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In Los Mochis beginnt die Reise mit dem Panoramazug „El Chepe“, der über Creel nach Chihuahua fährt. Der Touristenzug hat anders als der Regionalzug, der hier auch verkehrt, einen besonderen Service und Mahlzeiten an Bord.

Abfahrt aus Los Mochis

An der Rezeption unseres Hotels hatten wir vereinbart, dass ein Taxi zum Bahnhof in Los Mochis organisiert wird. Da sie auch das nicht ordentlich hinbekamen – nur mit Bargeld – haute Oliver nochmal (sprachlich) auf den Tisch. Dann war auf einmal ein Transfer mit dem hauseigenen Shuttle-Service möglich.

Abfahrt von Los Mochis
Abfahrt von Los Mochis

Am Bahnhof, den wir tags zuvor schon aufgesucht hatten, gab es nichts außer den Zügen und ein paar wartenden Passagieren. Keine Getränke- oder Speiseautomaten, geschweige denn Buden. Obwohl wir pünktlich um 6.15 Uhr vor Ort waren, wurden wir erst um sieben Uhr hereingelassen. Unter den Passagieren waren augenscheinlich nur Mexikaner, insbesondere solche, die sich für Wandertouren in einer Gruppe dort eingefunden haben, die mit einheitlichen Rucksäcken und Trikots ausgestattet wurden.

Abfahrt von Los Mochis
Abfahrt von Los Mochis

Wir bekamen Kofferanhänger und mussten die Koffer in den ersten Wagen hinter der Lok bringen. Wir selbst hatten fest vorgeschriebene Sitzplätze. Der Zugbegleiter kam persönlich zu uns und erklärte in gutem Englisch, wie der Zug aufgebaut ist. Vor uns der Speisewagen, hinter uns die Bar, noch weiter hinten die erste Klasse.
Von unseren Plätzen aus hatten wir eine gute Sicht. Das Fenster war frisch geputzt und lud zum Bewundern der spektakulären Landschaft ein.

Im Zug "El Chepe"
Im Zug „El Chepe“

Mit etwas Verspätung und lautem Tuten startete unsere Fahrt.
Das Frühstück war nicht so besonders. Obwohl wir vorher gefragt hatten, mussten wir in bar bezahlen, was schwierig werden sollte, da wir nur wenig Bargeld zur Verfügung hatten. Unser Zugbegleiter kümmerte sich aber darum und fand eine Zahlungsmöglichkeit im Wagen der ersten Klasse. Sehr merkwürdig, denn im Wagen mit der Bar funktionierten unsere Karten auch – wie wir später herausfinden sollten.

Speisewagen "El Chepe"
Speisewagen „El Chepe“

Der erste Teil der Strecke verlief noch recht flach und führte an grünen Landschaften vorbei. Endlich sah man auch mal Tiere, insbesondere Kühe und Ziegen. Teilweise wurden die Tiere so gut gehalten, dass sie in ihrem Stall auch einen Sonnenschutz hatten. Ansonsten entdeckten wir auch viele Kühe, die sich in der weiten Landschaft frei bewegen konnten. 

El Chepe
El Chepe
Fluss während der Fahrt mit dem "El Chepe"
Fluss während der Fahrt mit dem „El Chepe“

Bei einer neunstündigen Zugfahrt kann man auch schon mal einschlafen. Der Zug fuhr so gemächlich, dass wir beiden zwischenzeitlich wegdösten.

Ein Mitreisender hatte sich zum Ziel gesetzt, uns musikalisch zu unterhalten. Mit einer Lautsprecherbox spielte er Hits aus den 1980ern und 1990ern. Neben uns saß ein Paar aus den USA, mit denen wir kurz ins Gespräch kamen. Ein weiterer “Passagier” fiel uns auf, der schwer bewaffnet war. Sollte dieser uns während der Fahrt beschützen?

Landschaft während der Fahrt mit dem "El Chepe"
Landschaft während der Fahrt mit dem „El Chepe“
Wasserfall während der Fahrt mit dem "El Chepe"
Wasserfall während der Fahrt mit dem „El Chepe“

An der Grenze zum Staat Chihuahua wurde die Uhr um eine Stunde zurück gestellt. Das betraf aber nicht unsere Mittagessenszeit. Beide hatten wir ein Steak bestellt, das mit geschmorten Gemüse und Guacamole serviert wurde.

Mittlerweile hatten wir schon ganz schön Höhe erreicht. Der Weg führte an Schluchten vorbei und über Brücken. Der Ausblick war umwerfend. Zu beiden Seiten erstreckte sich die grüne Berglandschaft. Trotzdem fühlte ich mich nicht so mulmig, da direkt an der Bahnstrecke meist Bäume Schutz boten.

Ankunft in Creel

Creel
Creel

Bereits vorher gab es einen Ort mit Hotels, an dem ein paar Passagiere ausgestiegen sind. “Unser” Ort war die Endstation dieser Fahrt. Uns empfingen farbenfrohe kleine Häuser, Menschen, die uns selbst hergestellte Waren oder Obst feilboten, Tourenanbieter, Taxifahrer und viele streunende, treue Straßenhunde.
Unsere Unterkunft lag nur 150 m vom Bahnhof entfernt. Uns erwartete ein gemütliches Zimmer, das einen besonderen Charme durch die Holzeinrichtung hatte. Hier fühlt man sich sofort zu Hause. Kaum hatten wir das Hotel betreten, donnerte und blitzte es kräftig. 

Nachdem es wieder einigermaßen trocken wurde, holte Oliver nochmal Bargeld. In Los Mochis war das etwas schwierig, klappte hier zum Glück sofort, allerdings mit einer Gebühr von fast 10 Euro. Natürlich suchten wir die neben der Bank liegende kleine Privatbrauerei auf. Das Bier war ganz gut, die Lokation stellte sich aber als Luxus-Resort raus, was uns nicht so zusagte. Essen waren wir in einem kleinen mexikanischen Restaurant. Das war köstlich. Ich hatte eine scharfe, kalte Suppe mit Garnelen, Oliver Tacos mit frittierten Garnelen. Das wurde sofort zu unserem Stammrestaurant.

Zugtickets nach Chihuahua

Die Zügen fahren hier nur an bestimmten Tagen. Es gibt den Touristenzug, mit dem wir von Los Mochis nach Creel gefahren sind und den Regionalzug, der wesenlich langsamer fährt. 
Am Bahnhof erstanden wir Tickets für den 6. September, da früher kein Zug in Richtung Chihuahua fuhr. Es war kein Problem, unsere Unterkunft um einen Tag zu verlängern.

Wanderung zu den Sehenswürdigkeiten in unserer Umgebung

Im Gebiet der Tarahumara
Im Gebiet der Tarahumara

Die Landschaft, die wir mit dem Zug durchreist sind, zeichnet sich durch viele Steinformationen aus, die nach ihrem Aussehen benannt worden sind. Touranbieter ermöglichen Touren mit Bobbys (4×4) durch Schlamm uns Matsch, weshalb die Teilnehmer Schutzbrillen bekommen. Oliver suchte uns einen eigenständigen Spaziergang aus, der uns erst zu Höhlen führte, in welchen noch heute Menschen leben, die zu der Volksgruppe der Tarahumara gehören. Der Weg führte über eine gut ausgebaute Straße, die eigenlich nicht für Fußgänger gedacht war. An den Höhlen erwartete uns eine gut Englisch sprechende Frau mit einem Verkaufsstand. Sie erklärte uns, dass sie mit ihrer Familie noch immer hier wohnen würde und gestattete uns einen Blick in eine der Höhlen. Hier erstand ich traditionelle Ohrringe in Form von kleinen weiblichen Stoffpüppchen.

Tarahumara-Frauen in typischer Kleidung
Tarahumara-Frauen in typischer Kleidung

Der Weg wurde sehr ungemütlich, zumal es anfing zu donnern und zu blitzen. An einer Abzweigung, die (aktuell) nur für Fußgänger zugänglich war, wurde von Einheimischen in traditioneller Kleidung Boden neu verlegt. Die Steine zierten Symbole. Wieder unterhielten wir uns mit Händen und Füßen. Uns wurde bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg wären.

Höhle in Creel
Höhle in Creel
Höhle in Creel rechts
Höhle in Creel rechts

An der Missionskirche angekommen, suchten wir erstmal Schutz im Gebäude und warteten den Regen ab. Weiter ging es zum Valle de las Ranas (Tal der Frösche) und Valle des los Hongos (Tal der Pilze) welche schon sehr beeindruckend waren. Unterwegs trafen wir noch die Familie, die in den Höhlen wohnte. Sie pesten in einem verbeulten Auto an uns vorbei und winkten als wären wir alte Freunde.

Der Weg gestaltete sich als Rundweg, sodass es fortan bergab ging. Uns begegneten einige Einheimische, die zu Fuß ihre Einkäufe aus dem Dorf nach Hause trugen.

Weitere Höhlen lagen etwas abseits vom Weg. Als wir einbogen, kam uns wieder das blaue Auto mit unseren neuen Bekannten entgegen. Diesmal fragten sie, ob sie uns mit ins Dorf nehmen sollten, was wir dankend ablehnten. Wer hier die Straßen gesehen hat, wir verstehen, dass wir nicht Kontakt mit Stoßstangen machen wollten.

verregnete Wege
verregnete Wege

Oliver kundschaftete erst den Weg aus, bevor er mich holte. An einer Höhle angekommen, sprang uns sofort eine Verkäuferin aus dem Umfeld entgegegen, denn – wie sollte es auch anders sein – enthielt die Höhle einen Verkaufsstand.

Zum Tagesabschluss kehrten wir noch auf ein Getränk in die Brauerei ein, die auf dem Weg nach Hause lag. Hier entdeckte ich auch mein neues Favouriten-Getränk Clamato, ein Getränk aus Tomaten und diversen scharfen Kräutern.

Ausflug zu „Jesus“

Ankunft bei der Jesus-Statue
Ankunft bei der Jesus-Statue

Ein weiterer Tag in Creel bot natürlich wieder mal ein neues Ziel. In etwa einem Kilometer Entfernung sollte sich eine Jesus-Statue befinden, hoch auf einem Berg. Da wir uns auf 2500 m Höhe befanden, gerät man hier schnell außer Puste. Ziemlich steil ging es eine Straße entlang, die irgendwann scharf nach oben führte. Oliver versuchte sich durch kleine, sehr steile Wege nach oben zu bringen, was aber nicht zielführend war. Ich folgte ein Stück den ausgebauten Fußweg und entdeckte schließlich die Jesus-Statue oben auf dem Berg.

Der Anstieg dahin sah einfacher aus als er war, denn nach der steilen Straßen folgten Treppen ohne Geländer, die sich um den Felsen am Abgrund entlang schlängelten. Von oben hatten wir einen phänomenalen Ausblick.

Shopping in Creel

Creel ist ein kleines Touristen-Örtchen. Durch den Panorama-Zug ist der Tourismus die Haupteinnahmequelle. In kleinen Läden auf der Hauptstraße werden T-Shirts, Magnete etc verkauft. Bereits am Vortag hatte ich ein Beany (Schlauch-Tuch mit mehreren Verwendungszwecken) erstanden. Außerdem wollte ich unbedingt ein T-Shirt mit einem Zug-Motiv des Es Chepe haben. Nach mehreren Geschäften, die nicht alle die gleichen Shirts haben, fand ich endlich ein Shirt in lila, das natürlich mit musste.
Abends kehrten wir in ein gut bewertetes Restaurant ein, das uns leider nicht so überzeugt hat. 

Toiletten in Creel

Am Bahnhof und am Hauptplatz befinden sich keine Toiletten, was für Reisende natürlich etwas schwierig ist. Mit meinen geringen Spanisch-Kenntnissen schaffte ich es aber, nach einer Toilette zu fragen und verstand auch den Weg dorthin.

typische Kleidung der Tarahumara
typische Kleidung der Tarahumara
Wandbild in Creel
Wandbild in Creel

Am Ende des Marktplatzes fand ich die Damentoilette. Für 10 Pesos durfe ich sie benutzen und bekam auch Papier. Die Toilette hatte keine Spülung, man musste aus einem riesigen Wassereimer Wasser schöpfen und damit spülen. Das ennen wir ja schon von unserer ersten Weltreise z.B. aus Fidchi.

Apfelsaft frisch gepresst
Apfelsaft frisch gepresst

In Restaurants und Hotels gibt es natürlich normale Toiletten, allerdings ist man sich nicht einig, ob das Papier in die Toilette darf oder in den Mülleimer geworfen werden soll.

Zugfahrt von Creel nach Chihuahua

Regionalzug "El Chepe"
Regionalzug „El Chepe“

Der Zug sollte erst um 16.39 Uhr starten, weshalb wir unser Gepäck noch in unserem Hotel deponieren konnten und frühstücken gingen. Da wir meist erst mittags in den Tag starten, war es wieder eine Mischung aus Frühstück und Mittagessen, was sich in den Speisen in Mexiko sowieso nicht sehr unterscheidet. Am Bahnhof gab es einen Snack, der aber nicht für die ganze Fahrt reichte, weshalb wir nach unseren Proviant-Einkäufen in unserem Stammrestaurant einkehrten.

Zubereitung unseres Frühstücks
Zubereitung unseres Frühstücks

Am Bahnhof waren außer uns keine weiteren Passagiere. Wieder und wieder checkten wir unsere Tickets, das Datum auf unseren Handys, die korrekten Uhrzeiten. Viele Menschen überquerten sorglos die Gleise. Recht pünktlich ertönte dann ein lautes Tuten, das Gleis leerte sich und der Zug fuhr ein.
Von dem Zugbegleiter bekamen wir feste Plätze zugeteilt, doch es war noch viel frei.

Am nächsten Bahnhof stiegen wieder fliegende Händler mitsamt Kleinkindern auf dem Arm ein. So wie wir das verstehen konnten, schafften sie es nicht rechtzeitig, wieder aus dem Zug zu steigen. Einige Mitreisende versuchten sich für sie einzusetzen und blickten sehr mitfühlsam drein. Die Menschen mussten aber weiter mitfahren und saßen dann auf dem Boden in dem kleinen Speisewagen.

Obwohl die Zugfahrt durch Berge und an steilen Abhängen entlang führte, machten die Wege einen sicheren Eindruck. Die Aussicht war phänomenal. Zwischendurch sahen wir abgelegene Häuser und phantastische Wasserfälle. 

Ankunft in Chihuahua

Im Dunkeln erreichten wir die kleine Stadt Chihuahua. Die Taxifahrer fielen sehr unangenehm auf, das sie auf der Suche nach Kunden den Eingang versperrten. Wir hingegen ginge zwei Blocks weiter, um den Bus zu nehmen, der leider nicht kam. Also organisierte uns Oliver ein Didi (privates Taxi), das uns zum Hotel fuhr.

Das Hotel war sehr einfach. Leider funktionierte die Klimaanlage nicht, so dass wir mitten in der Nacht das Zimmer wechseln mussten. Hier sprach man natürlich nur Spanisch, weshalb wir zwischendurch sehr ratlos dastanden. Im neuen Zimmer pustete die Klimaanlage so stark auf mein Bett, dass an Schlaf auch nicht zu denken war. Wie man es macht, ist es falsch.