Tag

Santiago

Browsing
In Santiago de Chile gehen wir auf das Abschiedskonzert von The Gathering, lernen viele nette Menschen auf einer Party kennen und nehmen an einer Weintour teil.

Flug von Medellin (Kolumbien) nach Santiago de Chile

Zum Abschluss unseres Kolumbien-Aufenthalts suchten wir noch einmal das schöne Restaurant unseres Hotels auf und sortierten dort unsere Papiere für unseren Flug nach Chile. Wichtig ist, dass Präparate wir Ingwer-Kapseln, die wir für die Segeltour genutzt hatten, angegeben werden. Mit solchen muss man bei Ankunft in Chile durch den roten Ausgang gehen und diese vorzeigen.

Per Uber ging es zum Flughafen. Dort ließ Oliver seinen Rucksack einschweißen und ich verschloss meinen Koffer mit einem Zahlenschloss. Meinen normalen lila Rucksack hatte ich in den Koffer gepackt, da er zwei Zentimeter zu groß für das Handgepäck war. Die Aufgabe des Gepäcks dauerte ewig, weil viele Leute vor uns noch nicht erlaubte Gegenstände aus dem Gepäck rausholen, ihr Gepäck umpacken oder zusätzliches Gepäck zahlen mussten.

Im Flieger hatte Oliver extra die Plätze mit mehr Beinfreiheit am Notausgang gebucht und einen Platz zwischen uns frei gelassen, der zum Glück auch frei blieb. Nervig war, dass die anderen Gäste zu großes Handgepäck dabei hatten und unsere Turnbeutel mit unseren Laptops ständig aus den Gepäckablagen nahmen. Irgendwann war alles verstaut und wir hatten Ruhe.
Der Flug war ganz angenehm. Leider gab es trotz der langen Flugzeit von über sieben Stunden keine warmen Mahlzeiten, so dass wir uns von Chips ernähren mussten.

In Chile bekamen wir recht schnell ein Uber, das uns zu unserem Hotel fuhr. Die Straßen waren auf einmal wieder viel gerader und nicht so hügelig wie in Kolumbien. Es wirkte viel moderner. Auch sahen wir wieder viel Werbung für internationale Marken.

Hotel in der Innenstadt

Um 4 Uhr morgens erreichten wir müde unser Hotel. Die Straße wirkte sehr heruntergekommen, es gab viele Menschen, die auf der Straße schliefen. Ich hatte das größte Zimmer gebucht, damit wir nochmal alles aus unseren Koffern auspacken konnten.
Das Hotel bot morgens immer ein einfaches Frühstück mit Toast, Kuchen, Obst und Säften an. Am ersten Morgen verzichteten wir jedoch darauf, da wir erst am frühen Morgen eingecheckt hatten. An den anderen Tagen genossen wir dieses.
Eigentlich hatten wir das Zimmer nur bis zum 19. Oktober gebucht, doch verlängerten wir um eine Nacht. Obwohl ich nur ein sehr günstiges Zimmer für die letzte Nacht wählte, durften wir in unserer Junior-Suite bleiben.

Erkundung von Santiago de Chile

Nach dem Frühstück machten wir einen Spaziergang durch die Stadt. Auf dem Plaza de Armas de Santiago, dem historischen Zentrum der chilenischen Hauptstadt entdeckten wir viele Kunsthandwerker-Stände, an denen ich gerne etwas gekauft hätte, doch leider nahmen sie nur Bargeld, das wir zu dem Zeitpunkt noch nicht hatten.
In der Post konnte ich endlich Briefmarken für die Postkarten kaufen, die ich in Mexiko verschicken wollte, was mangels Briefkastens auf der gesamten Strecke durch Mittel- und Südamerika noch nicht ging.

Vergeblich suchte Oliver in mehreren Geschäften nach einer SIM-Karte, die wir für mobile Daten in mehreren Ländern nutzen wollten. Als er es aufgeben wollte, stand er direkt an einem Straßenstand, an dem uns die Dame erklärte, das sie das Gesuchte hatte. Also gingen wir flugs zur Bank und holten Efectivo (Bargeld). Hier trafen wir auf eine ältere Dame, die mir meine Mini-Handtasche unter den Pulli schob mit dem Kommentar, dass es hier doch sehr gefährlich sei. Damit schwappte die Sicherheitssorge vieler Chilener, die wir treffen sollten, ein wenig auf uns über.

Apostel Santiago
Apostel Santiago

In der Nähe unseres Hotels, wo wir unsere Reisepässe wieder verstauen wollten (meist braucht man diese für den Erwerb von SIM-Karten, hier allerdings nicht), fanden wir ein nettes Restaurant, in dem auch schon Clinton gespeist hatte. Oliver bestellte einen Burger, ich einen Salat mit Rindfleisch-Streifen – beides sehr zu empfehlen. An den Türen zur Toilette musste ich sehr schmunzeln: auf der Tür zum Herrenklo lachte uns Bill Clinton entgegen, an der Tür zur Damentoilette strahlte uns Monica Lewinsky an.

Unser nächster Spaziergang führte uns zu einem großen Platz, an dem viele Hunde tollten und die Besitzer direkt neben den Häufchen campierten. Sehr merkwürdig. Hier standen viele Fahnen und wir waren umringt von bedeutenden Bauwerken.
Weiter ging es zu einem Platz mit einer riesigen Fahne, dem Plaza de la Ciudadanía (Platz der Staatsbürgerschaft). Von dort wurden wir durch laute Musik angelockt. Eine Demonstration? Als wir uns näherten sahen wir fröhliche Menschen, die trommelten und tanzten. Die gute Laune war ansteckend, so dass sich eine große Menschentraube darum bildete.

Den Abschluss des Tages sollte eine Fahrt mit der Seilbahn auf einen hohen Berg bilden. Mit der U-Bahn fuhren wir in das Vergnügungsviertel Bellavista. Überall versuchte man uns durch günstige Preise hineinzulocken, doch wir wollten nur nach oben. Leider war die Seilbahn an diesem Abend geschlossen, was uns doch zu einem Getränk in diesem Viertel verführte. Hier testeten wir Pisco, eine Art Trester, was jedoch nur gemischt mit Cola genießbar war.

Nach einer kurzen Pause im Hotel suchten wir noch zur Einstimmung auf den nächsten Tag eine Rock Bar auf. Jetzt hatten wir aber genug für den Tag und nutzen wieder ein Uber für die Heimfahrt.

Konzert von The Gathering

The Gathering Konzert

Vor dem Konzert von The Gathering, die wir ja schon in Mexiko-City gesehen hatten, gönnten wir uns einen Tag der Entspannung. Das war auch bitter nötig, denn der Tag sollte noch einige Überraschungen bringen. Wir bekamen eine Nachricht aus Deutschland und konnten das nur mithilfe meiner Schwester und meines Schwagers klären. Zum Glück gibt es Menschen, die uns während unserer Abwesenheit unterstützen.

Auf dem Weg zur U-Bahn erklommen wir einen Hügel mitten in der Stadt, der am Abend zuvor durch Gitter versperrt war. Oben tummelten sich sehr viele Touristen, wodurch es sehr eng war. Also schlenderten wir weiter zur U-Bahn, kamen aber nicht nah genug zur Event-Location, so dass wir wieder ein Uber bestellten.

Schon während der letzten Tage stand ich in Kontakt zu Andrea, einer Chilenin, die wir auf einem Konzert in den Niederlanden kennengelernt hatten. Nun sollten wir uns endlich wieder sehen. Nach ein paar Getränken und einer super Pizza gingen wir direkt vor die Bühne, wo uns sofort ein Brasilianer, den wir ebenfalls in den Niederlanden kennengelernt hatten entdeckte. Während Oliver sich mit ihm unterhielt, winkte mir Andrea entgegen.

Die Vorband sagte uns nicht so zu, weshalb wir uns nochmal draußen aufhielten. Der Konzertsaal füllte sich zunehmend. Trotzdem fanden wir noch tolle Stehplätze im Innenraum, als The Gathering auftraten. Das Konzert war wieder umwerfend. Es hat sich wieder mal gelohnt, so weit zu reisen. Das ist jedoch das geplante letzte Konzert auf unserer Reise.

Andrea hatte für uns eine Location herausgesucht, die wir nach dem Konzert aufsuchen sollten. Gemeinsam fuhren wir per Uber dorthin. Ich war sehr skeptisch, da dieser Ort bei google.com als Disko ausgezeichnet wurde. Wir wurden sehr positiv überrascht: unsere Namen standen auf der Gästeliste, so dass wir problemlos rein kamen. Im Barbereich gab es etliche Biertische, an die wir uns setzen. Schnell schlossen wir Kontakte zu weiteren Fans von The Gathering. Lustigerweise bestand eine Gruppe komplett aus Lehrerinnen und Lehrern. Hinter der Bar war dann die Disko. Ich fühlte mich musiktechnisch in die 1980er Jahre zurück versetzt. Großartig! Alle tanzten und waren gut drauf. In einem weiteren Raum wurde Musik aus Südamerika gespielt, was auch zum Tanzen animierte. So ein Ort zum Feiern fehlt zu Hause in Düsseldorf!

Selten kommen Oliver und ich um 4 Uhr morgens von einem Event, geschweige denn aus der Disko, zurück. Was für ein toller Abend!

Ein weiterer Tag mit Andrea

Obwohl die Nacht sehr kurz war, stand Andrea schon um 11. 30 Uhr ab. Gemeinsam wollten wir die Stadt erkunden, denn sie war bisher nur zu Konzerten in der Stadt. Schon vor unserem Hotel bemerkten wir die besondere Stimmung, denn in Santiago de Chile sollte an diesem Tag eine Demonstration zum 7. Jahrestag zu den Protesten gegen soziale Ungleichheit stattfinden. Alle Geschäfte (außer den Schuhgeschäften) hatten geschlossen. Wir besuchten gemeinsam den Plaza de las Armas, doch auch hier stießen wir schnell auf viel Polizei und Straßensperren. Deshalb entschlossen wir uns, erneut zur Seilbahn zu fahren. Auch hier war bereits Vieles abgesperrt und Demonstranten versammelten sich. Das war uns etwas zu gefährlich, so dass wir Andrea direkt zum Bahnhof brachten, wo sie von einem Freund erwartet wurde. Uns wurde empfohlen, dass wir uns nicht in der Innenstadt aufhalten sollten.

Glücklicherweise hatten wir am Vortag eine Weintour gebucht, die 12 km außerhalb der Stadt stattfinden sollte. Da auch einige U-Bahn-Stationen und -Linien aufgrund der Demonstration dichtgemacht hatten, nutzen wir erneut ein Uber.

Weintour durch das Weingut

Über GetYourGuide.de hatte ich eine Weintour über ein kleines Weingut etwas außerhalb von Santiago de Chile gebucht. Da wir schnell aus der Stadt raus wollten, waren wir eine Stunde zu früh da, was aber kein Problem war, denn es gab auch um 15 Uhr eine Führung. Zur Begrüßung bekamen wir ein Weinglas und einen Begrüßungswein. Es war unglaublich interessant, etwas über das Familien-Wein-Anbaugebiet zu erfahren, das sehr bedeutend für Chile war. Die Frau des verstorbenen Besitzers führte einen freien Tag in der Woche ein und verbesserte die Arbeitsbedingungen enorm, indem sie moderne Techniken einsetzte. Wir durften vier Weine probieren und danach vergünstigt einkaufen. Ganz schön clever, erst Alkohol auszuschenken und dann den Verkaufsraum zu öffnen!

Das Glas ist leer?
Das Glas ist leer?

Ich erstand eine Flasche der probierten Weine und kaufte zusätzlich noch Chorizo-Salami, die Bestandteil der längeren Tour war. So konnten wir ein kleines Picknick auf dem Weingut machen.

Zurück auf dem Plaza de Armas spürte ich so etwas wie Reizung der Augen durch Zwiebeln. Hinterher erfuhren wir, dass während der Demonstrationen auch Tränengas eingesetzt wurde.

Trotzdem gönnten wir uns hier ein für diese Gegend typisches Gericht: ein Sandwich

Sandwich von Santiago
Sandwich von Santiago

Einkauf für unsere bevorstehenden Wüstentouren

Da es am Sonntag nicht mit den Einkäufen geklappt hat, mussten wir am Montag Morgen erneut losziehen. Recht schnell fanden wir bei einem Outdoor-Ausstatter passende Kleidung für eine Touren um den Gefrierpunkt.

Zahnrad-Seilbahn

Nach zwei fehlgeschlagenen Versuchen, mit der Zahnrad-Seilbahn zu fahren, sollte es am Montag endlich klappen. Normalerweise fährt die Seilbahn hinauf bis zu einer Statue von Jesus (einige Treppen muss man schon noch steigen). Doch an diesem Tag war die Zahnrad-Seilbahn im Einsatz. Ratternd fuhr sie ziemlich weit rauf. Der Weg hatte sich gelohnt, denn hier hatten wir wieder einen tollen Blick über die Stadt.

Wieder unten, kehrten wir noch für ein Getränk in einer Micheladas-Bar ein. Hier wird ein Glas mit Salz- oder Gewürzrand vorbereitet und das Bier entsprechend der gewünschten Geschmacksrichtung erweitert.

Micheladas
Micheladas
Micheladas Mango
Micheladas Mango

Abreise aus Santiago de Chile

Nach dem Frühstück im Hotel fuhren wir mit der U-Bahn zum Bahnhof, den wir ja schon einmal besucht hatten. Der Busbahnhof liegt rechts hinter dem normalen Bahnhof und ist übersichtlich gegliedert. Bereitwillig zeigte man uns, wo unser Bus abfuhr. Ein Herr nannte uns sogar den Bussteig auf Deutsch. Er hatte dies während seiner Arbeit gelernt und zeigte ein besonderes Interesse an Sprachen.

Da es noch sehr früh war, aßen wir noch eine Kleinigkeit und deckten uns mit Getränken für die Fahrt ein.

Sack am Busbahnhof
Sack am Busbahnhof

Wir hatten uns im Bus Plätze reserviert, doch stellten sie sich alles sehr schlecht heraus. Wir saßen oben direkt rechts neben den Treppen in der zweiten Reihe. Dadurch musste jeder, der zur Toilette wollte, hinter uns vorbei. Die meisten hielten sich an Olivers Rückenlehne fest und hievten sich hinunter, wobei sie seine Haare einklemmten. Einige forderten auch, dass Oliver die Rückenlehne wieder aufrecht stellt, was bei einer Nachtfahrt unsinnig war. In der Reihe vor Oliver saß jemand um die zwanzig, der sich komplett zurückgelehnt hatte und auf dieser Position beharrte, obwohl Oliver noch nichtmals seine Knie in die Reihe ziehen konnte. Den Platz mit mir zu tauschen ging auch nicht, da die obere Ablage nur knapp über meinem Kopf war und ein sehr großer Mensch da gar nicht sitzen kann. Zum Glück endet ja irgendwann jede Busfahrt.