
Exit-Spiel wegen Regens
Der zweite Tag unseres Chicago-Aufenthalts war durch starken Regen gekennzeichnet. Nasse Sachen hatten wir auf dieser Reise schon zu genüge, weshalb wir es vorzogen, in der gemieteten Wohnung unser Exit-Spiel zu beenden, was wir mehr oder weniger erfolgreich taten. Wir sind in der Vorweihnachtszeit bei uns zu Hause wesentlich erfolgreicher im Lösen von Rätseln. Am frühen Nachmittag kehrten wir für einen Snack bei Potbelly ein.
Hemingway House



Inspiriert durch die Lesung von Dr. Mark Canada, dem ich auf unserer Schiffsfahrt von Hamburg nach New York dreimal lauschen konnte, wollte ich natürlich auch das Geburtshaus von Ernest Hemingway sehen. Der Stadtteil Oak Park (auch Hemmingway Quarter genannt) liegt etwas außerhalb und wirkte etwas edler. Das Haus erscheint ganz unspektakulär in einer etwas feineren Wohnsiedlung. Leider war für den Tag keine Führung vorgesehen.
Baseball Chicago White Sox
Nach etwas Kulturellem für mich, sollte es etwas Sportliches für Oliver geben. Trotz ausverkauftem Stadions ist es ihm gelungen, zwei Eintrittskarten für das Spiel der Chicago White Sox gegen die Cincinnati Reds zu ergattern. Vor Jahren saß Papst Leo, der selbst ein großer White Sox Fan ist und bekanntlich aus Chicago stammt, im Stadion, als die Chicago White Sox daraufhin die Meisterschaft (World Series) gewannen. Deshalb gilt der 11. August als der Papst-Tag im Stadion, woraufhin die Sox die World Series gewannen. Alle Zuschauerinnen und Zuschauer bekamen beim Eintritt eine Papst-Mütze geschenkt. Das sah schon sehr lustig aus.
Unsere Sitzplätze lagen im obersten Block. Der Blick zum Spielfeld ging steil bergab, sodass mir ganz schön mulmig zumute wurde. Trotzdem schaffte ich es, für uns beide Getränke zu holen und sicher an den Platz zurückzukehren. In einer Pause standen alle Zuschauer auf und gaben sich gegenseitig die Hände und sagten etwas Positives über den Papst. Ich habe wieder nur die Hälfte verstanden, weil doch alles etwas plötzlich kam. Oliver war in der Zeit mit seiner Sitznachbarin in ein kurzes Gespräch vertieft, in dem sich herausstellte, dass ihre Halbschwester aus der Nähe von Kaiserslautern stammt, wo Oliver studiert hat. Die Welt ist doch kleiner als gedacht.


Das Spiel war bis zum Ende noch nicht entschieden, sodass Spannung in der Luft lag. Die Regeln des Baseball-Spiels hatte ich mittlerweile etwas durchblickt. Leider endete das Spiel nicht gut für die White Sox, doch am nächsten Tag sollte ein weiteres Spiel gegen dieselbe Mannschaft erneut stattfinden.
Am Mittwoch, 12.08.2026 standen wir wieder recht früh auf, um den Zug nach Kansas City zu besteigen. Um 7.45 Uhr verließen wir unsere Unterkunft und fuhren mit unserem Tagesticket, das wir am Vortag gekauft hatten, zum Bahnhof. In einer riesigen Bahnhofshalle warten wir auf den Zug, der um 9.50 Uhr losfahren sollte. Ab 9.20 Uhr begann der Check-in. Vor dem Betreten des Zuges mussten die Tickets vorgezeigt werden und der Zugbegleiter, wies einem den Waggon zu. Die Fahrt dauerte über 20 Stunden, war aber im Sitzen ganz gut zu ertragen.
Essen in Chicago
Bereits auf der Zugfahrt nach Chicago wurde uns von unseren kurzzeitigen Nachbarn die besondere Pizza in Chicago beschrieben. Die Deep-Dish-Pizza hat einen hohen Rand, viel Tomatenmark und Belag nach Wahl. Uns schmeckte sie eher wie ein Stück Hefekuchen mit einer Tube Tomatenmark.
Eine weitere Besonderheit ist der Chicago Hot Dog, den wir im Stadion kosten durften. Oliver suchte vergeblich den Ketchup, doch ich wusste aus dem Reiseführer, dass dieser Hot-Dog nur mit festigen Bestandteilen serviert wird: gelber Senf, leuchtend grünes Relish, weiße Zwiebeln, Tomatenspalten, einem Gurkenstück, scharfen Peppers und Selleriesalz. Im Stadion verzichteten wir jedoch auf Selleriesalz. Man muss ja nicht jeden Quatsch mitmachen.
Die Potbelly-Kette hatten wir schon in Washington kennengelernt. Hier bekommt man Salate und Sandwiches. Die Kombination aus Sandwich, Chips und einem Getränk zum Selberzapfen kostet 7,99 Dollar, was gut für unsere Reisekasse ist. Die Sandwiches sind lecker und können nach eigenen Vorlieben belegt werden.



