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Attraktionen in Oulo, Finnland

Nachts hat es wieder geschneit und die Streufahrzeuge waren schon früh im Einsatz. Oulu war ganz schneebedeckt und lud zum Spaziergang ein. Diesmal führte uns der Weg zum Dom von Oulu und zum Schloss. Wenn man an die Kölner Dom denkt oder das königliche Schloss in Oslo denkt, hat man hier das Gefühl, in einem Miniatur-Dorf zu sein.

Schnee in Oulu

Am Schönsten ist natürlich der Schnee, den wir so aus Deutschland kaum noch kennen. Durch den Schnee zu stapfen ist großartig, die Wege sind jedoch trotz Streuung sehr glatt. Meine Stiefel wurden mit der Zeit auch etwas undicht.

Feiern in Oulu

Mittags zog es dann zurück in unsere Wohnung, da der MSV Duisburg ja wieder spielte. Zwar erzielten wir nur ein Unentschieden, aber das reichte, um Herbstmeister zu bleiben. Danach feierten wir dies in einem Graali Pub, der durch die vereisten Wege sehr schwer zu erreichen war. Hier half nur ein Stampf-Gang, um der Sache Herr zu werden. Schnell kamen wir mit Einheimischen ins Gespräch. Viele verstehen und sprechen sogar Deutsch. Touristen verirren sich doch nur sehr selten nach Oulu, weshalb wir die Attraktion des Abends waren.

Graali Pub Oulu
Graali Pub Oulu

Nun sind wir wieder im Norden angekommen. Skandinavien pur! Hier in Oulu, im Norden Finnlands liegt Schnee und wir haben Temperaturen um den Gefrierpunkt. Die Straßen sind vereist und Schnee fällt auf das Gesicht. Endlich machen sich die warme Kleidung und die Stiefel bezahlt.

Stadtrundgang

Heute Morgen wurde es tatsächlich etwas hell, so dass wir uns auf den Weg ins Städtchen machten. Alles war vereist und gefroren. Nicht weit von unserer Wohnung gelangt man an das Meer. Die Markthalle Kauppatori ist aktuell eine Baustelle. Nebenan sind jedoch viele der für die Stadt bekannten Holzhäuser zu sehen. Der Verkauf der Kunsthandwerker-Artikel wurde in der Vorweihnachtszeit in das Einkaufszentrum in der Innenstadt verlegt. Zu sehen war trotz des Schnees das inoffizielle Wahrzeichen der Stadt Toripolliisi.

Toripolliisi Oulu
Toripolliisi Oulu

Weiter ging es über eine Brücke in Richtung Pikisaari. Die Wege waren sehr gut gestreut, so dass wir nur wenig rutschten. Da es doch sehr frisch im Gesicht war, schlenderten wir schnell zurück und wärmten uns kurz in der Bibliothek auf. Sie wird als das Wohnzimmer der Stadt beschrieben und hat von frühmorgens bis spätabends geöffnet.

Weihnachtsmarkt

Aufgewärmt erreichten wir den kleinen Weihnachtsmarkt der Stadt. In der Innenstadt ist der Boden nicht gefroren. Es gab eine leckere Lachssuppe mit Brot und köstlichen Glögli.
Außerdem fanden wir einen Stand mit Alpaka-Produkten. Erstaunlicherweise hatten sie auch Wolleinlagen in Olivers Größe, also perfekt für diese Temperaturen und Sibirien.

Holzhaus Oulu
Holzhaus Oulu

Einkaufen

Neben dem Einkaufszentrum hat die Innenstadt noch einige nette Läden vorzuweisen. Schön war ein Geschäft mir Mode von finnischen Designern. Nicht nur Marimekko, sondern viele kleinere Labels waren hier zu finden. In den Lebensmittelgeschäften (Lidl, K-Market) war es eine Herausforderung zu verstehen, was wir eigentlich kauften. Hilfreich waren die Bilder, doch oft konnten wir erst zu Hause schmecken, was in Cremes eigentlich drin war (Fisch oder Leberwurst?).

Nach zwei Schlafunterbrechungen in der Nacht schellte der Wecker um 8 Uhr Ortszeit. Nur zwei Minuten später ertönte der Aufruf für das Frühstück und der Hinweis, dass wir eine Stunde später Helsinki erreichen würden. Endlich wieder in Skandinavien!

Schnell waren alle Sachen gepackt und wir gönnten uns einen Kaffee im Star Café. Das Einlaufen der Fähre in den Hafen beobachteten wir auf dem Außendeck. Es war direkt wesentlich kälter als bei der Abfahrt.
Die Fußpassagiere mussten sofort zu Deck 7, um von dort in den kleinen VW-Bus zu steigen. Alles ging so schnell, dass wir keine Fotos mehr machen konnten. Wir wurden direkt an der Bushaltestelle raus gelassen, der uns zur Metro brachte, die in die Innenstadt fuhr. Das Ticket kostete für 80 Minuten vier Euro pro Nase. ‚
Am Hbf gab es zum Glück wieder Schließfächer, so dass wir die Stadt für ein paar Stunden erkunden konnten.

Helsinki


Fußläufig kann man das Einkaufszentrum Stockmann (Werbung) erreichen, in dem viele skandinavischen Labels vertreten sind. In einer Kirche entdeckten wir einen Schmuck- und Deko-Weihnachtsmarkt. Ohrringe und Schmuck in allen Ausführungen. Wenn wir auf der Heimreise gewesen wären, hätte ich sicher einiges erstanden. So konnte ich alles nur bewundern. Ein paar Ohrringe von einem Außenstand musste natürlich mit.
Der Hafen von Helsinki sowie die Esplanade waren schön anzusehen. Es gibt viele Cafés und Designer-Shops, aber auch viele skandinavische Souveniers. Die Zeit war jedoch zu knapp, um einen Überblick über die Stadt zu bekommen.

Helsinki Weihnachtsmarkt

Zug nach Oulu
Um 14.30 Uhr verließ unser Zug Helsinki in Richtung Oulu. Gut war, dass wir Plätze über dem Zugrestaurant reserviert hatten. Es war brechend voll, so dass wir erst nach ein paar Stationen von unseren Plätzen aufstehen konnten. Köttbullar mit Kartoffelpüree und Salat gab es für 12,90€ bzw. 15€. Da wir den ganzen Tag noch nichts gegessen hatten, gönnten wir uns beide die große Portion. Insgesamt war es sehr lecker. Erstaunlicherweise wurde es um 15.30 Uhr schlagartig dunkel. So ist das eben hoch im Norden. Außerdem war ab hier die Umgegung schneebedeckt.
Die Fahrt endete mit einer Verspätung von 45 Minuten gegen 20.30 Uhr. Uns erwartete eine schneebedeckte Stadt, die durch Geschäfte entlang unseres Fußwegs sehr einladend wirkte. Insgesamt mussten wir 1,7 km zu unserem Quartier laufen. Das hatte sich auch gelohnt, denn wir hatten eine Wohnung über airbnb.de gebucht. Der fußläufige Supermarkt hatte bis 22 Uhr geöffnet, so dass wir uns mit dem Nötigsten eindecken konnten. Hier bleiben wir für die nächsten 6 Nächte.

Fähre von Travemünde nach Helsinki
Recht spät wurden wir wach und ich bereute, nicht doch eine Außenkabine gebucht zu haben. Es fiel kein Tageslicht in unsere Kabine, so dass ich nicht einschätzen konnte, ob ich aufstehen oder mich nochmal umdrehen sollten.
Olli sagte, dass es schon 10 Uhr wäre. Finnische oder deutsche Zeit? Egal, Zeit zu frühstücken. Wir hatten alles aus unserem Kühlschrank mitgebracht und in Lübeck noch Brötchen gekauft. Es gab also Brötchen mit Paprika, Tomaten, Rauchkäse aus Holland, Eier mit diversen Dipps und Erdnussbutter aus Utrecht. Hier kommt nichts weg. Mini-Kaffee für 3,90 € gab es dann in der Cafeteria.

Insgesamt ist die Fähre nicht so toll wie die von Stockholm nach Riga. Ein kleiner Laden, ein Restaurant, eine Cafeteria und zwei Ruhebereiche. Außerdem gibt es hier eine Sauna und einen Spa-Bereich: typisch finnisch eben. Hierfür fehlt mir aber das Sauna-Tuch und die ruhigere Umgebung.

Der Tag gestaltete sich als nicht so spannend. Wir hatten Zeit zu lesen und zu quatschen. Internet konnte man sich für 20 € dazubuchen. Aber darauf konnten wir verzichten.
Also gingen wir früh schlafen. Olli erwachte bereits um 0 Uhr wieder, ich um 2 Uhr. Da wir beiden kein Zeitgefühl hatten, mussten wir immer erst auf das Handy schauen. Olli war so lieb und hat uns mitten in der Nacht noch Wasser aus dem Automaten besorgt. Dabei machte er einen kleinen Spaziergang über das Außendeck. Leider viel zu kalt und zu dunkel mitten in der Nacht.

Nach 2,5 Monaten können wir endlich unsere Welteise fortsetzen. Wir starten da, wo wir unsere Reise unterbrochen haben und machen uns auf den Weg nach Helsinki, Finnland. Aber vorher müssen wir natürlich Lübeck passieren, wo wir den Weihnachtsmarkt besuchen werden.

Taschen werden umgepackt
Unsere Taschen hatten wir nur teilweise ausgeräumt, so dass wir das Meiste noch zusammen hatten. Lediglich ein paar Kleidungsstücke, die ich vorher im Koffer hatte und nie genutzt habe, sind zu Hause geblieben, dafür konnte ich aber meine Winterstiefel anziehen und meine Wanderstiefel fanden im Koffer Platz. Auch die Bücher sind zu Hause geblieben. Lediglich der neue Tolino sowie mein Russisch- und mein Englisch-Buch mussten auf jeden Fall mit.

Abfahrt
Um 10.29 Uhr starteten wir vom Düsseldorfer Hbf mit einem IC nach Hamburg. Durch die geringe Auslastung mussten wir nicht reservieren. Dort stiegen wir in einen RE nach Lübeck, der durch Personen im Gleis Verspätung hatte und wesentlich langsamer fuhr. Für uns war das kein Problem, denn bis zu der Abfahrt der Fähre hatten wir noch massig Zeit.

Lübeck
Unser Gepäck ließen wir in Lübeck am Hbf in zwei Schließfächern. Kurzzeit-Schließfächer bis zu 6 Stunden Nutzungsdauer kosten 4€ (groß) und 3€ (klein).

Zu Fuß ging es dann in Richtung Innenstadt, wo das Holsten-Tor, das früher unsere 50-DM-Scheine verzierte, uns mit toller Beleuchtung empfang. Die Stadt ist im Ganzen wenig beleuchtet, so dass die Weihnachtsdekoration das Städtchen erstrahlen ließ.

Natürlich zog uns der Marzipan-Laden an, in dem man auch probieren konnte. Da unser Ziel jedoch der Lübecker Weihnachtsmarkt war, teilten wir uns lediglich eine Praline und zogen weiter. Schnell kam der Duft von Glühwein, gebrannten Mandeln und Gebratenem näher. Für uns kamen natürlich nur Spezialitäten infrage, die es bei uns seltener gibt: Marzipan-Glühwein, Sanddorn mit Schuss und ein leckerer Rum-Topf mit Rosinen (den gibt es natürlich auch in Düsseldorf). In einer kleinen Gasse gab es ökologische Waren und Spezialitäten, die ich aus Geschichten meiner Familie kenne z.B. Steckrübeneintopf. Ein weiteres Highlight war der Märchen-Weihnachtsmarkt, der sicher auch unseren Nichten gefallen hätte.

Kultur
Zum Schluss zog es uns in die Glockengießergasse, in der das Haus zu finden war, in dem Günther Grass gelebt hatte. Die Häuser Lückecks sind sehr imposant und erhaben. Leider hatte die Ausstellung schon geschlossen und wir kehrten in die “Historischen Bierstuben” ein, ein Ort, in dem man sich um Jahrzehnte zurückversetzt fühlt. Hier wird geraucht, man sitzt mit Menschen aus dem Ort zusammen und kommt schnell ins Gespräch. So konnten wir Gesprächen über den Wandel der Stadt lauschen, während wir um uns alte, vergilbte Streifentapeten, mit Bildern und Tellern verziert, bestaunen konnten.

Lübeck Marzipan Glühwein
Lübeck Marzipan Glühwein

Fähre von Travemünde nach Helsinki
Vom ZOB (Zentraler Busbahnhof) fuhr uns der Bus 31 – vollbesetzt mit Rentnern, die von Weihnachtsfeiern kamen – nach Travemünde zum Skandinavienkai. Nach 40 Minuten Fahrt konnten wir in der Wartehalle auf unsere Fähre warten. Dort gibt es einen Weinkontor, bei dem sich die Wartenden mit Spirituosen und Wein eindecken, da es in Finnland bekanntlich wesentlich teurer ist. 

Ein VW-Bus brachte etwa 10 Fußpassagiere auf die Fähre, wo wir nach einer kurzen Wartezeit unsere Innenkabine beziehen konnten. Das Ausschiffen sollte erst um 3 Uhr nachts stattfinden, so dass wir diese nicht mehr mitbekamen. 

Burg erkunden, Kirchen besichtigen, die schöne Aussicht genießen oder lecker essen? Das haben wir alles schon gemacht. Also auf zur nächsten thematischen Stadtführung.

Stadtbesichtungung
Diesmal führte uns Jónas, der ursprünglich aus Island stammt, durch die Straßen Tallinns, um uns das Tallinn unter sowjetischer Herrschaft nahezubringen.
Die erste Station war das Theater, das entgegen aller Erwartung sehr prunkvoll gestaltet war. Stalin ließ es zu Propagandazwecken erbauen.

Weiter ging es an der Seite des Gebäudes, an der bildlich sowjetische Tugenden (Landwirtschaft, Industrie, etc.) dargestellt wurden. Darunter fiel auch die Fischerei. Hier erklärte uns Jónas, dass Estland keine Fisch-Nation ist. Fisch gilt als Arme-Leute-Essen und ist daher nicht so populär.
Die Aufteilung der Wohnungen war immer gleich. Es gab das Interieur entweder in braun oder in dunkelbraun, das war die Wahl, die man tätigen konnte. Ansonsten waren alle Wohnungen innen und auch außen, nämlich eine Wohnblock neben dem anderen, sehr ähnlich.

Für die olympischen Spiele im Jahre 1980 war Tallinn Co-Austragungsort, da Moskau nicht am Meer liegt und die Segel-Wettbewerbe irgendwo stattfinden mussten. Die Stadt war vorbereitet: es gab das Maskottchen Mischa (russisch Миша) oder auch Mischka (russisch Мишка), das einen kleinen Bären darstellt, in allen Variationen. Man erwartete viele Touristen.
Da die Sowjetunion jedoch kurz zuvor in Afghanistan einmarschierte, wurden die olympischen Spiele von vielen Westnationen boykottiert – in der Tat gab es sogar zwei Boykotts, da auch innerhalb Russlands Tallinn als besetztes Staatsgebiet von vielen russischen Sportlern boykottiert wurde. Die Stadt Tallinn blieb auf den Merchendise-Artikeln sitzen. Heute kann man sie in einer Antik-Halle zum Schnäppchenpreis erwerben.

Wie schon am Vortag wurde der baltische Weg thematisiert: eine 650 km lange Menschenkette, die durch Estland, Lettland und Litauen führte, um sich singend von der Sowjetunion zu befreien.
Vier Ingenieure verbarrikadierten sich im Fernsehturm, worum sich ebenfalls Menschenketten bildeten. Russische Panzer standen vor dem Radio, dem Parlament und dem Fernsehturm. Ein Demonstrant brachte einen Fernseher an und deutete an, dass sich die Russen lieber um das kümmern sollten, was in Moskau passierte, als Tallinn zu belagern. Aufgrund des friedlichen Protests zogen die Truppen ab. Man war sehr unsicher, was passiert war. Nämlich das Unerwartete: kein Angriff, sondern ein Abrücken der Truppen.
(Meine geschichtlichen Einspieler sind nicht wissenschaftlich fundiert, sondern nur das, was ich auf Exkursionen verstanden habe.)

Unsere Tour endete an vielen langsam verrottenden Stufen. Sie sind ursprünglich für die olympischen Spiele errichtet worden, haben heute allerdings nur die Funktion, zu einer Aussichtsplattform zu führen.

Nach der Tour besuchten wir noch die große Trödelhalle Balti Jaama Turg. Hier findet man unten einen Supermarkt, im Ergeschoss Food-Stände und oben eine riesige Halle mit Antiquitäten und Tinnef aus der Sowjetzeit. Draußen speisten wir dann bei einem Stand aus Usbekistan. Sehr köstlich. Zum Nachtisch gab es einen schmackhaften Kakao bei Anneli Viik sowie Wegzehrung aus dem Kalev-Schokoladen-Geschäft (hier gibt es Tallinner Schokolade).

Tallinn Tinnef

Wieder sind wir in einer neuen Wohnung aufgewacht. Wir fühlen uns aber schnell heimisch, solange es ein Bett und eine Waschmaschine gibt (lach).

Nach einem Frühstück zuhause latschten wir zur Touristen-Information, um an der 14 Uhr Free-Walking-Tour teilzunehmen. Wir waren etwa 20 Personen, die Legenden und Geschichten lauschten.

Sehr interessant war die Geschichte vom Teufel, der in einem Haus Hochzeit hielt. Der Wirt, der vorher versprach, den Gast nicht zu stören, lünkerte durch das Schlüsselloch, weil er sich den Krach nicht erklären konnte. Tänzer, Orchester etc. waren aus einem einzigen Zimmer zu hören. Da er aber zu neugierig war, verstarb er am nächsten Tag an einem Herzinfarkt, als er die Zimmertür des verwüsteten Zimmers öffnete und sein Gold entgegennahm.
Das Fenster ist auch heute noch schwarz (oben links).

Wir waren auf zwei verschiedenen Aussichtsplattformen auf der Burg. Die ganze Altstadt scheint eine Burg zu sein. Von dort sieht man sehr gut ein Hotel. Durch eine regelmäßige Fährverbindung von Finnland nach Estland kamen die Finnen regelmäßig als gern gesehene Westgäste in der Sowjetrepublik Estland, die zu dem Zeitpunkt noch zur Sowjetunion gehörte. Alle Besucher mussten in diesem Hotel nächtigen, wo der KGB sie natürlich komplett überwcht und ausspioniert hat. Das waren noch andere Zeiten!
Besondere Weihnachtsgeschenke für Kinder waren Kaugummis aus dem Westen, die man gerne mit seinen Freunden auf dem Schulhof tauschte, nachdem sie bereits eine Weile gekaut wurden.

Tallinn Freiheitsplatz

An dem Freiheitsplatz erzählte uns unsere Guide wieder die Geschichte von der Unabhängigkeit Estlands, Lettlands und Litauens um 1991. Durch alle drei Länder haben sich die Menschen an den Händen gefasst und in ihrer Heimatsprache gesungen.
Am Freiheitsplatz steht seit 2009 ein Friedensturm aus Glas, der jedes Jahr komplett gereinigt wird, da er immer von Bakterien grün wird. Er steht für den Unabhängigkeitskrieg 1918-1920.

Abends gab es bei uns Pfannkuchen in einem Restaurant, in dem man sich darauf spezialisiert hat. Im Kompressor wird man für wenig Geld satt und glücklich. Die Auswahl ist angemessen.

Es war schade, Riga so schnell zu verlassen. Wir machten und fertig und stiefelten gegen 10.30 Uhr in Richtung Busbahnhof, vorbei an Parks und diversen Sehenswürdigkeiten, die wir kennen lernen durften.
Auf den Bildern sieht man den Eingang zu dem Hinterhaus, in dem wir wohnten. Es war aber nicht Etage 7,5.

Der Busbahnhof ist etwas trostlos, aber sehr belebt. Tags zuvor waren wir hier, um unsere Tickets ausdrucken zu lassen. Das hat die nette Dame von der Busgesellschaft sogar gratis gemacht. Sowas findet man in Deutschland kaum noch.
Noch eine Anekdote vom Vortag, die mich sehr erschüttert hat. Als wir den Busbahnhof durchquerten, kamen wir an einem Mann vorbei, der sich nur schwer auf Krücken halten konnte. Als wir unsere Tickets hatten, stand er immer noch zitternd alleine dort. Alle rannten vorbei. Eine Frau und wir fragten daraufhin, ob wir helfen können. Zwar sprechen wir ganz andere Sprachen, trotzdem war der Mann dankbar, dass Olli ihn stütze. Ich holte dann Hilfe vom Bahnpersonal. Haben die Menschen Tomaten auf den Augen und sehen nicht, wenn jemand Hilfe braucht? Ich war echt entsetzt.

Die Busfahrt war recht unspektakulär. Wir hatten bequeme Sitze, es gab eine Toilette. Oliver konnte sogar einen Teil des MSV-Spiels auf dem Handy über WLAN verfolgen. Interessant waren mal wieder die merkwürdigen Mitreisenden. Eine Frau, die schräg vor mir schnarchte, wurde von einem in der Nähe sitzenden Reisenden auf den Sitz geschlagen. Davon wurde die Frau nicht wach und er schlug mehrfach gegen den Sitz. Wieder eine sehr merkwürdige Situation.

Um kurz nach 16 Uhr erreichten wir den Busbahnhof Tallinn, eine halbe Stunde zu früh. Von dort nahmen wir einen Bus. Der Busfahrer war sehr nett und wollte unsere Reiseroute wissen und erklärte ganz stolz, dass er zu 25% Deutscher wäre.

Unsere Wohnung liegt in der 4. Etage direkt in der Nähe der Altstadt. Wir haben es wieder sehr gut getroffen, mit Schlafzimmer, Wohnzimmer, Bad mit Waschmaschine und riesigem Balkon.

Die Altstadt ist traumhaft schön. Eine große Festung, alles toll beleuchtet. Nette Restaurants, die aussehen, als wären sie aus einem alten Märchenbuch. Es erinnerte irgendwie an eine Weihnachtsmarktlandschaft.

Essen gingen wir im Peppersack. Für mich gab es Elchrippchen. Köstlich! Olli hatte ein Pfeffersteak. Auch den Nachtisch konnten wir uns nicht entgehen lassen. Schokoladenkuchen und Dattelmus. Beides mit Beereneis.

Tallinn Elchrippchen

In der Nähe befand sich die Depeche-Mode-Bar. Sie zählt bei Lonely Panet zu den 10 skurrilsten Bars (Platz 5). Auf Leinwänden liefen Konzerte, überall Plakate und Merchendising Artikel.

Zuletzt kauften wir noch für den nächsten Tag ein. Es gibt viele Supermärkte, die bis 22 oder 23 Uhr geöffnet haben. Sehr praktisch.

Riga kann man uneingeschränkt für eine Kurzreise empfehlen. Es finden diverse kostenfreie Stadtführungen statt. Von einem Teilnehmer aus meinem Russisch-Kurs (hallo Matthias) bekam ich den Tipp, an einer solchen Tour teilzunehmen. Wir entschieden uns für „Alternatives Riga„, da wir ja am Vortag schon die Tour mit der App gemacht hatten.

Die Tour startete um 12 Uhr an der Petri-Kirche, also in der Altstadt, wo diese unwegsamen kleinen Gässchen sind. Unsere Guide Lida erzählte und einiges über die Geschichte Lettlands. Insbesondere die Zeit unter deutscher und dann russischer Besatzung haben das Land geprägt. Sie selbst (ca 30 Jahre) hat noch eine Kindheit unter weniger Wohlstand erlebt. In den letzten Jahren, insbesondere seit der Revolution 1991, wo die sich die Menschen singend in Unabhängigkeit kämpften, hat sich Lettland unheimlich herausgeputzt.
Ein Rentner bekommt mindestens 120€. Die meisten bekommen 340€, mit denen man gut leben kann, wenn man weiter weg von Riga wohnt. Die Lebensmittelpreise in Riga entsprechen in etwa denen in Deutschland. Auf dem Markt und im Umland ist es aber wesentlich günstiger. Hier kann man 2kg Tomaten für 20 Cent bekommen.

Eine Station der Tour war bei den großen Markthallen, wo die Einheimischen einkaufen und essen gehen. Es gibt spezielle Hallen für Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Kleidung und Street Food. Unsere Guide legte uns die lettischen Spezialitäten nahe, die wir hinterher bei unserem Rundgang durch die Stadt auch genossen.

Die Tour führte an einem Mahnmal der verschleppten und getöteten Juden vorbei. In Riga gab es viele Bewohner, die Juden zur Flucht verhalfen. Es ist erschreckend, wie weit man reist und einen die deutsche Geschichte immer wieder berührt.

An der Oper endete der Rundgang nach 2,5 Stunden. In den zwei Tagen haben wir wirklich viel gesehen und mitgenommen.

Während der Tour erreichten mich Fotos aus Deutschland von meinen lieben Kollegen, die auf einem Lehrerausflug waren. Komisch, nicht dabei zu sein! Aber auch schön, dass ich nicht vergessen werde.

Auf eigene Faust liefen wir dann erneut einige Stopps ab, um zu essen (Streetfood-Halle) und um die Aussicht zu genießen. Dafür fuhren wir in das Gebäude „Akademie der Wissenschaft“ (danke Matthias). 5€ Einritt, 15 Etagen mit dem Lift und die letzten zwei Etagen zu Fuß. Das Gebäude ist sehr alt und steht teilweise leer. Dort sind schöne Bürogebäude zu vermieten. Die Dame am Empfang war sehr ruppig und bestimmt, das sind hier aber viele Menschen. Unsere Guide von der Führung hatte uns schon vorgewarnt, dass Letten keinen Small-Talk führen und sofort sagen, was sie denken.
Die Aussicht war okay, es gab viele alle Häuser mit Blechdächern. Beeindruckend fand ich das Gebäude der Bibliothek. Sie lag allerdings auf der anderen Seite des Flusses und war etwas weit weg.

Den Abend ließen wir in dem Key-Café ausklingen, in dem wir auch schon am Vortag waren. Oliver hat recherchiert, dass Riga eine Partnerschaft mit Bremen hat, die ja den Schlüssel in ihrem Wappen haben.
Es wurde aber recht schnell kalt, so dass wir froh waren, in unsere tolle Wohnung zu kommen, in der es immer schön warm ist.

Riga Key Café

Guten Morgen in Riga! Die Ansage, dass wir in den Hafen von Riga einlaufen, ertönte um kurz nach 9 Uhr Ortszeit (Riga ist eine Stunde weiter als wir). Oliver war schon längst duschen und lachte mich an, während ich mich schlaftrunken aus dem Bett quälte. Die Aussicht – ein Leuchtturm-Plakat – war dieselbe, also nichts, was mich motivierte, aufzustehen.

Mit gepackten Taschen fuhren wir von Deck 2 nach Deck 7, um zu sehen, wie wir in den Hafen einfahren. Kaffee wurde zum Glück noch angeboten, der vorzüglich schmeckte. Wir gingen als letzte von Board.
Unsere Wohnung erreichten wir fußläufig und konnten vorher noch durch einen schönen Park flanieren. Vor dem Haus war eine Bank, auf der wir warten, da Olga, die Mutter unseres Vermieters uns um 12.15 Uhr die Schlüssel übergeben wollte, damit wir unsere Sachen ablegen konnten. Sie kam etwas früher in Begleitung ihrer eigenen Mutter. Die Kommunikation bestand aus ein paar Brocken Englisch und ein paar Brocken Russisch.


Der Eingang war schon ein Abenteuer. Große Tür, Treppenhaus, das war noch alles normal. Doch dann deutete sie uns an, dass wir uns bücken sollten und wir gingen durch eine kleine Unterführung ins Hinterhaus. Sie wollte mir unbedingt helfen, meine Tasche in die 3. Etage zu tragen, was aber durch die Wendeltreppe sehr schwierig wurde. Die letzte Etage hat dann Oliver alles getragen.

Zu Fuß ging es ohne großen Plan in die Altstadt. Die Straßen und Gassen bestehen aus sehr großen, verschieden großen Steinen, die für mich gefährliche Stolperfallen darstellen. Doch ich habe das ganz gut gemeistert. In einem Café (Key to Riga) ruhten wir uns erstmal aus. Wovon eigentlich? Doch dort gab es eine schöne Aussicht auf Kirchen, weitere Cafés, schöne Häuser und Menschen.
Im Internet fand ich eine Tour, die über ein App gesteuert wird, bei der man Rätsel lösen muss. Genau das Richtige für uns. Für 18 € (Interrail-Discount 2€) lud ich mir die App runter und los ging es.

Vorbei an einem Kanal, schönen Gebäuden, Kirchen waren wir drei Stunden unterwegs. Zwischendurch bot die App auch an, eine Pause zu machen, wo wir in dann in ein Fischrestaurant einkehrten. Insgesamt war das mal etwas Anderes und wir konnten wirklich Dinge entdecken, denn wir wurden ja nicht mit der Nase darauf gestoßen, sondern mussten suchen und kombinieren.

Bevor wir den Abend in unserer tollen Wohnung ausklingen lassen wollten, gingen wir noch einkaufen. Hier wird Vieles in Pfannkuchen gewickelt. Sehr lecker! Der Bio-Ziegenkäse sieht aus, als hätte ihn Oma direkt auf dem Hof verpackt.