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Reisetagebuch

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Heute sollte es recht früh in Richtung Gorchi-Tereldsch-Nationalpark. Dafür hatten wir eine Tour organisiert. Der Fahrer sollte uns mit 2 weiteren Teilnehmerinnen (Portugiesinnen aus dem UB Guesthouse) in den Gorkhi-Terelj-Nationalpark fahren und uns die Dschingis-Khan-Statue, Turtle Rock und eine bewohnte Jurte zeigen.

Abholung vom Hotel

Um 10 Uhr standen wir startklar, bepackt mit Lebensmitteln für uns und Geschenken für die Nomaden-Famlilie, auf der Treppe unseres Hostels und warteten auf den Fahrer. Es war interessant, das Treiben auf der Straße zu beobachten. Es wurde ausgeladen, Menschen spazierten vollbepackt über die Straße, der Bus fuhr vorbei. Knapp 20 Minuten später kam der Fahrer und winkte uns heran. Wir waren nicht schwer zu erkennen, weil wir die einzigen Europäer weit und breit waren.
Das Auto war recht klein für fünf Personen, so dass wir gequetscht durch den Stau in der Innenstadt fuhren.
Oliver hat herausgefunden, dass auch hier nur bestimmte Nummern auf Kennzeichen an bestimmten Tagen fahren dürfen, um das Verkehrschaos zu unterbinden. Das klappt noch nicht so ganz.

Besuch des Gorchi-Tereldsch-Nationalpark

Dschingis-Khan-Statue

Dschingis Khan
Dschingis Khan

Nachdem wir den Stau hinter uns gelassen hatten, passierten wir gut ausgebaute Straßen. Neben uns verliefen Gleise und gelegentlich brauste ein Zug an uns vorbei.
Gut zwei Stunden nach unser Abfahrt sahen wir eine Reiter-Kolonie aus Stein (?). Dahinter ragte gut sichtbar Dschingis-Khan in die Höhe. Dies war unser erster Stopp. Wie vereinbart, war der Eintritt nicht im Tour-Preis enthalten, was die Mädels aber missverstanden hatten. Sie waren ohne Geld und Karten zu dieser Tour aufgebrochen. Meines Erachtens etwas riskant, man weiß ja nie, was unterwegs passiert.

Also gingen wir alleine in das Gebäude, wo uns eine Führung erwartete. Wir sahen einen ledernen Stiefel, für den Leder von 40 Rindern benötigt wurde. Eine riesige Pferde-Peitsche steht für den Ort, an dem der Legende nach die Peitsche von Dschingis-Khan gefunden wurde. Olli fragte, wo denn die echte Peitsche wäre. Das brachte den Mann ganz schön ins Schwitzen. Er entschuldigte sich und sagte, dass die Führung unten weiter geht. 
Von da an waren wir ohne fachkundiges Personal, lediglich unser Fahrer begleitete uns. Es waren Jurten in verschiedenen Ausführungen dargestellt. In einem Film wurde gezeigt wie die Statue, die über 40 m hoch ist und aus rostfreiem Stahl gebaut wurde, errichtet wurde. 
Anschließend ging es mit dem Aufzug drei Etagen höher. Von dort führten zwei weitere Etagen zur Spitze der Statue. Draußen konnten wir Auge in Auge Dschingis-Khan ins Antlitz blicken. Oben war es nochmal kälter.

Die Mädels hatten die Erlaubnis, auf uns auf einem Sofa zu warten. Den Souvenier-Shop durften sie aber nicht betreten (hatten ja sowieso kein Geld dabei).

Turtle Rock

Turtle Rock
Turtle Rock

Eine Fels-Formation erinnert an den Umriss einer gigantischen Schildkröte. Dort wurden wir ausgesetzt und wussten nicht, was wir genau machen sollten. Mangels Sprachkenntnissen bekamen wir auch keine Informationen von unserem Fahrer. Also spazierten wir um die “Schildkröte” herum und machten Fotos. Mein Essen (Reis in Form eines Dreiecks mit Algen umwickelt) wollte ich genüsslich verspeisen, doch ich biss auf Eis. So schnell ist mein Essen eingefroren. Ich nahm immer kleine Bissen und wärmte sie im Mund auf. 

Jurte

Unsere letzte Station sollte der Besuch bei einer Nomaden-Familie in einer Jurte sein. Wir wurden eingeladen, eine Jurte zu betreten. Es war nur der Hausherr zuhause, der uns zu viert zwei Teeschalen anboten. Es war sehr warm in der Jurte, es roch nach Feuer und war sehr gemütlich.

Jurte im Gorkhi-Terelj-Park
Jurte im Gorkhi-Terelj-Park

Eine Kommunikation kam nicht zustande. Ich fragte unseren Fahrer mittels Gebärden, ob wir noch eine Familie besuchen oder gleich nach Hause fahren. Er nickte als ich eine Fahrbewegung gemacht habe. Wir hatten erst 14 Uhr. Uns wurde gesagt, dass wir spätestens um 17 Uhr wieder zurück fahren müssten. Aber was sollten wir noch drei Stunden machen? Wir überreichten die Geschenke, doch ich fühlte mich dabei ein wenig unwohl. Es kam ein bisschen wie Allmosen rüber und richtig was geboten bekommen haben wir auch nicht. Vorher hatte ich gelesen, dass die Nomaden nur selten in die Stadt kommen und es an Nahrung, Seife und weiteren Gütern fehlen würde. Den Eindruck hatte ich hier allerdings nicht.

Etwas Besonderes war natürlich die Toilette. Etwa 100m von der Jurte entfernt stand ein kleines rotes Holzhäuschen. Darin waren zwei Türen. Hinter jeder Tür betrat man ein mit Holzbrettern verdecktes Loch. Die Bretter hatten einen Schlitz, in den man sein Geschäft verrichten musste. Tritt man daneben, fällt man in ein etwa 2-3 Meter tiefes Sch***-Loch. Zum Glück ist alles gut gegangen. 

Sogenannter Schwarzmarkt

Auf dem Rückweg kam unser Fahrer etwas vom Weg ab, so dass wir über Feld und Wiesen fuhren. Die Straße endete im Nichts und wir mussten mehrfach wenden.
Danach ging es angenehm weiter.
Der Fahrer ließ uns netterweise am Markt heraus. Wir wurden gewarnt, dass hier besonders viele Taschendiebe unterwegs seinen. Mein Pass war in meiner Bauchtasche, das Handy in der Brusttasche, alles sicher unter meinen Shirts versteckt. Auch Olli ist so ausgestattet. Lediglich mein Rucksack und meine Handtasche galt es zu schützen.

Es war mega kalt auf dem Markt. Hier kann man alles kaufen: Küchenartikel, Kleidung, sogar Betten, Teppische und ganze Kücheneinrichtungen. Weil wir jedoch schon viele solcher Märkte besucht haben, machten wir uns recht schnell auf den Weg zu einer Bushaltestelle.

Der Busfahrer winkte uns durch als er merkte, dass wir Ausländer sind und nichts verstehen. Am Bahnhof stiegen wir aus und wollten uns in unserem Hotel aufwärmen.
Zu unserer Überraschung wurden wir auf Deutsch begrüßt. Der Mitarbeiter aus dem Hotel ist in Österreich aufgewachsen und ist nun Anbieter für Touren durch die Mongolei. Wenn wir das früher gewusst hätten, hätten wir unsere Tour hier gebucht. 

Am Abend wollte Olli koreanisch essen gehen, weil wir Korea aufgrund der fehlenden Fährverbindung (es wird wohl gerade gestreikt) auslassen müssen. Das erwählte Restaurant hatte geschlossen, weshalb wir schließlich das nahmen, das wir unterwegs gesehen hatten.

Den Abend ließen wir in wieder in der RePUBlik-Bar ausklingen, waren aber schon so müde, dass wir um 23 Uhr nach Hause wollten.
Auf gut Glück hielt Oliver seine Hand heraus, um ein Taxi anzuhalten. Innerhalb von 30 Sekunden brauste ein Auto heran. So etwas Modernes habe ich auch noch nicht gesehen. Es sah aus als würde der Fahrer in einem Cockpit eines Flugzeugs sitzen. Die Fahrt (2,5 km) kosteten umgerechnet 50 Cent. Wir hätten uns also viele Wege durch die Kälte sparen können.

Da ich relativ früh eingeschlafen bin, erwachte ich um 8 Uhr in unserem LG Hostel in Ulan-Bator in der Mongolei. Heute wollten wir uns um eine Tour in den Terelj National Park incl. einen Besuch bei einer Nomaden-Familie kümmern.

Tag 2 in Ulan-Bator, Mongolei

Unseren Frühstücks-Kaffee gab es in dem Restaurant unter unserem Hostel. Tags zuvor hatten wir ja festgestellt, dass unser Hostel nur sehr dünnen Kaffee anbietet. Wie so oft in Russland und in der Mongolei bekommt man einen Tütchen-Kaffee mit heißem Wasser.

UB Guesthouse
UB Guesthouse

Zu Fuß machten wir uns auf den Weg in ein Hostel, das gute Touren anbieten soll (Info von einem Facebook-Mitglied der Gruppe: Trassibirische Eisenbahn). Unterwegs stießen wir wieder auf die Peace Avenue, die wir schon kannten. Hier gingen wir wieder in eine Mall und waren beeindruckt von dem Sortiment.

Die Ikea-Filiale Ulan-Bator bestand aus zwei Räumen mit diversen Deko-Artikeln, die auf Malm-Kommoden und Schuhschränken von Ikea drapiert waren. Außerdem wurden Uhren und Küchen-Artikel angeboten. Das war schon lustig.

In dem Geschäft Mary & Martha werden Artikel angeboten, die in der Mongolei fair produziert wurden. Postkarten, Taschen, Lederartikel und Schmuck werden hier offeriert. Schade, dass wir nicht für unsere weitere Reise brauchen. Der Versand nach Deutschland wird mit zunehmenden Kilometern immer teurer.

Auch in der Mongolei ist ein Beatles-Monument zu finden. Hier wurde endlich der fünfte Beatle hinzugefügt.

UB Beatles
UB Beatles

Buchung unserer Tour in den Telej-Park

Das UB-Guesthouse war zwar leicht zu finden, aber rein kam man nicht. Am Hinterausgang gab es nur einen Zahlencode, vorne glänzte ein abgebrochener Tür-Griff ohne Klingel. Na toll! Wir wollten aber nicht aufgeben, weshalb wir erneut den Hinterausgang aufsuchten. Lesen hilft! Eine Zahlenkombination ließ die Klingel ertönten. In der ersten Etage betraten wir das Hostel, in dem auch ein Büro untergebracht ist. Bobby spricht perfekt Englisch. Sie holte direkt die beiden Portugiesinnen, die tags zuvor angekommen waren uns stellte uns verschiedene Touren dar.

  1. Tagestour durch den Telej-Park
  2. 2-Tagestour mit Übernachtung in einer Jurte
  3. 2-Tagestour mit Übernachtung in einer ****Jurte, die beheizt wird

Da wir hier Temperaturen zwischen -20° bis -30° Grad haben, fiel die zweite Option für mich weg. Es gibt zwar einen Ofen, doch der geht gegen 4 Uhr aus. So abenteuerlustig bin ich dann doch nicht, zumal wir auch nicht die richtige Ausstattung für diese Temperaturen haben.
Die dritte Option hat mich schon gereizt, nur dann fällt ja die Authentizität weg, weshalb wir uns recht schnell auf die erste Option einigten. Oliver und ich zahlten zusammen 45 €, die ich noch dabei hatte. Hier konnte ich dieses Geld endlich mal anwenden.

Auf derselben Straße wie das Hostel befand sich ein Geschäft, in dem mongolische Kosmetik, Spiele und Moder verkauft wird. Hier fanden wir Jurten in Playmobil-Größe und tolle Mützen uns Schals aus Cashmere- Woole.

Ein kurzer Fußweg brachte uns zum Grand Circus pub&restaurants, wo wir mongolische Nudeln mit typisch mongolischem Milchtee zu uns nahmen. Der Kellner sprach uns nach dem Essen an und erkundigte sich, wie teuer die Lebensbedingungen für ausländische Studenten sind, da er beabsichtigt, in Deutschland zu studieren.

Für unsere Weiterreise benötigten wir noch Zug-Tickets. Zwar hatten wir Sonntag, doch wir wollten schon mal unser Glück versuchen. In der ersten Etage des Bahnhofsgebäudes (nicht das Gebäude mit dem Supermarkt, sondern das daneben) bekamen wir ohne Probleme Tickets. Unsere Pässe hatten wir nur in digitaler Form dabei, doch die wurden problemlos akzeptiert. Da wir schon die Erfahrung mit den Grenzkontrollen gemacht haben, buchten wir auch diesmal Tickets in der 1. Klasse, die sich preislich nur um 17€ unterschieden.

Am Abend wollten wir die Kneipe „Ku`damm“ aufsuchen, doch sie war sehr voll. Allerdings waren auch hier keine Europäer zu sehen. Ein paar Häuser weiter fanden wir dann das „Khan Bräu“. Hier war man sehr stolz auf die eigenen Biere, von denen jedoch zwei sehr süß schmeckten. Die Wände waren mit Comics verziert.

Der letzte Laden an diesem Abend war die Republik-Bar. Hier sind die Wände mit Graffiti verziert, die Menschen spielen Karten und entspannen sich.

UB RePUBblik
UB RePUBblik

Der Heimweg war schon etwas abenteuerlich. Um uns herum boten sich die Autos ein Rennen. Wir standen an einer Ampel und sie kreuzten immer wieder den Kreisverkehr.

Morgen um 6 Uhr wurden wir von unserer Zugbegleiterin geweckt, wir wären in 50 Minuten in Ulan-Bator, Mongolei. Schnell war alles zusammengepackt und wir erreichten den Bahnhof mit einer halben Stunde Verspätung.

Ankunft in Ulan-Bator, Mongolei

Gandan-Kloster
Gandan-Kloster

Am Bahnsteig erwarteten uns viele Menschen, die uns mit dem Taxi mitnehmen oder uns eine Tour verkaufen wollten. Das Thermometer zeigte -30 Grad an, doch es kam uns nicht so kalt vor.
Einen Kaffee fanden wir nicht am Bahnhof und auch keinen Schalter, um unser Tickets für die Rückfahrt zu kaufen. Deshalb gingen wir direkt in unsere Unterkunft.

Frühstück in UB?
Frühstück in UB?

Das LG Hostel liegt etwa 300 m vom Bahnhof entfernt. Wir durften früh einchecken. Zu Fuß ging es in die zweite Etage, von dort erneut zwei Etagen höher. Das Zimmer hatte ich wegen der Lage und der Größe gewählt, es verfügt sogar über einen Schreibtisch. Das Bett ist allerdings knochenhart. Im Flur gibt es ein Waschbecken mit Trinkwasser, das hatte ich bisher noch bei keiner Unterkunft gesehen.

Uns wurde auch ein Frühstück versprochen, das ab 8 Uhr in der 5. Etage serviert werden sollte. Leider gab es nur Kaffee Bodensee und sonst nichts. Irgendetwas ist hier schief gelaufen. Aber das machte nichts.
Da die Nacht etwas anstrengend war mit den ganzen Grenzkontrollen, legten wir uns erstmal schlafen.

Spaziergang durch Ulan-Bator

Unser erstes Ziel war das Gandan-Kloster, das wir nach einem kurzen Fußmarsch erreichten. Hier ist ein riesiger Buddha in einem Tempel ausgestellt. Ich würde ihn auf etwa 15m Höhe schätzen. Um uns herum bewegten sich einige Mönche, aber auch mongolische Touristen. Europäer haben wir nicht angetroffen.

Auf der Peace-Avenue erkundeten wir einige Einkaufszentren. Es ist faszinierend, welche Labels hier vertreten sind. Es gibt alles zu kaufen. Doch Käufer sahen wir nur wenige. Vielleicht sind wir einfach zur falschen Zeit hier.

Ein Restaurant der besonderen Art sollte das Modern Nomads sein, das gleich mehrere Filialen in der Stadt hat. Hier bekamen wir typisch mongolisches Essen. Mehr dazu im Food-Blog.

Abend kehrten wir in eine Bar ein, die uns gut gefiel: Ikh Mongol Restaurant. Hier saß ein Mann mit einem mongolischen (oder woher auch immer) Zupfinstrument und brachte bekannte Lieder. Je später der Abend wurde, desto mehr Gäste tanzten. Am Nebentisch saß eine Gruppe mongolischer Männer, von denen einer halb rausgetragen werden musste. Nicht jeder verträgt Alkohol (lach). Danach kam eine Gruppe von sechs Personen. Die Männer auf einer Seite, die Damen auf der anderen Seite. Die Männer waren in ihre jeweiligen Handys vertieft, die Damen posierten für Selfies.
Als das Essen kam, redeten sie dann doch miteinander und aßen von einem Teller, der in der Mitte des Tisches stand.

Das mongolische Bier wird nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut (s. Foto vom Glas).

Morgen um 9 Uhr erwachten wir und konnten noch ein letztes mal den Blick über den zugefrorenen Baikalsee in Sljudjanka, Russland, schweifen lassen. Heute sollte es mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Ulaanbaatar in der Mongolei gehen.

Aufbruch vom Baikalsee

Abschied von Sljudjanka
Abschied von Sljudjanka

Um 10 Uhr waren wir mit Maksim, unserem Gastgeber, verabredet. Er brachte uns zum 3 km entfernten Bahnhof von Sljudjanka. Der Zug sollte um 10.45 Uhr losfahren, mit nur zwei Minuten Halt an unserer Station. Deshalb waren wir froh, dass uns Maksim begleitete. (Vielen Dank Maksim!) Wir wollten nicht wieder in das falsche Abteil einsteigen wie auf der Strecke von Kungur nach Jekaterinburg, wo wir die ganzen Füße ins Gesicht bekamen.
Maksim begleitete uns zum Bahnsteig und hörte für uns, wo unser Waggon stehen sollte. Der Zug war jedoch sehr kurz, er ist in Ulan-Ude gestartet, Ulaanbaator sollte die Endstation sein.

Diesmal hatten wir ein Abteil in der 1. Klasse gebucht, weil diese Fahrt nicht erheblich teurer als in der 2. Klasse war.

Vorräte Transsib
Vorräte Transsib

Die Zugbegleiterin begrüßte und freundlich und erklärte uns auf Englisch (die erste, die Englisch sprach), dass es gegen Mitternacht Passkontrollen geben würde. Sie würde uns kurz vor den Bahnhöfen immer Bescheid geben, dass die Toiletten abgeschlossen würden. Außerdem gab es eine Karte, von der wir uns Snacks (Nudelgerichte, Süßigkeiten) und Souveniers von der Transsib kaufen konnten. Wir hatten aber vorgesorgt und uns mit Würstchen, Käse, Nudelsnacks und Keksen eingedeckt. Außerdem hatten wir Wasser und unsere Tee-Vorräte aus Deutschland dabei.
Unsere Betten waren schon bezogen und wir hatten jeweils zwei große Kissen, die uns ermöglichten, bequem zu liegen und auf den Baikalsee zu schauen.

Gegen Mitternacht kam die Zugbegleiterin und teilte uns mit, dass nun die Passkontrollen durchgeführt würden. In Schlaf-Sachen begrüßten wir die Zoll-Beamten. Sie kontrollierten ganz akribisch unsere Gesichter und Augenfarben. Hierfür mussten wir aufstehen, was bei Olivers Größe sehr witzig war, denn alle Kontrolleur(innen) waren kleiner als wir.

Dann gab es noch zwei weitere Kontrollen, bei denen wir das Gepäck zeigen und auch das Abteil verlassen mussten. Es kam sogar ein Hund und inspizierte unser Abteil.

Nach 90 Minuten ging es dann endlich weiter, nur um 20 km später noch einmal das Gleiche durchzuführen.
Diesmal ging es etwas schneller. Insgesamt waren alle Kontrolleure sehr freundlich zu uns. Einer versuchte sogar über Fußball zu fachsimpeln, obwohl es in der wieder neuen Sprache wieder schwieriger war.

Anschließend fuhren wir langsam unserem Ziel Ulaanbaator entgegen. Insgesamt dauerte die Fahrt 20 Stunden.

Unser letzter Tag am Baikalsee in Sljudjanka, Russland, brach um 9 Uhr an. Draußen sah es etwas bedeckt aus, also warteten wir, bis sich die Sonne sich zeigte.

Spaziergang auf dem Baikalsee

Es ist merklich kälter geworden, so dass das Eis des Baikalsees noch stabiler erschien. Trotz dicker Kleidung, die aus mehreren Schichten bestand, war es sehr kalt und unsere Gesichter wurden schnell rot. Wir beschlossen, heute mal in die andere Richtung, also in Richtung der alten Fischfabrik zu laufen. Aus dem Wasser ragten spitze, große Eissplitter. Ich denke, dass die Bilder für sich sprechen:

Weit kamen wir heute nicht. Der Souvenierladen, der neben dem Mini-Supermarkt ist, hatte geschlossen. Dafür entdeckten wir den unten stehenden Wegweiser (Moskau – Wladiwostok).

Zum Abschied ging es natürlich nochmal in die Goldene Jurte. Nicolai (der Besitzer) erzählte uns, dass die Gäste am Nebentisch ein Polizei-Abzeichen feiern (einen Stern). Aus einem bestimmten Glas aus Sowjet-Zeiten muss der Polizist, der das Abzeichen erlangt hat, Wodka trinken. Der Stern schwamm in dem Wodka. Dieses Spektakel konnten wir daraufhin beobachten. Mit einem pompösen Essen wurde angestoßen.

Abschied von der Goldenen Jurte

Nicolai schenkte uns zum Abschied ein Souvenier aus Sljudjanka. Dies war ein Stück Glimmer, das in dieser Region neben Marmor abgebaut wird, in einem Stück Plexiglas.

Glimmer aus Sljudjanka
Glimmer aus Sljudjanka

Obwohl Sljudjanka ein vergleichsweise kleiner Ort ist, lohnt sich eine Reise hierhin. Die Unterkunft von Maksim „Pik Cherskogo“ und das Restaurant von Nicolai haben uns diesen Aufenthalt sehr angenehm und erholsam gemacht.

Morgens ist der Blick über den Baikalsee am schönsten. Von unserem Fenster kann man die Berge am gegenüberliegenden Ufer sehen und die Sonne strahlt auf die schneebedeckten Eisschollen auf dem See. Heute wollten wir von unserem Hotel in den Ort Sljudjanka über den See laufen.

Spaziergang auf dem Baikalsee

Um sicher zu gehen, dass das Eis auch dick genug ist, fragten wir unseren Gastgeber Maksim, was er von einem Fußmarsch über den Baikalsee hält. Er meinte, dass es wohl dick genug wäre, er würde aber erst in der folgenden Woche darauf laufen.

Mutig suchten wir uns unseren Weg auf das Eis. Es machte einen sicheren Eindruck. Über den See ist der Weg deutlich kürzer, ich denke, dass es wohl 2,5 km sind.

Um uns herum gab es nur wenige Fußspuren. Eine Spur war die eines Menschen mit einem Hund, dann wird wohl alles sicher sein.

Loch im Baikalsee
Loch im Baikalsee

Plötzlich knackte und knallte es um uns herum. Wir brechen doch nicht in den See ein? Etwas schneller setzten wir den Weg fort und fühlten uns kurze Zeit später schon wieder sicher. Doch dann entdeckten wir am Ufer Wasser, das in den See fließt und kein bisschen gefroren war. Ohje! Wir beschlossen, an Land zu gehen, was sich auch als machbar erwies. Über große Steine kamen wir auf einen kleinen Weg, doch den kleinen Fluss mussten wir balancierend überqueren. Darauf wurde der Trampelpfad breiter und man sah Reifenspuren. War das der Weg, den wir vor zwei Tagen hätten nehmen müssen? Nach etwa 300 m erreichten wir ein verschlossenes Tor. Und jetzt? Entweder zurück mit dem Hindernis des Bachs oder erneut auf den Baikalsee weiter in Richtung Sljudjanka. Wir wollten weiter, also kraxelten wir die Steine herunter und kamen kurze Zeit später im Dorf an. 

Bahnhofs-Café in Sljudjanka

Am Bahnhof kehrten wir in ein Café ein, weil wir mittlerweile doch etwas verfroren waren. Bei der Bestellung wollte uns wieder ein Gast helfen. Es stellte sich heraus, dass die beiden Gäste Austausch-Studenden aus Deutschland waren, die in St. Petersburg ein Auslandssemester absolvieren. Schnell kamen wir ins Gespräch. Interessant war, dass etwa zwei Drittel der Austauschstudenten Chinesen sind.

Wir erkundeten noch ein wenig den Ort. Es scheint als wenn im Stadtkern täglich eine Art Markt ist. Draußen werden Schuhe, Socken, Taschen etc. auf Tischen zum Verkauf angeboten.
In einem keinen Einkaufszentrum kauften wir schon mal für unsere Reise nach Ulan Bator ein.

KFC Sljudjanka
KFC Sljudjanka

Einen Kaffee tranken wir bei KFC (King Food Sljudjanka), das nichts mit der Fastfoodkette zu tun hat.
Einen Bus für die Rückfahrt bekamen wir wieder nicht. Die Taxi-App war noch nicht aktiviert, so dass wir uns wieder an Einheimische wenden mussten. Die organisierten uns ein Taxi und quatschten permanent mit uns, ohne dass wir etwas verstehen konnten. Die Übersetzungs-App half uns.

Das Taxi brachte uns sicher zurück zum Hotel. Dort gab mir Maksim den Schlüssel für den Waschraum und ich konnte wieder mal Wäsche waschen.

Wo ließen wir wohl den Abend ausklingen? Genau, wieder in der Goldenen Jurte (lach). Die CD kennen wir mittlerweile auswendig. Zum Glück waren wir heute die einzigen Gäste.

Es ist schön, auch mal einfach im Zimmer zu liegen und die Aussicht auf den Baikalsee in Sljudjanka, Russland, zu genießen. Wir hatten keine Pläne für den Tag und konnten einfach mal die Seele baumeln lassen.

Spaziergang auf dem Baikalsee

Der Baikalsee ist zwar erst am letzten Wochenende zugefroren, doch er war schon begehbar, wie wir an Fußspuren erkennen konnten. Sollten wir es wagen? Der Weg zum See war schon schwierig über die zugefrorenen Stufen, doch mit Spikes war alles möglich. Der See fühlte sich an wie ein normaler Waldweg. Die Unebenheiten kamen durch die Bewegung des Wassers zustande. An einzelnen Eisstücken konnte man erkennen, dass das Eis schon etwa 5 cm dick war. Zumindest das, was man sehen konnte, ich hoffe natürlich, dass der Rest dicker ist.

Nachmittag / Abend in der Goldenen Jurte

Um Zugang zum Internet zu bekommen, gingen wir diesmal recht früh in die Goldene Jurte. Der Besitzer Nikolai gesellte sich zu uns und berichtete, dass auf dem Baikalsee jährlich ein Marathon ausgerichtet wird, den er mit organisiert. Auf dem See werden Toiletten und Essenstände aufgebaut, außerdem gibt es Markierungen der Strecke. Aus aller Welt kommen jährlich Sportbegeisterte. Der Marathon auf dem Eis lässt sich aber mit keinem anderen vergleichen. Die Gegebenheiten des Eises und der Temperaturen wären von Jahr zu Jahr anders.

Anders als an den Vortagen füllte sich das Restaurant im Laufe des Abends. Im hinteren Bereich war ein Kindergeburtstag mit Spongebob, vorne saßen zwei kleinere Gruppen mit Russen. Je später der Abend wurde, desto lauter wurde es.

Auf einmal erhob sich eine Gruppe und begann in der Mitte des Restaurants zu tanzen. Oleg setzte sich zu Oliver und versuchte ihm etwa eine Stunde lang zu erklären, dass er LKW-Fahrer sei. Der Alkohol-Pegel war schon sehr hoch. Man versuchte uns zu Vodka und Tanz zu überreden, was wir vehement ablehnten. Doch das wurde nicht akzeptiert und wir wurden regelrecht auf die Tanzfläche gezerrt.

Es wurde ein netter Abend. Oleg schlief zum Glück irgendwann ein, sonst hätten wir uns noch weiter anhören müssen, dass er LKW-Fahrer ist. Mehr war aus ihm nicht heraus zu bekommen. Seine Frau entschuldigte sich zigmal bei uns, doch wir versicherten, dass alles entspannt wäre.

Das war der erste Abend, an dem das Personal die Gäste aufforderte zu gehen, weil es schon 23 Uhr war.

Eigentlich sind wir in ein einsames Hotel gefahren, um mal nichts zu machen. Bisher sind wir von Stadt zu Stadt gereist und haben uns alles angeschaut und uns treiben lassen. Hier leben wir nun in einem kleinen Hotel direkt am Baikalsee in der Nähe von Sljudjanka.

Spaziergang in die Stadt

Morgens bekamen wir von unserem Gastgeber köstlichen, frisch gebrühten Kaffee. Wir ließen uns den Fußweg ins Dorf erklären, weil wir den Schnee entlang der Schienen der Transsibirischen Eisenbahn genießen wollten. Er hätte uns auch gefahren, doch der Tag war zu sonnenklar dafür.

Wir waren schwer beeindruckt von dem klaren, glitzernden Schnee. Es wirkte alles wie im Märchen. Der Weg führte direkt zwischen Baikalsee und den Bahn-Schienen entlang. Wir waren überrascht wie stark frequentiert die Bahntrasse ist. Ständig hörten wir das Pfeifen der Güterzüge, die schwer beladen in beide Richtungen rauschten.

Unser Weg führte immer geradeaus, gabelte sich dann schließlich an einer Stelle, was jedoch eine Fehlentscheidung war, da dieser Weg irgendwann endete. Also zurück zur Gabelung und weiter direkt neben den Schienen. Die Züge kündigten sich von Ferne bereits an, so dass wir nicht zu nah an den Gleisen gingen.
Irgendwann erschien uns auch dieser Weg als falsch, da die Fußspuren verschwanden und weder rechts noch links genug Platz für Fußgänger war. Also wieder zurück. Der einzige Weg war ein kleiner Tunnel unter den Schienen her, der unsere Kletterkünste erforderte. Auf der anderen Seite sah auch alles nicht nach einem Fußweg aus. Wir waren auch schon fast wieder an unserem Hotel. Also ab zurück und zum Bus.

Busfahrt nach Sljudjanka

Direkt an der Straße, wo auch die Goldene Jurte ist, hält ein Bus, bei dem wir mal unser Glück versuchen wollten. Erst hielt ein Auto, das uns mitnehmen wollte, was hier in Russland wohl üblich ist. Es waren jedoch zu wenig Plätze, so dass wir weiter auf den Bus warteten, der fünf Minuten später eintraf.
Was für ein Erlebnis: Ein Mini-Bus, gefüllt mit ältern, pelzbesetzen Damen, die teilweise auch nur Stehplätze hatten. Die Tür ging erst nicht zu, so dass ich mich weiter reinquetschen musste. Los ging’s!
Die Fahrt war sicher und dauerte auch nur eine Station. Wir zahlten 20 Rubel (35 ct) jeder nach dem Aussteigen beim Fahrer am Fenster. Anders war es platztechnisch nicht möglich.

Sljudjanka

In der Stadt wollten wir als erstes unsere Tickets für die Weiterfahrt in ein paar Tagen ausdrucken. Der Weg dorthin war jedoch sehr eisig. Also suchten wir als erstes Stolowaja für die Eisenbahner auf. Dort war es warm und wir bekamen für wenig Geld ein Mittagessen.

Danach ging es über die Brücke zum marmornen Bahnhofsgebäude. Alles wirkte verlassen und einsam, doch im Innern des Gebäudes mussten wir wieder eine Sicherheitsschleuse passieren. Einen Ticket-Drucker fanden wir nicht, wir werden es wohl wieder mit dem Online-Ticket versuchen müssen.

In der Stadt sind wenig Cafés. Erst in einem Hinterhaus entdeckten wir eins und lernten dort Slawa kennen, der uns durch Notizen von Jahreszahlen klarmachte, dass er 1970 irgendwie in der DDR war (oder dort jemanden kannte?). Er redete mit Händen und Füßen mit einer Alkoholfahne von hier bis zum Mond. Er wollte uns auch gar nicht verlassen und folgte uns in ein Lebensmittelgeschäft. Wir sagten, dass wir noch shoppen gehen, so ließ er uns ziehen.

Nach unseren Einkäufen wollten wir den Bus zurück nehmen, doch es fuhr angeblich keiner. Zumindest keiner für uns. Ein Einheimischer brachte uns zu einer Taxivermittlung und organisierte uns für 100 Rubel (1,40 €) ein Taxi nach Hause. Er wartete auch netterweise, bis das Taxi kam und uns sicher nach Hause führte. Vor der Abfahrt entdeckte uns Slawa wieder und verabschiedete sich überschwänglich.

Den Abend ließen wir wieder in der goldenen Jurte ausklingen.

Der Bahnhof von Irkutsk war nur einen Katzensprung von unserem Hotel entfernt. Mit Vorräten aus dem Supermarkt deckten wir uns ein und fuhren das erste Mal im Sitzwagen mit der Transsibirischen Eisenbahn. Zug-Tickets konnten wir nirgends ausdrucken, doch zum Glück klappte es mit unseren Online-Tickets.Zug Baikalsee Zug zum Baikalsee
Sitzabteil in der Transsib

Wir hatten genug Platz und das Gepäck konnten wir sicher über uns verstauen. Nach ca. 2,5 Stunden vorbei an atemberaubenden Landschaften (Bäume mit Glitzer-Schnee, Sonnenuntergang am Berg, zugefrorener Baikalsee) erreichten wir dann Sljudjanka am Baikalsee.

Ankunft in Sljudjanka, Russland

Am Bahnhof erwartete uns Maksim, der uns netterweise mit dem Auto vom Bahnhof abholte. Erstaunt stellten wir fest, dass er sehr gutes Englisch spricht, was auf unserer bisherigen Reise durch Russland noch nicht so oft anzutreffen war. Das Hotel liegt ca. 3 km von der Stadt entfernt. Unser Zimmer ist einfach (2 Betten, Kühlschrank, Wasserkocher, kleines Bad), hat dafür aber einen umwerfenden Ausblick auf den Baikalsee.

Golden Yurt

Unser Hotelrestaurant hatte wegen der Jahreszeit geschlossen, so dass uns unser Gastgeber Maksim das Restaurant „Goldene Jurte“ empfahl, welches fußläufig erreichbar ist. Unterwegs kam uns schon Nikolei entgegen, der fragte, ob wir die deutschen Gäste von Maksim wären. Das hat sich ja schnell herum gesprochen.
Das Essen ist hier einfach umwerfend. Es gab natürlich hausgemachte Dumplings, Suppe und ein tolles Kotelett. Die Bedienung spricht kein Wort Englisch, doch mittels google translate und Zeigen auf die Speisekarte haben wir uns dann doch verstanden.

Goldene Jurte
Goldene Jurte

Sehr früh fielen wir ins Bett und waren froh, dass unser Zimmer endlich mal normale Temperaturen hatte und nicht wie bisher immer über 20 Grad.

Erwacht sind wir trotz einer weiteren Zeitumstellung (wir sind mittlerweile 7 Stunden weiter als in Deutschland) um 10 Uhr in unserer russischen Wohnung in Irkutsk, Russland.

Die Wäsche, die ich heute Nacht noch gewaschen und in der Wohnung verteilt aufgehängt habe, war mittlerweile schon trocken. So warm ist es in russischen Wohnungen.
Das Thermometer draußen zeigte jedoch -20° Grad. Brrrrr!

Café Baikal Love in Irkutsk

Irkutsk Baikal Love
Irkutsk Baikal Love

Mit den dicksten Klamotten und dem Chromebook bewaffnet, marschierten wir zum Bahnhof, wo wir die Straßenbahn Linie 1 nahmen. Die Straßenbahnen sind sehr putzig. Ein Waggon, vorne die Schaffnerin, die uns für 15 Rubel (22 Cent) ein Ticket verkaufte. Raus ging es an der Leninstraße zu dem Café Baikal Love. Da ich mir den Ranking-Platz und nicht die Hausnummer gemerkt hatte, liefen wir erstmal daran vorbei.

Es hat sich gelohnt, zurückzukehren. Es gab Omul, den Süßwasser-Fisch, den es nur im Baikal-See gibt. Außerdem Dumplings und Pike-Fisch-Rolls. Als Getränk wurde mir ein Saft aus Beeren (Mors) empfohlen. Ich schätze, dass es eine Art Johannisbeer-Saft war. Seltsamerweise mussten wir hier in bar zahlen, was wir gar nicht mehr gewohnt sind.
Hier hatte ich endlich Zeit und Internet, so dass ich an den Beiträgen der letzten Tage arbeiten und diese veröffentlichen konnte.

Lenin Irkutsk
Lenin Irkutsk

Auf der Lenin-Straße steht natürlich ein Lenin-Denkmal wie in fast jeder russischen Stadt, die wir schon besichtigt hatten. Die Wege werden vorbildlich gekehrt. Überall sind Männer in hellen Westen und Besen zu sehen. Auf vielen Wegen sieht man auch Kehrmaschinen, denen man schnell ausweichen muss.

130. Quartier der Stadt Irkutsk

Irkutsk Wappentier
Irkutsk Wappentier Babr

In der Altstadt begrüßt uns das Wappentier Babr, das eher aus Versehen zum Symbol der Stadt wurde. Eigentlich sollte es ein Löwe sein, ist aber durch eine Fehlinterpretation der Zeichnung zu einem Biber mutiert.
Hier finden sich Holzhäuser, die aber eher modern wirken. Es gibt viele Restaurants und Geschäfte, doch ist das Treiben nicht mit dem in Moskau oder St. Petersburg vergleichbar.

In diesem Komplex befindet sich auch eine Brauerei. Da wir gerne erstmal probieren wollten, fragten wir nach einer Bierprobe. Die Kommunikation verlief stockend auf Englisch und ein wenig Russisch. Zwei Bierproben waren nicht zu bekommen, was wir nicht verstanden, bis uns die Kellnerin erklärte, dass die Bierprobe pro Tisch und gratis ist. So einen Service kennen wir aus unserer Heimat nicht, dass es etwas umsonst gibt.

Rynok-Markt

Als nächstes stand der zentrale Markt auf unserer Liste. Durch eisige Kälte ging es zu Fuß an schönen alten Holzhäusern vorbei. In einer Mall wärmten wir uns etwas auf. Es ist sehr interessant, die Geschäft in anderen Ländern zu besuchen. Es sind meist kleine Läden mit allen Artikeln in den Auslagen. Ganz oben fanden wir Toiletten. Die Toiletten-Frau schaute uns gar nicht an, sondern zeigte auf den Teller, sagte etwas in einem ruppigen Ton und schaute unentwegt auf ihr Handy. Das haben wir schon mehrfach in Russland kennen gelernt.

Der Markt war in Obst-, Gemüse-, Gewürze-, Fleisch-, Fisch- und Kosmetik-Halle unterteilt. Wieder hatten die Verkäuferinnen eine Art Tracht an. Hier erstand Oliver Beluga-Kaviar, den er erst nach einer Kostprobe kaufen wollte. Der erste mundete ihm nicht, er wurde auch von ganz unten herausgekramt. Der zweite war genau richtig, obwohl wir keine Kaviar-Kenner sind. Wer weiß, was uns da angedreht wurde. Im Nachhinein haben wir herausgefunden, dass er wohl gar nicht zum Probieren angeboten wird. Auch fanden wir hier massenweise Omul, der aus dem Baikalsee stammen soll.

Frieren in Irkutsk

Weil die Temperaturen doch weit unter dem Gefrierpunkt lagen, kehrten wir auf dem Rückweg in zwei Cafés ein, die erstaunlich leer waren. Auch die Haupteinkaufsstraße wurde wenig frequentiert. Hier fanden wir den Herrenausstatter „Köln“. In der Weltstadt Irkutsk gibt es drei Geschäfte, die deutsche Städte-Namen tragen.

Ein paar Stationen wollten wir dann mit der uns mittlerweile bekannten Straßenbahn machen. Mit anderen Fahrgästen warteten wir vergeblich. Nach eiskalten 20 Minuten kam dann endlich die Bahn, die uns auf die anderen Seite des Flusses Angara bringen sollte.

Monument to the Programmer

Wo hat man sowas schon gesehen? Ein Monument für Programmierer? Die Endstation der Straßenbahn 1 und ein kleiner Fußweg führten uns hierher.
Im Anschluss ging es zurück zu unserem Hotel. Die Nacht war sehr wuselig, da wir nur eine Decke hatten und ich das Gefühl hatte, krank zu werden. Auch meine kleine Reisedecke half hier nicht sonderlich. Das lag sicher an der Warterei auf die Straßenbahn. Außerdem gab es komische Geräusche in den Wasserleitungen, die mich immer wieder wach werden ließen.

Irkutsk Programmierer
Irkutsk Programmierer